2014 erfüllte sich Albert Schuler einen Traum: Er gab seine Landwirtschaft auf und stellte die rund zehn Hektar Land auf die Hirschzucht um. „Ich habe mir immer vorgestellt, ein Gehege zu besitzen“, erzählt er. Rund 20 Sikahirsche hält er zwischen Autenried und Anhofen für den Eigenbedarf. „Es ist ein tolles Wild“, sagt Schuler.

Er ist einer von rund 20 Sikahirschzüchtern in Bayerisch-Schwaben. Zumindest noch für ein Jahr, sofern am EU-Gesetz nichts mehr verändert wird. Denn bald darf er sie nicht mehr halten, seine Sikahirsche. Seit Juli 2025 gelten die Säugetiere als invasive Art. Im August 2027 läuft die zweijährige Übergangsfrist aus. Was passiert dann mit Schulers Tieren?

Sikas wurden vor 160 Jahren aus Ostasien nach Europa eingeführt

Der ursprüngliche Lebensraum der Sikas erstreckt sich über Ostchina, Sibirien, Korea, Japan und Nordvietnam. Vor etwa 160 Jahren wurden sie nach Europa eingeführt. Seitdem konkurrieren sie mit den heimischen Rothirschen und Damhirschen um Lebensraum und Nahrung. Sika- und Rothirsche können sich auch paaren. Die Nachkommen leiden jedoch öfter unter Gendefekten. Zudem wird eine genetische Verarmung der europäischen Rothirschpopulationen befürchtet, wenn sich der Sikahirsch weiter ausbreitet.

Aus diesen Gründen gibt die EU den heimischen Arten den Vorzug. Für Schulers Zucht bedeutet es zunächst einmal das Aus. „Es ist eine Katastrophe“, sagt er. Er ist Privathalter, kein gewerblicher. Die Tiere, die er entnimmt – ergo erschießt – sind für den Eigenbedarf. „Es ist das schmackhafteste Wildbrät, was man sich vorstellen kann.“

Sikahirsche stehen seit 2025 auf der EU-Liste invasiver Arten

Knapp ein Dutzend Kälber muss Schuler jedes Jahr entnehmen, damit das Rudel nicht zu groß wird. „Das wird vom Veterinäramt und der Jagdbehörde eng kontrolliert“, erklärt er. Einzelne Tiere verkauft oder tauscht er mit Haltern im Allgäu oder Bad Wörishofen, um die genetische Diversität zu erhalten. Blutaustausch wird das genannt.

Albert Schuler mit seinen Enkeln im Sikagehege

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Albert Schuler mit seinen Enkeln im Sikagehege
Foto: Albert Schuler

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Albert Schuler mit seinen Enkeln im Sikagehege
Foto: Albert Schuler

Doch ob Zucht oder freie Wildbahn: Rechtlich macht das in der EU keinen Unterschied: „Invasive gebietsfremde Arten von unionsweiter Bedeutung dürfen nicht vorsätzlich gehalten werden. Auch nicht unter Verschluss“, heißt es im Gesetzestext. Schuler sagt: „Es gibt viele, bei denen das Gehege nicht sicher ist. Wenn da eine Schlamperei reinkommt, kann es passieren, dass die Tiere ausbrechen.“

Rund 100.000 Euro hat er in die Sicherung seines Geheges gesteckt

Schuler hat eigenen Angaben nach rund 100.000 Euro in die Sicherung seines Geheges gesteckt. Ein hoher Zaun umgibt den Lebensraum seiner Hirsche, dazu einen Unterschutz, damit kein Wolf hineinkommen kann. Und selbst wenn ein Tier entkommen würde, wäre seiner Einschätzung nach die Gefahr einer Paarung mit einem Rothirsch sehr gering. „Es gibt in der Gegend hier nicht viel Rotwild.“

Rund 20 Sikahirsche hält Albert Schuler in seinem Gehege bei Autenried.

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Rund 20 Sikahirsche hält Albert Schuler in seinem Gehege bei Autenried.
Foto: Albert Schuler

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Rund 20 Sikahirsche hält Albert Schuler in seinem Gehege bei Autenried.
Foto: Albert Schuler

Gesetz ist jedoch Gesetz. Sofern sich nichts mehr ändert, wird ab August 2027 die kommerzielle Haltung der Tiere verboten sein. „Ich dürfte keinen Hirsch mehr halten“, sagt Schuler. Der Sikahirsch ist nicht der einzige Neuzugang auf der Liste invasiver Arten. Mit dabei sind seit Juli 2025 unter anderem auch der Rotwangenbülbül, ein asiatischer Singvogel, die Riesenposthornschnecke und der Gewächshaus-Strudelwurm. Deren Verbreitung ist jedoch schwieriger zu kontrollieren als die der großen Säugetiere.

Der Deutsche Jägerverband betreibt Lobbyarbeit für den Sikahirsch

Sika-Haltern wird empfohlen, bereits in diesem Herbst die männlichen Tiere zu entnehmen. Im November beginnt die Brunftzeit der Tiere. Die Tragezeit beträgt bei Sikahirschen sieben bis acht Monate. Danach werden sie noch einige Zeit von ihrer Mutter gesäugt, bis sich die Jungtiere selbst von Gräsern, Blättern und Kräutern ernähren können. Zu spät also für die EU-Übergangsfrist. Deswegen soll bereits in diesem Jahr die Fortpflanzung unterbunden werden.

Was passiert also im August 2027 mit Schulers weiblichen Hirschen? „Ich werde keins meiner Tiere erschießen“, sagt er mit fester Stimme. Doch das ist vielleicht gar nicht nötig. Unter anderem setzt sich der Deutsche Jägerverband dafür ein, die Einstufung der Sikas als invasive Art zu kippen.

Laut Sprecherin der EU-Kommission sollen Ausnahmen möglich sein

Eine Sprecherin der Europäischen Kommission bestätigte zudem dem SWR, dass Ausnahmen möglich seien. Gewerbliche Halter müssen bis August 2027 sicherstellen, dass Sikawild nicht mehr gehalten und gezüchtet wird. Eine Lösung wäre, die Tiere in dafür zugelassenen Zoos unterzubringen.

Möglicherweise gibt es noch Hoffnung für die Sikahirsche von Albert Schuler

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Möglicherweise gibt es noch Hoffnung für die Sikahirsche von Albert Schuler
Foto: Albert Schuler

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Möglicherweise gibt es noch Hoffnung für die Sikahirsche von Albert Schuler
Foto: Albert Schuler

Nichtgewerbliche Halter wie Schuler dürften laut der Kommissionssprecherin die Tiere bis zu ihrem Lebensende halten, wenn sichergestellt ist, dass sie nicht entkommen oder sich fortpflanzen können. Um diese Ausnahmen durchzusetzen, müssen die EU-Mitgliedsstaaten einen Antrag bei der EU stellen. Wenn Deutschland also den Antrag stellt und dieser bewilligt wird, könnten zumindest die weiblichen Sikahirsche ihr restliches Leben in Autenried verbringen.