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Mehr Importeure, weniger Exporteure: Deutschlands Mittelstand zieht sich im Auslandsgeschäft zurück – während die EU zum Stabilitätsanker wird.
Deutschlands Mittelstand verschiebt sein Auslandsgeschäft: KMU importieren mehr, exportieren aber weniger. 2024 stieg die Zahl der importierenden Unternehmen in Deutschland auf rund 873.000, während die Zahl der Exporteure auf 263.000 sank. Besonders deutlich zeigt die Auswertung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn die Bedeutung der Europäischen Union: Rund 62 Prozent des Exportwerts deutscher KMU bleiben im EU-Binnenmarkt. In einer geopolitisch unsicheren Welt wird Europa damit zum wirtschaftlichen Sicherheitsnetz des Mittelstands.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Markt und Mittelstand.
Deutschlands Mittelstand kauft immer stärker im Ausland ein
Die Zahl der importierenden Unternehmen mit Sitz in Deutschland stieg 2024 gegenüber dem Vorjahr von 851.000 auf rund 873.000. Das Gros bilden kleine und mittlere Unternehmen: 98,3 Prozent der Importeure sind KMU. Ihre Zahl erhöhte sich um 2,6 Prozent auf fast 859.000 Unternehmen. Damit importiert inzwischen jedes vierte KMU Waren aus dem Ausland. Auch die Zahl der importierenden Großunternehmen nahm zu, mit 1,7 Prozent allerdings langsamer. Beim Warenwert dominieren sie dennoch deutlich: Große Unternehmen importierten Waren für 792 Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie die KMU.
Das Niedrigwasser erschwert die Belieferung der Industrie. © Oliver Berg/dpaWährend die Importe steigen, verliert Deutschland Exporteure
Beim Export zeigt die Kurve in die entgegengesetzte Richtung. 2023 exportierten noch rund 267.000 Unternehmen mit Sitz in Deutschland Waren, 2024 waren es nur noch 263.000. Das entspricht einem Rückgang um 1,4 Prozent. Mit rund 255.000 Unternehmen stellen KMU zwar weiterhin die große Mehrheit der deutschen Exporteure. Der Wert ihrer ausgeführten Waren sank jedoch um 3,2 Prozent auf 268 Milliarden Euro. Bei Großunternehmen fiel der Rückgang mit 1,7 Prozent geringer aus. Inzwischen entfallen weniger als 20 Prozent des gesamten deutschen Exportwerts auf kleine und mittlere Unternehmen.
Der sichere Hafen des Mittelstands liegt direkt vor der Haustür
Die mit Abstand wichtigste Handelsregion für deutsche KMU bleibt die Europäische Union. 26 Prozent der KMU importierten 2024 Waren aus anderen EU-Staaten, während lediglich 5,3 Prozent Waren aus Staaten außerhalb der EU bezogen. Auch beim Warenwert ist der Unterschied erheblich: KMU importierten Güter im Wert von 215 Milliarden Euro aus der EU. Aus Nicht-EU-Staaten kamen Waren für 94 Milliarden Euro.Beim Export sind die Unternehmen breiter aufgestellt. 6,9 Prozent der KMU exportierten Waren in andere EU-Länder, 3,3 Prozent in Staaten außerhalb der Europäischen Union. Entscheidend ist jedoch der Warenwert: Rund 62 Prozent des gesamten Exportwerts der KMU entfallen auf den EU-Binnenmarkt.
Warum die EU in unsicheren Zeiten plötzlich noch wertvoller wird
Die Bedeutung Europas hat einen handfesten wirtschaftlichen Grund. Kleine und mittlere Unternehmen profitieren besonders von der Größe des EU-Binnenmarkts, weitgehend harmonisierten Regeln und vergleichsweise niedrigen Handelsbarrieren. Hinzu kommt ein Faktor, der angesichts geopolitischer Konflikte, Handelsstreitigkeiten und unsicherer Lieferketten an Bedeutung gewinnt: Berechenbarkeit. Der EU-Binnenmarkt biete überwiegend Rechtssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen, was angesichts wachsender globaler Risiken einen hohen Wert für den Mittelstand habe, erklärt IfM-Wissenschaftler Peter Kranzusch. Die Zahlen zeigen damit mehr als eine Verschiebung der deutschen Handelsstatistik. Je unsicherer der Welthandel wird, desto wertvoller wird für den deutschen Mittelstand ausgerechnet der Markt, der geografisch am nächsten liegt. Europas vermeintliche Normalität könnte sich damit als einer seiner größten Standortvorteile erweisen.
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Datengrundlage
Die Analyse basiert auf der Eurostat-Statistik „Trade by Enterprise Characteristics“ (TEC). Das IfM Bonn wertet die Daten jährlich nach Unternehmensgröße sowie Herkunfts- und Absatzmärkten aus.