Fragen & Antworten

Standdatum: 21. Juli 2026.

Autorinnen und Autoren:
Catharina Spethmann

Audio

Ein Krabbenfischer zeigt seine frisch gefangenen Nordseekrabben vor einem Krabbenkutter.

Krabbenfischer an der Wurtser Nordseeküste sehen ihr Handwerk bedroht.(Symbolbild)

Bild: dpa bildfunk | Marcus Brandt

Audio-Ende

Krabbenfischer an der Nordsee fürchten um ihre Existenz, sollten neue Schutzgebiete kommen. Es besteht viel Gesprächsbedarf, um Fischerei und Naturschutz zu vereinen.

buten un binnen bei Google bevorzugen

Droht das Ende der traditionellen Krabbenfischerei an der niedersächsischen Nordseeküste? Das befürchten die Fischer, wenn eine EU-Richtlinie zu schärferem Naturschutz umgesetzt wird. Darum und wie man Umweltschutz und Fischerei in Einklang bringen kann, geht es seit einem Jahr beim Fischereidialog. Nun treffen sich Vertreterinnen und Vertreter von Ministerien, Fischerei und Umweltschutz in Hannover.

Worum geht es bei dem Vorgang genau?

Zum Hintergrund: Die EU-Vorgabe besagt, dass 30 Prozent der EU-Gewässer bis 2030 unter Schutz gestellt werden müssen; zehn Prozent davon streng – wo dann auch keine kommerzielle Fischerei mehr möglich ist. Deutschland und damit Niedersachsen müssen das umsetzen. Mit den Wattenmeer-Nationalparks sind schon 30 Prozent Schutz erfüllt, nun geht es um die zehn Prozent der Gebiete unter strengem Schutz.

Inzwischen liegt eine Karte mit Gebietsvorschlägen vor, wo Fischen künftig verboten sein soll: nördlich von Borkum, südöstlich von Wangerooge, im östlichen Jadebusen, aber auch in Gebieten vor der Wurster Nordseeküste.

Welche Kritik kommt von den Fischern?

Stephan Hellberg hat seit 40 Jahren einen Krabbenkutter, fischt von Dorum aus und ist im Vorstand des Landesfischereiverbandes. Er war von Anfang an am Fischereidialog beteiligt.

Wenn das wirklich durchkommt, dann werde ich wohl auch die Segel streichen. Woanders hinfahren kann ich nicht, dafür ist mein Kutter einfach zu klein. Ich mache reine Tidenfischerei, bin Tagesfischer. Von unserer Küste, unseren Häfen, sind viele dabei, die das genauso haben. Das ist eben das Alte, das Traditionelle, was wir hier betreiben.

Stephan Hellberg, Krabbenfischer

Die Fischer befürchten das Ende der traditionellen Krabbenfischerei an den Küsten. Sie sehen ihre Arbeit nicht als Hauptproblem, argumentieren, gefischt werde seit Jahrhunderten. Und dass sie selbst das größte Interesse daran haben, ihre Fanggründe nicht zu zerstören. Wenn es nach ihnen geht, ist der Dialog noch nicht zu Ende – die Fischer sehen noch reichlich Gesprächsbedarf.

Auch Umweltverbände sind unzufrieden, was kritisieren die?

Zusammengefasst: Die Gebiete sind ihnen zu klein, zu zersplittert und in den falschen Zonen. Der World Wide Fund For Nature (kurz: WWF) fordert außerdem ein Verbot von Grundschleppnetzen. Das Thünen-Institut in Bremerhaven sagt zu Auswirkungen der traditionellen Krabbenfischerei hingegen, ein störender Effekt sei statistisch nicht nachweisbar.

Die Wissenschaftler schlussfolgern, wo es doch Auswirkungen gebe, hielten nur für drei Wochen an. Die Regeneration gehe demnach relativ schnell. Die zuständigen Ministerien – Umwelt und Landwirtschaft – weisen Kritik zurück. Aus ihrer Sicht sind Vorschläge ausgewogen, Belange von Umwelt und Fischerei berücksichtigt.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Beteiligten sitzen nun zusammen. Am Ende muss die Politik entscheiden, wo es fischereifreie Gebiete geben wird. Diese Liste soll Teil des Nationalparkgesetzes werden. Aber erst einmal will man die Ergebnisse des Fischereidialogs abwarten.

Video

Bild: Radio Bremen

Video-Ende

Mehr zur Fischerei an der Nordseeküste:

Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
Bremen Zwei, Der Morgen, 21. Juli 2026, 7:10 Uhr