Die verheerenden Feuer in Spanien und Frankreich wüten wie nie zuvor. Hunderttausende Menschen sind von Evakuierungen und Notfallmaßnahmen betroffen. Für Anleger stellt sich aber auch die Frage: Drohen durch die Feuerkatastrophen hohe Belastungen für Allianz und Munich Re?
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Kurz und knapp
• Die Waldbrände in Südeuropa haben historische Ausmaße erreicht.
• Die versicherten Schäden gelten dennoch bislang als verkraftbar.
• Gerade für die Allianz und Munich Re sollte das Feuerinferno keine gravierenden Folgen haben.
Die Waldbrände in Spanien und Frankreich haben sich zu einem der schwersten Feuerereignisse Europas der vergangenen Jahre entwickelt. Für die Aktien von Allianz und Munich Re sieht Morningstar DBRS bislang dennoch keinen Grund zur Sorge.
Die Ratingagentur erwartet für große, breit aufgestellte europäische Versicherer derzeit vor allem einen Effekt auf die Ergebnisse – nicht aber einen wesentlichen Druck auf Kapitalausstattung oder Kreditratings.
In Spanien sind seit Jahresbeginn mehr als 150.000 Hektar abgebrannt, in Frankreich fast 98.000 Hektar. Für die Versicherungswirtschaft ist aber weniger die Gesamtfläche ausschlaggebend als die Frage, ob die Feuer dicht besiedelte Regionen oder Gebiete mit hohen gewerblichen Versicherungswerten erreichen.
Besonders im Fokus stehen laut DBRS die Regionen um Bordeaux sowie westlich von Madrid. Würden die Feuer dort stärker auf Vororte, Gewerbegebiete, touristische Infrastruktur oder die Weinwirtschaft übergreifen, könnten die Schäden schnell zunehmen.
Für die Allianz spricht die breite internationale Aufstellung im Schaden- und Unfallgeschäft. Der Konzern verfügt zudem über Rückversicherungsschutz, der außergewöhnliche Großschäden abfedert. Breiten sich die Waldbrände weiter aus, könnte das zwar die Schaden-Kosten-Quote und damit das operative Ergebnis belasten. Solange sich die Brände jedoch überwiegend auf dünn besiedelte Wald- und Landflächen konzentrieren, dürfte der Effekt begrenzt bleiben.
Bei Munich Re ist die Lage differenzierter: Als weltweit führender Rückversicherer ist der Konzern grundsätzlich ein wichtiger Risikoträger für Naturkatastrophen. Gleichzeitig verfügt Munich Re über eine sehr breite geografische und spartenspezifische Diversifikation, umfangreiche Kapitalpuffer und langjährige Expertise in der Modellierung von Katastrophenrisiken. Für den Rückversicherer sind einzelne Ereignisse dieser Größenordnung schlicht und ergreifend Teil des Geschäftsmodells.
Die Ratingagentur warnt jedoch vor einem schleichenden Belastungsfaktor. Waldbrände müssen nicht in einem einzigen extrem teuren Ereignis gipfeln, um für Versicherer problematisch zu werden.
Mehrere mittelgroße Feuer können die für Naturkatastrophen vorgesehenen Budgets nach und nach aufzehren, Sammeldeckungen der Rückversicherung belasten und zusätzliche Kosten für die Wiederherstellung des Versicherungsschutzes verursachen.
Die schweren Waldbrände sind für die betroffenen Menschen und Regionen eine Katastrophe. Für die Aktien von Allianz und Munich Re sind sie nach aktuellem Stand aber kein fundamentaler Belastungstest. Damit gilt auch für Allianz und Munich Re: Die aktuelle Schadenslage dürfte beherrschbar bleiben. Beide Aktien bleiben ein Kauf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Allianz, Munich Re.