
(Bild: Gorodenkoff / Shutterstock.com)
Die EU-Kommission will Rechenzentren per Verordnung zu Öko-Kennzeichnungen verpflichten. Googles Stromverbrauch stieg 2025 um 37 Prozent.
Noch im Juli will die Europäische Kommission eine Verordnung auf den Weg bringen, die elektronische Energielabels für sämtliche Rechenzentren in der EU vorschreibt.
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Neue wie bestehende Anlagen mit einer IT-Leistung ab 500 Kilowatt müssten dann ihren Energie- und Wasserverbrauch offenlegen – so steht es in einem Bloomberg vorliegenden Entwurf.
Wie dringend das Thema ist, zeigt Google: In seinem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht meldete der Konzern einen Stromverbrauch von rund 43,6 Millionen Megawattstunden für 2025. Das entspricht ungefähr dem Jahresstromverbrauch Griechenlands.
Das Bewertungssystem ist der zweite Schritt nach der Delegierten Verordnung EU/2024/1364, die bereits 2024 eine europäische Datenbank und Meldepflichten für Schlüsselkennzahlen festlegte. Ab dem 15. August 2027 soll die Datenbank laut EU-Kommission automatisch Labels generieren, jährlich aktualisiert.
Der Strombedarf der Branche dürfte sich nach der Prognose der Kommission gegenüber 2023 mehr als verdoppeln und bis 2030 über 3 Prozent des gesamten EU-Stromverbrauchs übersteigen.
Vier Kennzahlen als Kern des Labels
Das Label stützt sich auf vier Indikatoren: die Stromverbrauchseffizienz PUE (Power Usage Effectiveness), die Wasserverbrauchseffizienz WUE, den Faktor für Energiewiederverwendung ERF und den Anteil erneuerbarer Energien REF.
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Im EU-Durchschnitt liegt der PUE bei 1,36 – je näher an 1,0, desto effizienter arbeitet ein Rechenzentrum.
Bei der Abwärmenutzung sieht es ernüchternd aus: Der ERF liegt EU-weit im Schnitt bei gerade einmal 0,018. Anders gesagt: Nur 1,8 Prozent der Abwärme werden wiederverwendet.
Wie dringend höhere Effizienz ist, zeigte ein Bericht des europäischen Thinktanks interface vom Mai 2026. Demnach verbraucht jeder Server in einem KI-Rechenzentrum drei- bis zehnmal mehr Strom als ein herkömmlicher Server.
Ein 100- bis 300-Megawatt-KI-Cluster verhalte sich „weniger wie eine traditionelle IT-Infrastruktur, sondern eher wie eine stromintensive Industrieanlage“, heißt es darin.
Lobbyarbeit verwässert die Regeln
Die Aussagekraft des Labels steht allerdings schon unter Druck. Wie heise online berichtete, drängen Amazon Web Services, Microsoft und der Branchenverband EUDCA darauf, strenge Anforderungen an Grünstrom-Zertifikate zu streichen.
Ein früherer Entwurf sah vor, dass Zertifikate nur anerkannt werden, wenn der Strom zeitgleich und in derselben Preiszone erzeugt wurde. Nach Lobbyarbeit sollen diese Vorgaben weitgehend entfallen – auch Kernenergie-Zertifikate könnten künftig zählen.
Rechenzentren könnten damit ihre Emissionen billig „wegzertifizieren“, selbst wenn vor Ort fossil erzeugter Strom fließt.
Google selbst liefert ein Beispiel für dieses Dilemma. Bilanziell deckt der Konzern seinen Verbrauch seit neun Jahren zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien. Tatsächlich aber stieg der gesamte CO₂-Fußabdruck 2025 auf 14,5 Millionen Tonnen, die Lieferkettenemissionen wuchsen um 25 Prozent.
Cleanview-CEO Michael Thomas wies zudem auf ein geplantes 933-Megawatt-Erdgaskraftwerk ohne CO₂-Abscheidung in Texas hin, das Googles dortige Rechenzentren versorgen könnte.
Auch Deutschland lockert Vorgaben
Der Spagat zwischen KI-Ausbau und Klimaschutz zeigt sich nicht nur auf EU-Ebene. Die Bundesregierung will die Vorgaben des Energieeffizienzgesetzes für Rechenzentren aufweichen, Umweltverbände sprechen von einem „Kniefall vor Tech-Konzernen“.
Und in Schottland entpuppten sich die Öko-Versprechen für ein geplantes Großrechenzentrum in Lanarkshire als kaum belastbar: Statt der versprochenen erneuerbaren Energie diskutierten die Betreiber intern über eigene Gaskraftwerke.
Die EU-Kommission lehnte eine Stellungnahme zum Bloomberg-Entwurf ab. Der endgültige Verordnungstext könnte sich noch ändern.