Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments (ENVI) hat für eine deutliche Ausweitung des CO2-Grenzausgleichssystems (CBAM) gestimmt. Künftig sollen auch weiterverarbeitete Produkte aus Stahl und Aluminium unter die Regelung fallen. Ziel ist es, Schlupflöcher zu schließen und die europäische Industrie vor Importen mit hohem CO2-Fußabdruck zu schützen.

Strengere Regeln für Importeure

Mit 56 zu 11 Stimmen bei 12 Enthaltungen sprach sich der Ausschuss für die Ausweitung auf nachgelagerte Produkte aus. Betroffen sind künftig Verbindungselemente, Draht, Federn sowie Haushaltswaren aus Stahl und Aluminium. Parallel dazu stimmten die Abgeordneten für schärfere Vorschriften gegen Umgehungsversuche – etwa geringfügige Modifikationen an Produkten zur Zollvermeidung. Auch Importe über den Online-Handel sollen stärker kontrolliert werden.

Ein zentraler Punkt der Neuregelung ist die Einrichtung eines befristeten Dekarbonisierungsfonds (TDF) für 2027 bis 2029. Mit 59 zu 16 Stimmen angenommen, soll der Fonds betroffene Sektoren wie die Düngemittelproduktion unterstützen. Die CBAM-Einnahmen sollen gezielt in diese Industriezweige zurückfließen. Gleichzeitig lehnte der Ausschuss einen allgemeinen Schutzmechanismus ab und strich Bestimmungen zu Carbon Credits nach Artikel 6 aus dem Entwurf.

Erste Wirkungen auf dem Markt

Parallel zu den parlamentarischen Entscheidungen hat die EU-Kommission eine öffentliche Konsultation gestartet. Sie betrifft die Durchführungsbestimmungen für den Verkauf und die Rückgabe von CBAM-Zertifikaten auf einer zentralen Plattform. Interessierte können sich noch bis zum 6. August 2026 äußern. Das System befindet sich seit Anfang des Jahres in der regulativen Phase.

Die bestehenden Maßnahmen zeigen bereits Wirkung. Laut Daten des Bureau of International Recycling (BIR) hat sich die Importpenetration auf dem europäischen Markt für rostfreien Stahl im zweiten Quartal 2026 halbiert. Grund ist die Kombination aus CBAM-Anforderungen und ergänzenden Schutzmaßnahmen. Während die Nachfrage nach hochwertigem Schrott stabil bleibt, agieren europäische Stahlwerke beim Zukauf wegen schwankender Nickelpreise und Wartungsarbeiten derzeit vorsichtig.

Rohstoffstrategie und Wasserstoffprojekte

Die Debatte um den Grenzausgleich fällt mit einer verschärften europäischen Rohstoffstrategie zusammen. Der EU Critical Raw Materials Act stuft Graphit als kritischen und strategischen Rohstoff ein – Europa ist hier nahezu vollständig auf Importe angewiesen. Marktforscher erwarten eine stark steigende Nachfrage, getrieben durch die Batterieproduktion für die Elektromobilität.

Auch beim grünen Wasserstoff gibt es Fortschritte. In Deutschland befinden sich zahlreiche Projekte in Umsetzung oder Planung, die installierte Elektrolysekapazität ist global zuletzt deutlich gewachsen. Zertifizierungsstellen wie der TÜV Süd bieten bereits Prüfverfahren für grünen Wasserstoff unter Berücksichtigung der CBAM-Anforderungen an.

Ausblick: Entscheidung im September

Die endgültige Abstimmung über das Verhandlungsmandat im Europäischen Parlament ist für September 2026 geplant. Folgt das Plenum dem Entwurf des Umweltausschusses, stehen weitreichende Anpassungen für globale Lieferketten und Importeure von Metallgütern bevor.

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