Berlin/Brüssel – Das dürfte die Wirtschaftskrise in Deutschland wohl noch verschärfen: Wer in Frankreich, Österreich oder Italien deutsche Produkte bestellen will, könnte künftig häufiger leer ausgehen. Mit der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) ziehen immer mehr kleine Online-Händler und Direktvermarkter die Reißleine. Zahlreiche Betriebe kündigen an, Bestellungen aus anderen EU-Ländern nicht mehr anzunehmen. Betroffen sind Buchhändler, Brauereien, Manufakturen und auch viele Imker.
Hinter der neuen Verordnung steht das Ziel: weniger Verpackungsmüll in Europa. Jeder EU-Bürger verursacht im Schnitt 178 Kilogramm Verpackungsabfall pro Jahr, in Deutschland sogar 215 Kilogramm, so das Argument.
Der Knackpunkt: Wer verpackte Waren in andere EU-Länder verkauft, muss dort ab sofort die Verpackungen registrieren und die jeweiligen Vorschriften erfüllen. Zusätzlich müssen Händler in vielen Zielländern einen Bevollmächtigten benennen, der überwacht, ob die Regeln eingehalten werden. Für Betriebe bedeutet das zusätzliche Gebühren, Meldungen und Papierkram.
„Vierstelliger Betrag geht verloren“
Für kleine Betriebe wird das zum Riesen-Problem. Denn die Kosten sind gleich hoch – egal, ob ein Unternehmen tausende Pakete verschickt oder nur ein paar im Jahr.
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Zu den Betroffenen gehört auch die niedersächsische Honigmanufaktur Eggers. Das Familienunternehmen verschickt seine Produkte vorerst nicht mehr in andere EU-Staaten. „Für die Kleinen geht das Gesetz nach hinten los. Wir haben bereits die betroffenen Waren aus dem Shop nehmen müssen. Hochgerechnet ein vierstelliger Betrag, der uns verloren geht“, so der Unternehmer Christian Eggers zu BILD.
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soziale Netzwerke aktivieren EU-Beamter ruft zu Regelbruch auf
Ein hochrangiger EU-Beamter räumte laut WELT (gehört wie BILD zu Axel Springer) ein, die Vorschriften seien in ihrer jetzigen Form „eindeutig unverhältnismäßig“. Deshalb arbeitet die EU-Kommission bereits an Änderungen. Künftig soll möglicherweise eine einzige Registrierung für die gesamte EU ausreichen.
Das Gesetz gilt trotzdem schon jetzt. Bizarr: Gleichzeitig wirbt derselbe EU-Beamte dafür, dass die Mitgliedstaaten die neuen Regeln vorerst möglichst nicht anwenden: „Niemand muss jetzt den Export von Produkten einstellen. Wir muntern die Mitgliedstaaten auf, die neuen Regeln nicht anzuwenden und keine Strafen zu verhängen“, so der EU-Beamte weiter.