Düsseldorf/Berlin/Madrid · Gänsehaut, Jubel und Tränen: Erstmals seit zwanzig Jahren hat es auf dem europäischen Festland wieder eine totale Sonnenfinsternis gegeben. Vielerorts gab es freie Sicht auf eine Zugabe am Himmel.

Am Mittwochabend war ein großer Teil Spaniens in Dunkelheit getaucht, als sich der Mond vor die Sonne schob und einen Schatten auf die Erde warf. In Deutschland und anderen Teilen Europas war die Sonne nur teilweise verdeckt, dennoch versammelten sich vielerorts Tausende Menschen, um das Himmelsspektakel zu beobachten.

Millionen Schaulustige, darunter viele aus dem Ausland angereiste Touristen, beobachteten in Spanien, wie die Sonne langsam für etwa zwei Minuten hinter dem Mond verschwand. Das Licht wurde langsam dunkler, bis nur noch ein Leuchten wie am Ende eines Tages zu sehen war. Nur noch die Corona, der Strahlenkranz der Sonne hinter dem Mond, war zu sehen. „Das ist verrückt“, sagte eine Frau in Tarragona an der Mittelmeerküste, bevor die dort versammelte Menschenmenge in Applaus ausbrach.

Sonnenfinsternis löst beispiellose Reisewelle aus

Partielle Sonnenfinsternis in Deutschland - Fotos


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Partielle Sonnenfinsternis in Deutschland — Himmelsspektakel begeistert

Foto: Britta Pedersen/dpa/Britta Pedersen

In Spanien hatte es seit mehr als hundert Jahren keine totale Sonnenfinsternis mehr gegeben. Die spanische Wissenschaftsministerin Diana Morant sagte im Vorfeld, das Himmelsschauspiel sei wie „ein Weihnachtstag, der nur alle hundert Jahre kommt“.

Das außergewöhnliche Naturschauspiel hatte bereits vor Tagen eine beispiellose Reisewelle ausgelöst. Viele Enthusiasten reisten von weit her an, aus Japan oder den USA etwa. Wie auch die vielen Spanier zog es sie in die rund 300 Kilometer breite sogenannte Totalitätszone, die sich in Spanien von Galicien bis zu den Balearen erstreckte. In dieser Zone feierten die Menschen vielerorts lautstark auf Dorfplätzen, Berggipfeln, Stränden, Dachterrassen und Hunderten eigens eingerichteten Beobachtungsplätzen.

Kilometerlange Staus auf dem Rückweg – Sorge vor von Autos ausgelösten Waldbränden

Die Behörden gingen von bis zu 1,5 Millionen zusätzlichen Autofahrten wegen der Sonnenfinsternis aus. Viele von ihnen steckten auch auf dem Rückweg nachts in kilometerlangen Staus fest.

Befürchtungen der Behörden, der Andrang derart vieler Menschen in ländlichen Gebieten könne weitere Waldbrände auslösen, bestätigten sich zunächst nicht. Wohl nur knapp einer größeren Katastrophe entging der Ort Peñíscola, wo ein Auto bei einem Beobachtungspunkt in Brand geriet. Das Feuer sprang auf 33 weitere Fahrzeuge über. Die Feuerwehr konnte eine Ausbreitung des Feuers im letzten Augenblick verhindern, wie regionale Zeitungen berichteten.

Sonnenfinsternis begann am frühen Abend in Nordsibirien

Begonnen hatte die Sonnenfinsternis in Europa am frühen Abend. Kurz vor 19.00 Uhr schob sich nach Angaben der russischen Weltraumagentur Roskosmos im Norden Russlands der Mond vor die Sonne.

Das seltene Himmelsspektakel erstreckte sich dann über die nördliche Hemisphäre bis nach Grönland. Der Kernschatten des Mondes zog in einem Bogen an Grönland und Island entlang und traf auf Spanien und wanderte über den Atlantik.

