„Ein IPO ist für uns eher eine mittelfristige Option“
Interview mit Thomas Forner, Mitgründer und CEO, Focused Energy
GoingPublic: Herr Forner, Focused Energy baut den lokalen Schwerpunkt in Deutschland aus. Worin liegen die entscheidenden Gründe dafür?
Thomas Forner: Wir stärken unseren Standort in Deutschland, weil hier mehrere wichtige Faktoren zusammenkommen: Wir glauben an Deutschland und Europa, wir erleben starke politische Unterstützung auf allen Ebenen, und wir finden hier die weltweit führende Optoelektronikindustrie. Besonders bei Lasertechnologie und Präzisionsoptik hat Deutschland einen technologischen Vorsprung, den wir für den Aufbau unseres Fusionsindustrieökosystems nutzen. Gleichzeitig bietet die starke industrielle Basis beste Voraussetzungen, um Fusion zu industrialisieren. Gelingt uns das, hat Europa die große Chance, bei einer Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts von Beginn an vorne dabei zu sein.
Welche Einkommensströme sieht Ihr Geschäftsmodell vor?
Wir selbst bauen keine Kraftwerke, sondern konzentrieren uns auf die Entwicklung und Vermarktung der zentralen Schlüsseltechnologien eines Laserfusionskraftwerks, für die wir die maßgeblichen Eigentumsrechte besitzen. Dazu zählen insbesondere hochpräzise Targets, perfekt darauf abgestimmte Lasersysteme und Reaktorkammertechnologien, die wir gemeinsam mit Partnern
in unserem Fusionsindustrieökosystem entwickeln. Daraus ergeben sich für uns vor allem Erlösströme aus Technologiepartnerschaften, Lizenz- bzw. Royalty-Modellen, der Bereitstellung integrierter Systemlösungen und perspektivisch aus langfristigen industriellen Kooperationen rund um künftige Kraftwerksprojekte.
Wie sieht der Investorenmix aktuell aus – dominiert angelsächsisches Kapital oder spiegelt sich die Hinwendung zu Europa auch bei den Geldgebern wider?
Es zeigt sich ein internationaler, diversifizierter Investorenmix. Neben RWE beteiligen sich Investoren aus Deutschland, Europa, den USA, Asien und der Golfregion, darunter auch strategische Investoren und potenzielle künftige Abnehmer von Fusionsenergie. Das ist für uns wichtig, weil Kapital in unserem Bereich nicht nur Finanzierung bedeutet, sondern auch industrielle Validierung. Zugleich wird gezielt internationales Kapital nach Deutschland gelenkt, um hier industrielle Wertschöpfung, strategische Infrastruktur und eine neue globale Hochtechnologieindustrie aufzubauen.
Mit wie vielen weiteren Finanzierungsrunden kalkulieren Sie, welcher technische Stand muss aus Ihrer Sicht erreicht sein, um ein IPO anzustreben? Wann könnte das erreicht sein?
Wir denken weniger in Finanzierungsrunden als in technischen Meilensteinen. Entscheidend für uns ist, die Technologie weiter zu deriskieren und die nächsten industriellen Fortschritte zu erreichen. Dafür sehen wir aktuell ausreichend privates Kapital im Markt. Ein IPO ist für uns daher eher eine mittelfristige Option und erst sinnvoll, wenn die technologischen Risiken deutlich weiter reduziert sind und die Equity Story den Schritt von Deeptech zu industriell glaubwürdiger Infrastrukturtechnologie zeigt. Dafür braucht es reproduzierbare experimentelle Ergebnisse, Fortschritte bei Target-Fertigung und Lasertechnologie, einen belastbaren Pfad zum Pilotfusionskraftwerk, starke industrielle Partnerschaften sowie eine glaubwürdige Kommerzialisierungs-Roadmap. Wann das erreicht ist, hängt an diesen Meilensteinen. Wir sind in allen Bereichen bereits weit fortgeschritten.
Sehr geehrter Herr Forner, vielen Dank für diese sehr interessanten Einblicke.
Das Interview führte Stefan Preuß.