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Bukarest (Rumänien) – Hinter rostigen Gittern drängen sich Hunde dicht an dicht. Manche zittern, andere liegen reglos auf dem Beton, wieder andere in ihrem eigenen Kot. Durch kalte Metallstäbe blickt man in verängstigte Augen. Es stinkt nach Fäkalien. Winseln, Kläffen, Kratzen – ein Lärm, der kaum auszuhalten ist. Viele dieser Tiere haben nur noch Stunden zu leben. Es ist der traurige Alltag in Rumäniens Tierheimen.
Laut Tierschützern sollen mehr als eine Milliarde Euro an öffentlichen Geldern – darunter nach ihren Angaben auch Hunderte Millionen EU-Fördermittel – indirekt in Strukturen geflossen sein, in denen Straßenhunde getötet werden. Das sollen Auswertungen staatlicher Ausgaben, Verträge und Verwaltungsunterlagen sowie ein parlamentarischer Bericht der rumänischen Abgeordneten Aurora Tasica Simu zeigen, der BILD vorliegt. Darin werden massive Missstände beschrieben – darunter Korruption, fehlende Kontrollen, falsche Abrechnungen und ein System, in dem mit dem Einfangen und Töten von Hunden Geld verdient wird. Diesen Bericht legte die Politikerin im Dezember 2025 auch im Europaparlament vor.

In Rumänien leben schätzungsweise 600.000 Straßenhunde. In Tierheimen werden viele von ihnen getötet
Foto: VETO-Tierschutz
EU-Subventionen sollen zweckentfremdet werden
Das Geld stammt laut Tierschützern überwiegend aus kommunalen Haushalten. Als EU-Mitglied erhält Rumänien zudem Subventionen etwa für Abfallwirtschaft und Infrastruktur – Bereiche, in die auch das „Stray-Dog-Management“ fällt. Kritiker sehen darin eine indirekte Finanzierung eines Systems, das das Einfangen und Töten von Hunden begünstigt – zumal die Verwendung der Mittel oft nicht nachvollziehbar sei.
Aktivist Nathan Goldblat, der mit der Organisation VETO vor Ort hilft, sagt: „Wäre das gleiche Geld in flächendeckende Kastrationen geflossen, wäre das Problem längst gelöst – ohne dass ein einziger Hund hätte sterben müssen.“

Nathan Goldblat hat fast 700.000 Follower auf Instagram. Seine Reichweite nutzt er, um auf die grausamen Umstände in rumänischen Tierheimen aufmerksam zu machen und zu helfen
Foto: jax.vita /Instagram
Das grausame Hundetöten in Rumänien
Laut Aktivist Goldblat seien in den vergangenen drei Jahren rund 70.000 Tiere eingeschläfert worden. Laut VETO wurde etwa die Hälfte in vier privaten Einrichtungen getötet. In einer davon liegt die Euthanasierate laut rumänischem Veterinäramt bei 81 Prozent.

Auch Welpen werden in den Tierheimen in Rumänien getötet
Foto: christianwolf/Instagram
Grundlage ist ein umstrittenes Gesetz von 2013: Kommunen dürfen streunende Hunde einfangen und nach 14 Tagen töten, wenn sie nicht adoptiert werden. Tierschützer kritisieren, dass auch junge und zutrauliche Tiere betroffen sind. Laut PETA wurden zwischen 2001 und 2025 rund 2,76 Millionen Hunde eingefangen – etwa 1,285 Millionen starben.
Zwar gibt es gesetzliche Vorgaben zu Registrierung und Kastration, doch in der Praxis soll vieles schieflaufen. Jana Hoger von PETA sagt: „Zuständig für die Kontrolle ist die nationale Veterinärbehörde. Kontrollen finden häufig gar nicht – oder nur unregelmäßig und nach Ankündigung statt.“

