Es klingt geschichtsträchtig. Und tatsächlich wurde am „Napoleonseck“ Geschichte geschrieben. Der Name erinnert an die Schlacht von Engen, als hier am 3. Mai 1800 das französische und das österreichische Koalitionsheer aufeinandertrafen. Der markante Aussichtspunkt soll französischen Truppen als Gefechtsstand gedient haben. Napoleon aber hielt sich nachweislich an diesem Tag in Paris auf. Das französische Heer führte General Jean-Victor Moreau. In dieser für die französische Armee siegreichen Schlacht wurden die Österreicher bei Engen und Stockach geschlagen und nach weiteren Niederlagen bei Meßkirch zwei Tage später sowie am 9. Mai in Biberach sahen sie sich gezwungen, sich über die Donau nach Ulm zurückzuziehen.

Das Napoleonseck liegt an der etwas mehr als neun Kilometer langen, gut ausgeschilderten Wandertour namens „Alter Postweg“. Er zählt zu den Premiumwanderwegen im Hegau. Ausgangspunkt ist ein Parkplatz oberhalb von Watterdingen. Er heißt so, weil ihn Boten ab Mitte des 16.-  bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts nutzten, um Nachrichten von Engen bis ins Elsass zu überbringen. Der Alte Postweg, der übrigens vom Schwarzwaldverein gepflegt wird, führt durch Wiesen und Wälder, doch besticht er in erster Linie mit seinen herrlichen Landschaftspanoramen. Der Wanderer kann bei schönem Wetter auch heute noch seinen Blick über die Vulkankegel des Hegau, Teile des Bodensees und über die Alpengipfel am Horizont schweifen lassen.

Auch das Napoleonseck auf dem Premiumwanderweg „Alte Post“ oberhalb von Watterdingen erinnert an die Schlacht um Engen.

Icon vergrößern

Auch das Napoleonseck auf dem Premiumwanderweg „Alte Post“ oberhalb von Watterdingen erinnert an die Schlacht um Engen.
Foto: Elmar Veeser

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Auch das Napoleonseck auf dem Premiumwanderweg „Alte Post“ oberhalb von Watterdingen erinnert an die Schlacht um Engen.
Foto: Elmar Veeser

Der Krieg zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation) unter Kaiser Franz II. endete am 9. Februar 1801 mit dem Frieden von Lunéville. Damals wurde unter anderem die rechtliche Eingliederung der 1794 besetzten linksrheinischen Gebiete – heute die linksrheinischen Gebiete von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mit 63.000 Quadratkilometern – in das
französische Staatsgebiet regelte.

Das Franzosenkreuz auf dem Ballenberg komplettiert dieser Findling mit Gedenktafel.

Icon vergrößern

Das Franzosenkreuz auf dem Ballenberg komplettiert dieser Findling mit Gedenktafel.
Foto: Elmar Veeser

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Das Franzosenkreuz auf dem Ballenberg komplettiert dieser Findling mit Gedenktafel.
Foto: Elmar Veeser

Gleich zwei Denkmale an Hegau-Wanderwegen erinnern an die Schlacht bei Engen, die an einem einzigen Tag – am 3. Mai 1800 – Tausenden von Soldaten das Leben kostete. Verlässt man den „Alten Postweg“ Richtung Osten, stößt der Wanderer nach etwas mehr als drei Kilometern bei Engen auf ein weiteres der Schlacht bei Engen gewidmetes Denkmal, nämlich auf das sogenannte Franzosenkreuz auf dem Ballenberg. Umgekehrt führt vom Bahnhof Engen aus gesehen eine mittelschwere, knapp 14 Kilometer lange Route über das Franzosenwäldle und den Ballenberg direkt zum Napoleonseck und von dort oft weiter bis zum Hohenhewen.

Das Franzosenkreuz auf dem Ballenberg bei Engen erinnert an die Schlacht vom 3. Mai 1800.

