Bad Honnef. Im Pazifik deutet sich nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes ein möglicherweise außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis an. Sollte sich die Entwicklung wie prognostiziert fortsetzen, könnte der Winter 2026/27 zu den stärksten El-Niño-Phasen seit Beginn der Aufzeichnungen gehören. Welche Folgen das für Europa und damit auch für Deutschland haben könnte, ist allerdings deutlich schwieriger vorherzusagen als die Auswirkungen in den unmittelbar betroffenen Regionen rund um den Pazifik.

El Niño bezeichnet eine ungewöhnliche Erwärmung des tropischen Pazifiks. Besonders im zentralen und östlichen Teil des Ozeans steigen die Wassertemperaturen deutlich an. Dadurch verändern sich Niederschläge und Luftströmungen. Während es in Teilen Südamerikas zu außergewöhnlich starken Regenfällen kommen kann, drohen in Regionen Südostasiens und Australiens häufiger Trockenheit und Dürre.

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Nach Angaben des Meteorologen M.Sc.-Met. Nico Bauer vom Deutschen Wetterdienst waren die Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen Pazifik bereits im Juli deutlich höher als im langjährigen Mittel. Vor der Küste Perus seien teilweise Abweichungen von mehr als drei Grad gegenüber der Referenzperiode 1991 bis 2020 gemessen worden.

Auswirkungen reichen bis in höhere Breiten

Die Folgen eines starken El Niño beschränken sich nicht auf die Tropen. Durch verstärkte Gewitterbildung über dem Pazifik gelangt zusätzliche Wärme in höhere Atmosphärenschichten. Das kann nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes großräumige Luftströmungen verändern und sich unter bestimmten Voraussetzungen auch auf den Jetstream auswirken.

Über verschiedene atmosphärische Wechselwirkungen können solche Veränderungen bis nach Europa reichen. Besonders im Winterhalbjahr seien Auswirkungen möglich. Allerdings betont Bauer, dass sich aus der Stärke eines El-Niño-Ereignisses nicht automatisch eine bestimmte Wetterentwicklung in Europa ableiten lasse.

Die aktuellen Prognosen deuten laut Deutschem Wetterdienst darauf hin, dass das Ereignis im Spätherbst oder Frühwinter seinen Höhepunkt erreichen könnte. Beim sogenannten Relative Oceanic Niño Index, kurz RONI, könnten Werte erreicht oder sogar überschritten werden, wie sie bei den besonders starken Ereignissen 1997/98 und 2015/16 beobachtet wurden.

Kalter Winter? El Niño allein ist kein Vorhersageinstrument

Immer wieder wird ein starker El Niño mit möglichen Kälteperioden in Europa in Verbindung gebracht. Hintergrund sind unter anderem Veränderungen des Polarwirbels und der Nordatlantischen Oszillation, kurz NAO. Bei früheren El-Niño-Ereignissen sei häufiger eine negative NAO beobachtet worden, die grundsätzlich Kaltlufteinbrüche nach Europa begünstigen könne.

Ein Rückschluss auf einen kalten Winter wäre nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes jedoch nicht zulässig. Zu viele weitere Faktoren beeinflussten die tatsächliche Wetterentwicklung. Dazu zählen unter anderem die Quasi-Biennale Oszillation, die Meereisbedeckung in der Arktis, die Sonnenaktivität und die Temperaturen im Atlantik.

Gerade zu Beginn des Winters zeigten frühere El-Niño-Ereignisse in Mittel- und Westeuropa teilweise sogar eine gegenteilige Tendenz: mildes und niederschlagsreiches Wetter. Eine verstärkte Westwindzirkulation könnte dann feuchte und vergleichsweise milde Atlantikluft nach Europa führen.

Wetterprognose bleibt unsicher

Auch bei einem außergewöhnlich starken El Niño bleibt der Einfluss auf Europa damit begrenzt und vor allem indirekt. Nicht jedes El-Niño-Ereignis führt zu den gleichen Veränderungen der Wetterlagen. Entscheidend sei neben der Stärke auch die genaue räumliche Ausprägung des Phänomens sowie der allgemeine Zustand von Atmosphäre und Ozeanen.

Für die Region lässt sich aus der Entwicklung im Pazifik deshalb derzeit keine konkrete Winterprognose ableiten. Ein starker El Niño kann nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes zwar die Wahrscheinlichkeit bestimmter Wetterlagen verändern – ob daraus am Ende ein milder, nasser oder möglicherweise zeitweise kalter Winter wird, hängt jedoch von zahlreichen weiteren Faktoren ab.