Um die schrecklichen Zustände in rumänischen Tierheimen öffentlich zu machen, reisten die Influencer Christian Wolf, Jan Kraume und Nathan Goldblat (v. l.) nach Rumänien
Foto: christianwolf/Instagram
Influencer dokumentieren Hunde-Hölle von Rumänien
Um die Zustände öffentlich zu machen, reisten auch die Influencer Christian Wolf und Jan Kraume nach Rumänien und sammelten knapp 200.000 Euro. Wolf sagt zu BILD: „Wir machen das, um massiven öffentlichen Druck zu erzeugen.“

Völlig verängstigt und verletzt kauert ein Hund in einem Käfig
Foto: VETO-Tierschutz
Goldblat schildert die schrecklichen Zustände: „Die Tiere werden häufig nicht gefüttert und nicht medizinisch versorgt.“ Die hygienischen Bedingungen seien miserabel.

Ein Ausschnitt aus einem Video, das Nathan Goldblat postete. Zwei Hunde sitzen hinter Gittern auf Betonboden und sind ihrem Schicksal überlassen
Foto: jax.vita /Instagram
Wurden Hunde mit Frostschutzmittel getötet?
Nach Veröffentlichungen der Aktivisten kommt es zu Polizeieinsätzen in Einrichtungen. Ermittler stellen zahlreiche Hundeleichen sicher. Der Verdacht: Tiere wurden nicht immer mit vorgeschriebenen Mitteln eingeschläfert. In einer Toilette fanden Helfer große Mengen Frostschutzmittel – ob es zum Töten eingesetzt wurde, sollen Untersuchungen klären.

Die Influencer vermuten, dass die Tiere zum Teil mit Frostschutzmittel getötet wurden
Foto: christianwolf/Instagram
Die Bilder aus einer der Einrichtungen sind erschütternd: Kühltruhen voller toter Hunde, Müllsäcke mit Kadavern, Tiere, die mit Fangstangen gegen Wände gedrückt werden. Mihaela Calin Ochian, Leiterin einer der Tierheime: „Die Stadt kann jederzeit entscheiden, die Hunde hier einschläfern zu lassen. Ich bin dagegen, aber mein Handlungsspielraum ist begrenzt.“

In einer Hütte stehen Kühltruhen. Ihr Inhalt lässt einem das Herz in die Hose rutschen.
Foto: veto_tierschutz/Instagram
600.000 Straßenhunde – Tendenz steigend
In Rumänien leben schätzungsweise 600.000 Straßenhunde – ihre Zahl sinkt kaum. Nina Kanani von VETO: „Mit dieser ineffizienten, allein auf Profit basierenden Todesspirale muss jetzt Schluss sein.“

In mehreren Truhen lagen Hundekadaver
Foto: veto_tierschutz/Instagram
EU weist Vorwürfe der Tierschützer zurück
Die EU weist die Vorwürfe zurück. Man habe gemeinsam mit den rumänischen Behörden mehrfach Untersuchungen durchgeführt und keine Hinweise auf eine Finanzierung entsprechender Projekte gefunden. „Solche Maßnahmen kommen für eine EU-Finanzierung nicht infrage“, heißt es in einem Statement.

Ein abgemagerter Hund stürzt sich in seinem Zwinger auf einen Napf mit Futter. Laut Tierschützern werden die Tiere häufig nicht gefüttert und nicht medizinisch versorgt.
Foto: VETO-Tierschutz
Tierschützer stellen das infrage: Zwar würden EU-Gelder offiziell für Bereiche wie Abfallmanagement bereitgestellt, doch bestünde der Verdacht , dass Mittel vor Ort zweckentfremdet werden. „Die EU-Kommission muss offenlegen, wohin die Gelder tatsächlich fließen. Solange das nicht nachvollziehbar ist, bleibt Grund zur Annahme, dass das System auch durch öffentliche Mittel gestützt wird“, sagt eine VETO-Sprecherin.

Die Tierschutzorganisation VETO setzt sich in Rumänien für Straßenhunde ein – und fordert ein Ende der Tötungen
Foto: Veto