Seit dem 10. April müssen sich an allen Außengrenzen des europäischen Schengen-Raums Nicht-EU-Bürger bei der Ein- und Ausreise mit biometrischen Daten identifizieren. Die Nutzung des digitalen Entry-Exit-Systems (EES) ist nach einer Einführungsphase von sechs Monaten obligatorisch geworden. „Es erfasst Fingerabdrücke, Gesichtsmerkmale und andere Reiseinformationen und ersetzt damit das bisherige System des Reisepassstempels“, erklärte das Kabinett des für Innenpolitik und Migration zuständigen EU-Kommissars Magnus Brunner. „Es liefert zuverlässige Daten zu Grenzübertritten und deckt systematisch Personen auf, die die Aufenthaltsdauer überschreiten, sowie Fälle von Dokumenten- und Identitätsbetrug.“
Zu lange Aufenthaltsdauer von Lkw-Fahrern wird sichtbar
EES gilt auch für Lkw-Fahrer aus Drittstaaten. Sofern diese keine dauerhaften Aufenthaltsgenehmigungen in EU-Staaten oder Langfrist-Visa für den Schengen-Raum haben, lässt sich künftig viel einfacher überwachen, ob sie länger als die für Kurzfristaufenthalte erlaubten 90 Tage innerhalb eines 180-Tage-Zeitraums in der EU gewesen sind. Gegen die zunehmend strikte Durchsetzung dieser Regel mit Hilfe von EES haben im Januar Lkw-Fahrer aus Serbien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien und Montenegro protestiert und Grenzen zu Ungarn, Kroatien und Bulgarien blockiert.
EU-Staaten sind unterschiedlich gut vorbereitet
Die International Road Transport Union (IRU) mahnte am Freitag, die EES-Kontrollen müssten „pragmatisch“ organisiert werden, damit es nicht zu Staus bei der Grenzabfertigung kommt. „Der Vorbereitungsstand in den Mitgliedsstaaten ist noch sehr unterschiedlich“, erklärte der Straßentransportverband. „Während manche Länder während der Einführungsphase schon Erfahrungen gesammelt haben, passen andere noch ihre Infrastruktur und ihre Verfahren an. Das macht diese Phase zu einem Schlüsselmoment, in dem die Resilienz des Systems unter realen Bedingungen getestet wird.“ Sorgen machen sich zum Beispiel Logistiker im Vereinigten Königreich, ob der nach dem Brexit ohnehin kompliziertere Verkehr über den Ärmelkanal durch EES noch schwerfälliger wird.
Warnung vor langen Wartezeiten an Flughäfen
Auch die Luftfahrtbranche befürchtet Probleme. Der europäische Flughafenverband ACI Europa, die Airlines for Europe (A4E) und die International Air Transport Association (IATA) berichteten im Februar von Wartezeiten von bis zu zwei Stunden bei der Personenabfertigung an Flughäfen, unter anderem aufgrund von Personalmangel und technischen Problemen bei der EES-Einführung. Die Verbände warnten, in der Hauptreisesaison im Juli und August könne es zu Wartezeiten von vier Stunden oder mehr kommen.
Sie forderten die EU-Kommission auf, den Schengen-Staaten noch bis Ende Oktober zu erlauben, EES-Kontrollen im Falle langer Wartezeiten teilweise oder vollständig auszusetzen. Laut der Verordnung 2025/1534 ist das nur bis Anfang Juli zulässig.
Die EU-Kommission erklärte am Freitag, die Registrierung einer Ein- oder Ausreise dauere im EU-Durchschnitt nur 70 Sekunden, im „Musterschülerland“ Deutschland sogar nur 30 Sekunden. Seit der EES-Einführung im Oktober 2025 seien in der gesamten EU mehr als 51,5 Millionen Ein- und Ausreisen registriert und über 27.000 Einreisen verweigert worden. Von den abgewiesenen Personen seien über 700 als Sicherheitsrisiko für die Union eingestuft worden.