Wurzeln auf dem Altmarkt

Diese Dresdner Erfindung veränderte die Badezimmer Europas

21.07.2026 – 15:58 UhrLesedauer: 1 Min.

Ein Gebissmodell mit Zahnbürste auf dem Waschbecken (Symbolbild): Ohne einen Dresdner Apotheker sähe die Zahnpflege in Europa heute anders aus.Vergrößern des Bildes

Ein Gebissmodell mit Zahnbürste auf dem Waschbecken (Symbolbild): Ohne einen Dresdner Apotheker sähe die Zahnpflege in Europa heute anders aus. (Quelle: Richard Powers/imago)

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Ein Dresdner Apotheker schuf einst auf seinem Dachboden die Revolution des Zähneputzens. Daraus wurde Europas führende Zahnpasta-Marke.

Ein Dresdner Apotheker mischte 1907 auf dem Dachboden seiner Löwenapotheke am Altmarkt eine Zahncreme aus Bimssteinpulver, ätherischen Ölen und Pfefferminz – und füllte sie in wiederverschließbare Metalltuben ab. Ottomar Heinsius von Mayenburg nannte sein Produkt Chlorodont, nach den griechischen Wörtern für „grün“ und „Zahn“.

Vor der modernen Zahnpasta nutzte man häufig Zahnpulver aus Bimsstein, Marmorstaub oder ähnlichen Stoffen, verkauft in Tütchen oder Dosen. In den USA war Zahnpasta in der Tube zwar schon bekannt, doch Ottomar Heinsius von Mayenburg machte mit Chlorodont die Metalltube in Deutschland besonders erfolgreich und populär.

Vom Dachboden zum größten Zahnpasta-Hersteller Europas

Der Erfolg kam schnell. Aus dem Dachboden wurden die Leo-Werke in der Dresdner Neustadt – mit mehr als 1.500 Mitarbeitern in den 1930er-Jahren und einer Tagesproduktion von 150.000 Tuben. 1911 gewann sie Gold auf der Internationalen Hygieneausstellung in Dresden.

Putzi-Zahnpasta aus Dresden: Die DDR-Kinderzahnpasta steht in der Tradition der Chlorodont-Erfindung von 1907.Vergrößern des BildesPutzi-Zahnpasta aus Dresden: Die DDR-Kinderzahnpasta steht in der Tradition der Chlorodont-Erfindung von 1907. (Quelle: IMAGO/Zoonar.com/Stefan Ziese)

Chlorodont verschwand Anfang der 1980er-Jahre vom Markt. Die Betriebsgeschichte der Leo-Werke setzte sich über den VEB Elbe-Chemie fort; aus dieser Tradition ging später die Dental-Kosmetik GmbH in der Dresdner Neustadt hervor. Zu ihren bekanntesten Produkten zählt die Kinderzahnpasta Putzi, die seit 1957 hergestellt wird.

Putzi überstand die Wende und wird bis heute in Dresden hergestellt – zwischen 60 und 70 Millionen Tuben pro Jahr.