Tiktok zählt zu den beliebtesten sozialen Netzwerken weltweit. In Europa verzeichnet die Video-Plattform des chinesischen Mutterkonzerns Bytedance eigenen Angaben zufolge mehr als 200 Millionen Nutzer:innen, davon rund 26 Millionen in Deutschland. Dennoch steht die App regelmäßig in der Kritik – vor allem wegen mangelnder Transparenz beim Datenschutz und suchterzeugender Algorithmen. Wie der Spiegel berichtet, will der deutsche Kulturstaatsminister Wolfram Weimer deshalb eine europäische Eigentümerstruktur für Tiktok durchsetzen.
Tiktok drohen hohe Geldstrafen
Hintergrund der Forderung sei unter anderem die Sorge vor einem möglichen Zugriff chinesischer Behörden auf Nutzer:innendaten. Tiktoks europäischer Hauptsitz befindet sich in Irland. Laut eigenen Angaben speichere die Plattform die Daten europäischer Nutzer:innen hauptsächlich dort sowie an einem weiteren Standort in Norwegen. Vorwürfe, Daten an den chinesischen Staat weiterzuleiten, hat das Unternehmen zurückgewiesen. Weimer bleibt dennoch skeptisch. „Wir wissen bis heute nicht, wohin die sensibelsten Daten unserer Jugendlichen fließen und welchen Zugriff chinesische Behörden darauf haben“, sagte er gegenüber der Welt am Sonntag. Eine europäische Eigentümerstruktur sei „der wirksamste Weg, europäisches Datenschutz-, Medien- und Jugendschutzrecht durchzusetzen”.
Europäische Behörden haben Tiktok schon seit Längerem im Visier. Die EU-Kommission kritisierte zuletzt erneut mangelnde Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz von Minderjährigen. Wie der Spiegel berichtet, steht dabei unter anderem im Fokus, dass Fremde öffentliche Konten von Kindern und Jugendlichen einsehen und diese kontaktieren können. Sollte sich der Vorwurf bestätigen und Tiktok keine Änderungen vornehmen, drohe eine Geldstrafe. Schon im Februar hatte die EU-Kommission eine Strafe von bis zu 2,1 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, da die App mit ihrem „süchtig machenden Design” gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen habe. Laut einer DAK-Studie hat krankhaftes Nutzungsverhalten bei Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen: Demnach seien vor sieben Jahren noch 8,2 Prozent betroffen gewesen – inzwischen sei der Anteil auf 21,5 Prozent angestiegen.
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US-Version von Tiktok läuft schon
Eine europäische Version von Tiktok könnte dabei helfen, Sicherheitsbedenken gegenüber der App dauerhaft auszuräumen, indem sie an europäische Datenschutz-, Medien- und Jugendschutzstandards angepasst wird. Die USA haben diesen Schritt schon erfolgreich gemeistert: Die US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten Joe Biden betrachtete die App als potenzielle Gefahr für die nationale Sicherheit. Auch hier befürchteten Politiker:innen beider Parteien, dass chinesische Behörden auf Nutzer:innendaten zugreifen oder die Plattform für politische Einflussnahme nutzen könnten.
Im April 2024 unterzeichnete Biden deshalb ein Gesetz, das den chinesichen Tech-Konzern Bytedance dazu verpflichtete, seine US-Vermögenswerte bis zum 19. Januar 2025 zu veräußern – andernfalls hätte ein Verbot der App gedroht. Nach Verhandlungen, die sich wegen diverser Fristverlängerungen durch den aktuellen US-Präsidenten Donald Trump über mehr als ein Jahr hinzogen, fand das US-Geschäft Ende 2025 endlich neue Eigentümer:innen, darunter den Softwarekonzern Oracle und den Unternehmer Michael Dell. Der Deal wurde im Januar 2026 abgeschlossen.
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