Investing.com – Laut einem Strategen von Barclays bewegt sich die Aktienpositionierung nahe Rekordhochs, obwohl sich einige Stimmungsindikatoren abschwächen und makroökonomische Risiken zunehmen.
Die Kapitalzuflüsse in Long-only-Aktienstrategien blieben im Juli mit 129 Mrd. US-Dollar stark, auch wenn dieser Wert durch Rekordzuflüsse in China verzerrt wurde. Dies geschah, obwohl die Beteiligung von Privatanlegern nachließ und Stimmungsindikatoren wie der AAII Bull-Bear-Spread und der Fear/Greed-Index erheblich nachgaben. Hedgefonds und systematische Strategien bauten nach einer leichten Reduzierung im Juni ihre Long-Positionen wieder aus, was die aggregierte Aktienpositionierung zurück in die Nähe der Höchststände trieb. Seit Jahresbeginn belaufen sich die weltweiten Zuflüsse in Aktien nun auf 659 Mrd. US-Dollar – ein Rekordwert.
Aktien zogen im Juli weiterhin mehr Kapital an als Anleihen, während bei Barmitteln erneute Abflüsse zu verzeichnen waren. Die Fundamentaldaten der Unternehmen wirken nach wie vor stützend, da die Gewinne des zweiten Quartals die Erwartungen deutlich übertreffen und die EPS-Revisionen robust bleiben. Dies untermauert die Präferenz für Aktien gegenüber Anleihen.
Dennoch wies die Analyse auf zunehmende Risiken hin. Trotz erneuter Spannungen im Konflikt zwischen den USA und dem Iran bleiben Anleger hinsichtlich der Inflation weitgehend gelassen, was sich in steigenden Short-Positionen auf Öl und verhaltenen Zuflüssen in inflationsgeschützte Anleihen (TIPS) zeigt. Gleichzeitig verschärfen sich die Finanzierungsbedingungen weiter, da die Zinserwartungen steigen und die US-Realrenditen Niveaus erreichen, die in der Vergangenheit die Aktienmärkte belastet haben. Die Positionierung im Zinsbereich spiegelt diese Entwicklung wider: CTAs gehen bei US-Staatsanleihen short, und Spekulanten weiten ihre Short-Positionen am langen Ende aus. Angesichts der „erhöhten Ölvolatilität“, der geringeren Sommerliquidität, niedrigerer Barbestände bei Investmentfonds und einer ungünstigen Saisonalität vor den Zwischenwahlen sei „eine taktische Absicherung angesichts des aktuell geringen Positionierungspuffers ratsam“, heißt es in der Analyse.
Die Kapitalflüsse in Aktien sind weniger stark auf die USA ausgerichtet, wovon Europe profitiert. Die Zuflüsse in die USA verlangsamten sich auf den niedrigsten Stand seit März, was half, die Konzentration in Märkten außerhalb der USA zu reduzieren. In Europe gibt es erste Anzeichen für eine Zunahme der Zuflüsse, insbesondere von US-Anlegern, wobei die Peripheriemärkte gegenüber den Kernländern bevorzugt werden. Die Diversifikation weg von Technologie- und KI-Exposure unterstützt die Region. Die Schwellenländer verzeichneten im Juli die stärkste Nachfrage, was jedoch größtenteils auf Käufe inländischer Anleger in China zurückzuführen war, während die Zuflüsse nach Korea stabil blieben und jene nach Japan leicht zunahmen.
Die Faktorrotation zeigte die stärkste Verbesserung der Marktbreite seit der Covid-Pandemie, wobei mehr als 70 % der weltweiten Aktien den Index übertrafen. Der Faktor Momentum erlitt unterdessen einen starken Drawdown – den zweitgrößten, der in Europe je verzeichnet wurde –, während Value weiterhin eine Outperformance erzielte. Dies stützte die relative Stärke von Europe, da sich die Kapitalflüsse in KI-unabhängige Sektoren wie das Gesundheitswesen und zyklische Konsumgüter verlagerten. Fonds bleiben stark in Profiteuren von Investitionsausgaben (Capex) wie Halbleitern, Versorgern, Industriewerten und Grundstoffen engagiert, was die Renditen im Juli belastete. Banken sind nach wie vor ein überlaufener, aber entscheidender Faktor für die europäische Performance, wobei auch Versicherungsaktien wieder auf stärkeres Interesse stoßen.
Barclays fasste die zentralen „Pain Trades“ wie folgt zusammen: fallende Aktien bei steigenden Anleihen; eine Outperformance von Europe gegenüber den USA; ein Rückgang bei Momentum-Werten; Verluste bei den KI-Gewinnern sowie in Taiwan und Korea; Gewinne in KI-unabhängigen Sektoren und fallende Kurse bei Banken.
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