
Symbolbild
(Bild: Mike Mareen / Shutterstock.com)
Mit Projekt Bliksem EXO wollen Destinus, MBDA, Airbus, Thales und Safran teure Abhängigkeit von US-Systemen beenden. Erste Weltraumtests sind für 2027 geplant.
Europa hat noch erhebliche Schwächen damit, seinen Luftraum gegen ballistische Raketen zu verteidigen. Doch fünf europäische Rüstungsunternehmen wollen das jetzt ändern und die obere Verteidigungsschicht, die bislang fehlt, schließen.
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Mit dabei ist das niederländische Unternehmen Destinus. In einer Mitteilung gab es jetzt bekannt, dass es gemeinsam mit MBDA Deutschland, Safran Electronics & Defense, Airbus Defence and Space sowie Thales am 14. Juli in Paris eine Absichtserklärung unterzeichnet habe, mit der das Bliksem-EXO-Konsortium ins Leben gerufen wird.
Die Zeremonie fand während der Gründungssitzung einer neuen Anti-Ballistik-Koalition im französischen Außenministerium statt, in Anwesenheit des niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten.
Das System soll ballistische Mittel- und Mittelstreckenraketen (Medium-range Ballistic Missiles, MRBM, und Intermediate-range Ballistic Missiles, IRBM) in der mittleren Flugphase oberhalb der Atmosphäre abfangen – und zwar rein kinetisch nach dem sogenannten Hit-to-Kill-Prinzip, also ohne Sprengkopf.
Bliksem EXO zielt dabei ausdrücklich auf Bedrohungen der Oreshnik-Klasse mit abtrennbaren und manövrierfähigen Gefechtsköpfen. Russland hat die hyperschallfähige Oreshnik-Rakete, die auch Atomsprengköpfe tragen kann, bisher zweimal gegen die Ukraine eingesetzt.
Klare Arbeitsteilung im Konsortium
Destinus übernimmt laut Mitteilung als Konsortialführer die Systemintegration und entwickelt das Exo-Atmospheric Kill Vehicle (EKV) – den eigentlichen Abfangkörper.
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MBDA Deutschland liefert Booster, Startgerät und Transportbehälter. Safran steuert Suchkopf sowie Lenk-, Navigations- und Steuerungstechnik bei.
Airbus Defence and Space verantwortet die Kommando- und Kontrollarchitektur samt Gefechtsführungssystem (BMC4I), Thales die Radar- und Sensorkette von der Frühwarnung bis zur Feuerleitung.
Europas Lücke in der oberen Abwehrschicht
„Europa verfügt über starke Raketenabwehrsysteme in der unteren Verteidigungsschicht, doch es fehlt nach wie vor eine eigenständige europäische obere Verteidigungsschicht gegen ballistische Mittel- und Mittelstreckenraketen“, erklärte Destinus-CEO Mikhail Kokorich.
Bisher decken in dieser Schicht laut Defence Network vor allem das israelische System Arrow 3 sowie die US-Systeme THAAD und Aegis BMD ab. Deutschland beschafft Arrow 3 im Rahmen der European Sky Shield Initiative (ESSI), bleibt damit aber technologisch von Israel und den USA abhängig, bei Software-Updates ebenso wie bei Exportfreigaben.
Bliksem EXO soll diese Abhängigkeit verringern: Das System wird von Beginn an auf vollständige Interoperabilität mit der integrierten Luft- und Raketenabwehr der Nato (IAMD) und ESSI ausgelegt. In die Systemauslegung sollen zudem operative Erfahrungen der Ukraine bei der Abwehr massiver Raketenangriffe einfließen, heißt es im Wall Street Journal.
Ambitionierter Zeitplan mit offenen Fragen
Innerhalb von drei Monaten nach Unterzeichnung der Absichtserklärung soll eine verbindliche Konsortialvereinbarung stehen. Die gemeinsame Ingenieursarbeit ist ab August 2026 geplant, ein erster Weltraumtest des Kill Vehicle für 2027.
Die Absichtserklärung selbst begründet allerdings noch keine Verpflichtung zur Finanzierung oder Beschaffung des Systems. Bis Bliksem EXO einsatzbereit wäre, dürften noch Jahre vergehen, und in dieser Zeit bleibt Europa auf importierte Systeme angewiesen.