Wetter in Deutschland spielte mit

In Deutschland war die Sonnenfinsternis zunächst im Norden zu beobachten, im Süden des Landes einige Minuten später. Die Sonne wurde in Deutschland zwar nur teilweise verdeckt, dennoch versammelten sich allein in Berlin auf dem Tempelhofer Feld Tausende Menschen, um das Schauspiel auf der weiten Fläche des früheren Flughafens zu verfolgen.

Um kurz nach 20.00 Uhr begannen sie immer wieder zu klatschen und zu jubeln, als von der Sonne nur noch eine schmale Sichel zu sehen war. „Das ist verrückt. Ich habe so was noch nie gesehen“, sagte ein junger US-Tourist einem Journalisten der Nachrichtenagentur AFP.

Massenandrang an Berliner Planetarium – Schutzbrillen vergriffen

Am Zeiss-Planetarium im Stadtteil Prenzlauer Berg hatten sich laut Polizei schon vor Beginn der Sonnenfinsternis mehr als 3000 Menschen versammelt, sodass die Sicherheitskräfte im Onlinedienst X darum baten, nicht mehr dorthin zu kommen. Sonnenfinsternis-Brillen seien auch nicht mehr verfügbar, schrieb die Polizei weiter.

Schon Tage vor dem Spektakel waren die Schutzbrillen, ohne die Medizinern zufolge schwere Augenschäden beim Schauen in die Sonne drohen, nur noch schwer zu bekommen gewesen.

Islands Hauptstadt Reykjavik hat Pech

Auf dem europäischen Festland hatte es seit zwanzig Jahren keine totale Sonnenfinsternis mehr gegeben, in der isländischen Hauptstadt Reykjavik sogar seit dem Jahr 1433 nicht mehr. Dort bedeckte allerdings eine dicke Wolkendecke mit Regen den Himmel, sodass das Ereignis nicht zu sehen war.

Zugabe: Ein Sternschnuppen-Strom

Als Zugabe zur Sonnenfinsternis bot der Himmel in den klaren Teilen Europas – wie etwa Deutschland – kurz nach der Sonnenfinsternis ein weiteres Spektakel: Der Sternschnuppen-Strom der Perseiden, einer der schönsten Meteorströme des Jahres, erreichte in der Nacht seinen Höhepunkt. Bis zu hundert Meteore pro Stunde sollte man an dunklen Orten über den Himmel huschen sehen.

In diesem Jahr hatten es die Menschen, die viele Wünsche loswerden wollten, besonders leicht. Denn das Maximum der Perseiden fiel genau in die Neumondnacht. Kein Mondlicht störte das Erspähen der Leuchterscheinungen und das Wetter spielte weitgehend mit. Nur über Norddeutschland waren nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ein paar hohe Wolkenfelder vorhanden. Da könnte es lokal zu Sichteintrübungen gekommen sein, sagte ein DWD-Meteorologe. Sternschnuppen gelten vielen als klassische Glücksbringer, denen nachgesagt wird, dass sie Wünsche erfüllen.

Nächste Sonnenfinsternis im August 2027

Bei einer Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond direkt zwischen Sonne und Erde und wirft einen schmalen Schattenstreifen auf unseren Planeten. Bei einer totalen Verdunkelung der Sonne entsteht eine seltsame Dämmerung, in der die Temperaturen sinken, Schatten in ungewöhnlichen Winkeln fallen und manche Tiere einschlafen.

Wer die Sonnenfinsternis verpasst hat, bekommt in einem Jahr eine neue Chance: Im August 2027 wird im Süden Spaniens und in Nordafrika eine totale Sonnenfinsternis zu sehen sein. Spanien hatte sich laut Wirtschaftsministerium von der diesjährigen Sonnenfinsternis Hunderttausende zusätzliche Touristen und Mehreinnahmen in Höhe von 347 Millionen Euro versprochen.