
©
Adobe Firefly (mit KI generiert)
Eine monströs aufgeblähte Kuh (Symbolbild): So gewaltig, wie sie in der Vergangenheit gelegentlich dargestellt wurde, ist der Rolle der Kuh für den Klimawandel nicht. Das geht aus der neuen Nutztierstrategie der Europäischen Kommission hervor.
Die Nutztierstrategie der EU-Kommission lässt aus Sicht von Landwirten viele Fragen offen, vor allem, was die Finanzierung angeht. Doch bringt sie einen klaren Vorteil: Den Mythos von der Kuh als Klimakiller trägt sie zu Grabe.
Wer jemals an einer Diskussionsrunde zur Nutztierhaltung teilgenommen hat, kennt den Moment: Früher oder später fällt der Begriff vom „Klimakiller Kuh“. Die Rinderhaltung produziere große Mengen Methan und befördere so den Klimawandel. Die einzige Lösung sei, Bestände abzustocken und weniger Fleisch zu essen.
Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft haben über viele Jahre dagegen argumentiert und für eine differenziertere Betrachtung geworben. Nun endlich bekommen sie, in Form der neuen EU-Nutztierstrategie, von allerhöchster Stelle, der EU-Kommission, Recht. Neues Geld fehlt zwar in der Strategie, aber wichtig ist der sprachliche Wandel trotzdem allemal.
Strategische Autonomie vs. Green Deal

©
Jakob Berr
Ein Kommentar von Simon Michel-Berger, Chefredakteur von agrarheute.
Zum ersten Mal sieht die Kommission die Nutztierhaltung von der Warte der europäischen Sicherheit und verwendet den Begriff der „strategischen Autonomie“. Für eine Behörde, die bis vor Kurzem noch den Green Deal auf ihren Fahnen stehen hatte, ist das ein erheblicher Wandel. Tierhaltung sieht sie, insbesondere an der EU-Ostgrenze, als Schutz gegen Landaufgabe und damit als Faktor für regionale Sicherheit.
Zwar wiederholt die Kommission, dass Rinderhaltung für den Großteil landwirtschaftlicher Methanemissionen verantwortlich sei. Doch auch hier nimmt sie eine neue Position ein. Sie spricht nämlich erstmals von biogenem Methan, das Teil eines natürlichen Kreislaufs ist und unterscheidet somit gegenüber Emissionen aus fossilen Energieträgern.
Lediglich in Gebieten mit sehr hoher Viehkonzentration sollen die Mitgliedsstaaten Nährstoffüberschüsse senken. Aber auch hier stehen Freiwilligkeit, Innovation und neue Technologien als Lösungen vorn.
Noch positiv ist die Nutztierstrategie in der Beschreibung, was geschehen muss, um den Niedergang der Tierhaltung in der EU zu stoppen. Modernisierung, bessere Wertschöpfung, mehr Biosicherheit und viele weitere Begriffe werden genannt, die alle den Landwirten bekannt vorkommen werden. Die Kommission verweist an einer Stelle auf eine Finanzierungslücke in Milliardenhöhe für die Nutztierhaltung als Ganzes.
Schwach wird die Strategie dann aber bei der Frage, wo das Geld herkommen soll. Möglicherweise aus der GAP, eventuell durch ein Kreditprogramm von der Europäischen Investitionsbank, gerne vom Handel und am besten von den Verbrauchern. Um letzteres zu unterstützen, kann es möglicherweise ein neues Siegel für europäische Herkunft geben. An diesem Punkt standen wir schon oft. Ich glaube nicht mehr an das eine neue Logo, dass den Durchbruch bringt. Die Modernisierung der Tierhaltung wird entweder vor allem vom Markt bezahlt werden oder gar nicht.
Diese letzte Baustelle kann man beklagen und ich selbst habe das in den vergangenen Jahren schon oft getan. Eines Tages setzt sich vielleicht auch in Europa die Erkenntnis durch, dass es nur mit privatwirtschaftlichen Partnerschaften wie der Initiative Tierwohl wirklich Fortschritte geben kann.
Eine Logik für die ganze Agrarbranche
Dennoch ist diese Nutztierstrategie für all diejenigen aus der Landwirtschaft eine Freude, denen man den Mythos vom Klimakiller Kuh um die Ohren geschlagen hat. Wenn es nun gelingt, die Landwirtschaft insgesamt – gleichauf mit Verteidigung – als kritischen Bereich für die gesamte EU anzuerkennen, dann kann man auch andere Baustellen wie die Agrarförderung oder die überbordende Bürokratie besser aufräumen.