Von

AFP

Übersetzt von

Aline Bonnefoy

Veröffentlicht am

30. Juli 2026

Ab Sonntag, 2. August gilt in der Europäischen Union eine neue Kennzeichnungspflicht für Inhalte, die mit Hilfe von KI erstellt werden. Gemäß den neuen Transparenzvorschriften müssen sie durch Symbole oder Label gekennzeichnet werden. Die neue Kennzeichnungspflicht soll der Öffentlichkeit dabei helfen, KI-generierte Inhalte leichter zu erkennen.

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„Es wird für uns alle immer schwieriger, das Echte vom KI-Produkt zu unterscheiden“, so ein Vertreter der EU- Kommission. „Es ist wichtig, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in das, was sie sehen, hören und lesen, zu bewahren.“ Aus diesem Grund führte die EU im Rahmen des vor zwei Jahren verabschiedeten AI Act neue Transparenzpflichten ein. Das wegweisende Gesetz dient der Regulierung der Nutzung künstlicher Intelligenz. Zunächst müssen KI-basierte Systeme zur Interaktion mit der Öffentlichkeit, wie Chatbots, Agenten und Assistenten sowie virtuelle Avatare eindeutig als solche gekennzeichnet werden. Anbieter von KI-Systemen müssen darüber hinaus Kennzeichnungen und andere digitale Wasserzeichen integrieren, damit sich KI-generierte Inhalte leicht erkennen lassen.
 
Die für die breite Öffentlichkeit sichtbarste Maßnahme betrifft die Kennzeichnung von „Deep Fakes“. Dabei handelt es sich um authentisch wirkende, aber KI-generierte oder manipulierte Bild-, Audio- oder Videoinhalte. Organisationen und Personen, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit solche Inhalte veröffentlichen, müssen künftig angeben, bei welchen Inhalten KI zum Einsatz kam. Auch Texte, die eine breite Öffentlichkeit informieren sollen und die mithilfe von KI ohne nachgehende redaktionelle Kontrolle durch Menschen erstellt wurden, müssen gekennzeichnet werden.

Die EU hat Vorlagen für kleine Symbole („AI“, „AI generated“, „AI modified“) veröffentlicht, um entsprechende Inhalte zu kennzeichnen. Weiter stellt die EU einen Leitfaden zur Verfügung, um Unternehmen bei der Einhaltung der neuen Pflichten zu begleiten. Zuwiderhandlungen können mit Geldstrafen geahndet werden. Bestehende KI-Systeme haben bis zum 2. Dezember Zeit, sich an die neuen Regeln anzupassen. Ausnahmen sind insbesondere für „künstlerische, kreative, satirische, fiktive und analoge Werke“ vorgesehen, sowie für Texte, die leidglich mit Hilfe von KI bearbeitet wurden.
 
Kritiker werfen Brüssel bereits vor, ein neues bürokratisches Monstrum zu schaffen. Angesichts des immer weiter verbreiteten Einsatzes von KI werde die neue Regelung in der europäischen Wirtschaft langfristig dazu führen, dass alle Inhalte gekennzeichnet werden müssen.
 
„Man hört oft, dass die Umsetzung sehr kompliziert sein wird. Genau das hört man häufig in Bezug auf Compliance-Anforderungen. Und doch dreht sich die Welt weiter, und am Ende findet man immer Lösungen“, erklärt Ashley Casovan gegenüber der Presse. Die Leiterin des Internationalen Verbands von Datenschutzbeauftragten (IAPP) zieht dabei eine Parallele zu Cookie-Einwilligungsbannern. Diese Kennzeichnungen von Tracking-Tools sind als Reaktion auf die europäischen Datenschutzvorschriften auf Websites wie Pilze aus dem Boden geschossen.
 
Tatsächlich haben mehrere große Plattformen den neuen Vorschriften bereits vorgegriffen und eigene Kennzeichnungen eingeführt. Dazu zählt insbesondere TikTok, das seit mehreren Jahren von seinen Content-Erstellern verlangt, die Verwendung von KI anzugeben. In diesem Zusammenhang wurden auf TikTok bereits mehr als 3 Milliarden Inhalte gekennzeichnet. Die Plattform stellt ihren Usern dafür eine Reihe von Tools zur Verfügung und setzt darüber hinaus auf Erkennungstechnologien.
 
Auch Meta hat auf Instagram und Facebook bereits ein „AI Info“-Label eingeführt, um Beiträge zu kennzeichnen, bei denen KI zum Einsatz kommt. Google hat seinerseits den EU-Verhaltenskodex zur Transparenz von KI-Inhalten unterzeichnet. Der Online-Riese betont, dass er gemeinsam mit anderen Unternehmen wie Nvidia, OpenAI und Apple an Lösungen zur digitalen Kennzeichnung arbeite. Gleichzeitig warnte Google jedoch vor einer „regulatorischen Komplexität“, die sich als kontraproduktiv erweisen könnte.
 
„Anstatt den Menschen zu helfen, könnte dies eher Verwirrung stiften“ warnt Karen Massin, die bei Google für die europäischen Angelegenheiten zuständig ist. „Wenn Online-Inhalte mit KI-Kennzeichnungen und rechtlichen Hinweisen überflutet werden, fällt es den Menschen schwerer, sich zurechtzufinden.“

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