Icon vergrößern

Das Franzosenkreuz auf dem Ballenberg bei Engen erinnert an die Schlacht vom 3. Mai 1800.
Foto: Elmar Veeser

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Das Franzosenkreuz auf dem Ballenberg bei Engen erinnert an die Schlacht vom 3. Mai 1800.
Foto: Elmar Veeser

Auch vom Franzosenkreuz aus eröffnet sich ein herrlicher Panoramablick auf das im Tal eingebettete mittelalterliche Städtchen Engen. Das sehr schlanke, etwa sechs Meter hohe Holzkreuz ist durch einen Findling mit Schrifttafel ergänzt, worauf zu lesen ist, dass mit diesem Denkmal an die zahlreichen Opfer der Schlacht bei Engen gedacht wird. Der Historiker Roland Kessinger, der sich intensiv mit der Schlacht um Engen und der zwei Tage zuvor – also am 1. Mai 1800 – kampflosen Übergabe der Festung Hohentwiel an die Franzosen beschäftigt hat, schätzt die Zahl der hier getöteten Österreicher auf 2000 . Viele Verwundete sowie tausende Gefangene galt es obendrein zu versorgen. Ähnliche Verluste dürften an diesem Tag auch die Franzosen erlitten haben, wie Kessinger im Hegau-Jahrbuch aus dem Jahr 2014 unter der Überschrift „Napoleon und die Zerstörung des Twiel“ festgehalten hat. Hinzuzurechnen sind noch die niemals gezählten zivilen Opfer aus den Hegaudörfern, die zum Teil auch den durch die Soldaten eingeschleppten Krankheiten erlagen.

„In der kleinen Stadt Engen, die damals nur etwa 1000 Einwohner hatte, befanden sich plötzlich tausende Soldaten“, berichtet Historiker Roland Kessinger

Icon vergrößern

„In der kleinen Stadt Engen, die damals nur etwa 1000 Einwohner hatte, befanden sich plötzlich tausende Soldaten“, berichtet Historiker Roland Kessinger
Foto: Roland Kessinger

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

„In der kleinen Stadt Engen, die damals nur etwa 1000 Einwohner hatte, befanden sich plötzlich tausende Soldaten“, berichtet Historiker Roland Kessinger
Foto: Roland Kessinger

Doch zurück zum Franzosenkreuz: Auf der Schrifttafel des Findlings steht, dass das Denkmal im Jahr 2008 vom 3. Husarenregiment
der Deutsch-Französischen Brigade Immendingen gespendet wurde. DerFindlingg ist somit als Symbol der Deutsch-Französischen Versöhnung und Freundschaft zu verstehen. Das „troisième régiment de hussards“ zog dann im Jahr 2011 ins französische Metz um,
wo es bis heute stationiert ist.

Die Serie „Sagenhafte Heimat“

Sagen und Mythen über geheimnisvolle Orte, Ereignisse oder Menschen gibt es in jeder Stadt und Gemeinde. Sie machen teilweise seit Generationen die Runde. Manche sind bekannt, manche drohen in Vergessenheit zu geraten. Warum hat der „Namenlose Weg“ in Gottmadingen keinen Namen? War Napoleon tatsächlich am Napoleonseck? Und hat es wirklich ein Singener gewagt, Otto Dix zu fälschen? In unserer Serie „Sagenhafte Heimat“ gehen wir diesen Geschichten auf den Grund und helfen vielleicht, sie aufzuklären oder mindestens sie zu bewahren. (jac)

Die Koalitionskriege waren verheerend. Eine Allianz aus Großbritannien, Russland, Österreich und weiteren Mächten kämpfte von 1799 bis 1802 gegen Frankreich. Napoleon Bonaparte war es durch den Staatsstreich am 9. November 1799 gelungen, die Macht in Frankreich an sich zu reißen und das Konsulat als neue Regierungsform zu etablieren. Also hatte der 30-jährige „Erste Konsul“ Napoleon Bonaparte zur Zeit der Schlacht bei Engen erst sechs Monate zuvor die politische Macht an sich gerissen. Seine Armeen kehrten nach dem Friedensvertrag von Lunéville im Jahr 1801 siegreich nach Frankreich zurück. Damit hatte Frankreich seine Vorherrschaft in Italien wiederhergestellt und zudem die linksrheinischen deutschen Gebiete annektiert. Mit dem Frieden von Amiens zwischen Großbritannien und Frankreich war der Krieg 1802 endgültig beendet. Mit den folgenden Koalitionskriegen hatte sich eine bewaffnete Auseinandersetzung an die nächste mit Schauplätzen in Italien, der Schweiz, in Süddeutschland und den Niederlanden gereiht.