Kritik vom Bundesverband

Neue EU-Vorgabe für Stromzähler: Warum sie kaum Probleme löst

T-Online

20.08.2026 – 19:14 UhrLesedauer: 3 Min.

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Smart Meter: Verbraucherschützer warnen: Mehr Pflicht-Einbau löst weder Kosten noch Technikprobleme. (Quelle: Helge Toben/dpa/dpa-bilder)

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Neun von zehn Messstellenbetreibern beklagen Probleme beim Ausbau von Smart Metern. Strengere EU-Vorgaben dürften daran wenig ändern.

Deutschland hängt bei der Einführung von Smart Metern deutlich hinterher. Selbst die EU-Kommission bemängelt bereits den schleppenden Ausbau der digitalen Stromzähler. Zugleich will die Behörde die verpflichtende Ausbauquote innerhalb der EU erhöhen. Demnach sollen bis spätestens 2034 mindestens 75 Prozent aller Messstellen mit Smart Metern ausgestattet sein. Denn sie werden benötigt, um die Energiewende im Land voranzubringen.

Derart pauschale Einbauvorgaben werden laut dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) das Problem nicht lösen. „Ein digitaler Stromzähler nützt wenig, wenn die dahinterliegenden Prozesse nicht funktionieren. Die Erfahrungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie die Ergebnisse unserer Befragung zeigen, dass es beim Smart-Meter-Rollout weiterhin erhebliche Probleme gibt“, sagt Henning Herbst, Energieexperte beim vzbv. „Ein noch schnellerer Einbau von Smart Metern allein löst keine Probleme.“ Entscheidend sei, dass die Technik funktioniere und Verbraucherinnen und Verbraucher einen konkreten Nutzen hätten.

Digitaler oder intelligenter Stromzähler?

Ein digitaler Stromzähler zeigt den aktuellen Zählerstand sowie die früheren Verbrauchswerte. Die Informationen bleiben in der Regel im Gerät und werden nicht automatisch übertragen. Nutzer müssen ihrem Stromanbieter somit den aktuellen Zählerstand selbst übermitteln.
Ein intelligenter Stromzähler – auch Smart Meter oder intelligentes Messsystem (iMSys) genannt – verfügt neben der Zählfunktion zusätzlich über eine Kommunikationseinheit (Smart-Meter-Gateway). Dadurch kann er Verbrauchsdaten automatisch an berechtigte Stellen wie den Energieanbieter und den Netzbetreiber senden. Jeder intelligente Stromzähler ist somit auch ein digitaler Stromzähler. Aber nicht jeder digitale Stromzähler ist ein Smart Meter.

Dass strengere Ausbauquoten das Problem nicht lösen werden, bestätigen auch die meisten der 199 Messstellenbetreiber, die der vzbv zu diesem Thema befragt hat. Sie nannten die Komplexität gesetzlicher Vorgaben (80 Prozent), häufige Gesetzesänderungen (77 Prozent), technische Komplexität sowie Defizite bei der Marktkommunikation als größte Probleme bei der Umsetzung der Zielvorgaben.

EU-Plan ignoriert deutsche Besonderheiten

Angesichts der Umfrageergebnisse kritisiert der Bundesverband den Plan der EU-Kommission, den Kurs zu verschärfen. Der Vorschlag berücksichtige die deutschen Besonderheiten nicht ausreichend, heißt es. Denn hierzulande gelten an intelligente Messsysteme besonders hohe Anforderungen an Datenschutz, Datensicherheit und Steuerbarkeit. Das macht die Stromzähler auch vergleichsweise teuer.

Der vzbv betont, dass die Digitalisierung der Energiewende unbedingt kosteneffizient erfolgen müsse. Angesichts dessen befürworten die Verbraucherschützer den Vorschlag der Regierung, einen Smart Meter Light einzuführen. Dabei handelt es sich um einen Smart Meter, der jedoch über weniger Funktionen verfügt. Beispielsweise fehlt ihm die Steuerbox. Das heißt, dass Netzbetreiber nicht auf das Gerät zugreifen und beispielsweise die Stromzufuhr drosseln können, um eine Überlastung des Stromnetzes zu verhindern.

Smart Meter Light: Für wen?

Vergrößern des Bildes (Quelle: ha/t-online)

Smart Meter Light könnten daher von allen Haushalten genutzt werden, die nicht mit einer Photovoltaik-Anlage, einer Wärmepumpe oder einer Wallbox ausgestattet sind. Denn für diese Anlagen ist ein Fernzugriff durch den Netzbetreiber zwingend nötig.

Umfrage: So denken Hausbesitzer über die neuen Stromzähler