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DORTMUND. Viele Grundschulen in Deutschland sind inzwischen technisch gut ausgestattet, doch bei den Kompetenzen der Kinder zeigt sich ein anderes Bild. Viertklässlerinnen und Viertklässler schätzen ihre Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Medien deutlich seltener als hoch ein als Gleichaltrige in anderen EU-Staaten. Besonders beim Erstellen von Inhalten und beim kritischen Umgang mit Informationen werden Unsicherheiten sichtbar.

Unbegeistert. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der digitalen Selbstwirksamkeit von Grundschulkindern im unteren Feld. Nach Daten der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU 2021) schätzen lediglich 37 Prozent der Viertklässlerinnen und Viertklässler ihre digitalen Fähigkeiten als hoch ein. In zahlreichen anderen EU-Staaten fällt dieser Anteil höher aus. Grundlage der Auswertung sind repräsentative Erhebungen in 19 Teilnehmerstaaten.

Die Selbsteinschätzung umfasst drei Kompetenzbereiche: grundlegende Bedienfähigkeiten, die Anwendung von Programmen zur Erstellung von Inhalten sowie den Umgang mit Informationen aus dem Internet. In allen Bereichen zeigen sich für Deutschland Entwicklungspotenziale. Während ein Großteil der Kinder angibt, Geräte grundsätzlich bedienen zu können, fallen die Werte bei anspruchsvolleren Anwendungen deutlich ab.

So ordnen sich die deutschen Viertklässlerinnen und Viertklässler bei den grundlegenden Bedienfähigkeiten im Mittelfeld ein. 69 Prozent geben an, gut mit PCs oder Tablets umgehen zu können, 59 Prozent sehen sich sicher beim Schreiben auf der Tastatur. Deutlich kritischer fällt die Selbsteinschätzung bei produktiven Anwendungen aus. Nur 27 Prozent trauen sich zu, Aufsätze oder Berichte digital zu erstellen, und 29 Prozent sehen sich in der Lage, Präsentationen zu gestalten. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich im unteren Bereich.

„Die meisten Grundschulen in Deutschland verfügen inzwischen über eine gute digitale Infrastruktur mit Tablets, Laptops oder Computerräumen“

Etwas höher ist die Einschätzung beim Erstellen und Teilen von Videos, wo 57 Prozent der Kinder ihre Fähigkeiten als gut bewerten. Auch hier bleibt Deutschland jedoch im unteren Mittelfeld der Vergleichsstaaten. Beim Umgang mit Informationen aus dem Internet ergibt sich ein ähnliches Bild. Zwar geben 53 Prozent an, Informationen finden zu können, und 54 Prozent sehen sich in der Lage zu beurteilen, ob eine Website nützlich ist. Doch nur etwa ein Drittel der Befragten, nämlich 33 Prozent, traut sich zu, die Vertrauenswürdigkeit von Online-Inhalten einzuschätzen.

Die Ergebnisse stehen in einem auffälligen Spannungsverhältnis zur technischen Ausstattung der Schulen. „Die meisten Grundschulen in Deutschland verfügen inzwischen über eine gute digitale Infrastruktur mit Tablets, Laptops oder Computerräumen. Dennoch fühlen sich viele Schüler*innen am Ende der vierten Klasse in ihren digitalen Fähigkeiten noch nicht sicher“, erklärt PD Dr. Ramona Lorenz vom Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund.

Lorenz verweist insbesondere auf Defizite im Bereich der aktiven Mediennutzung. „Besonders beim Erstellen digitaler Inhalte wie Texte oder Präsentationen geben nur wenige an, über gute Kompetenzen zu verfügen.“ Gleichzeitig zeige sich, dass viele Kinder zwar grundlegende Recherchen durchführen könnten, jedoch Schwierigkeiten bei der kritischen Bewertung von Informationen hätten.

Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung und der zunehmenden Bedeutung digital gestützter Lernprozesse gewinnt dieser Befund zusätzliche Relevanz. Der Übergang in die weiterführende Schule stellt eine Schnittstelle dar, an der fehlende Kompetenzen verstärkt wirksam werden können. „Viele 10-Jährige in Deutschland sehen sich für das digital gestützte Lernen in der weiterführenden Schule nicht gut vorbereitet“, so Lorenz.

Die Studienergebnisse legen nahe, dass die bisherigen Maßnahmen zur Digitalisierung des Bildungswesens vor allem auf infrastrukturelle Verbesserungen abgezielt haben, während die systematische Förderung grundlegender Kompetenzen weniger im Fokus stand. Dazu zählen nicht nur technische Fertigkeiten, sondern auch die Fähigkeit, digitale Inhalte eigenständig zu erstellen und Informationen kritisch zu reflektieren. News4teachers 

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