Wegweisende Volksabstimmung

Island vor EU-Referendum: Ja zu neuen Beitrittsgesprächen?

Aktualisiert am 29.08.2026 – 04:30 UhrLesedauer: 2 Min.

Island: EU-ReferendumVergrößern des Bildes

Mehr als 270.000 Isländer sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. (Quelle: Marco Di Marco/AP/dpa/dpa-bilder)

Vorlesen

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00

1xArtikel teilen

Heute wird über Islands künftigen EU-Kurs entschieden. Und das Votum könnte denkbar knapp ausfallen. Geht die Vulkaninsel wieder auf Brüssel zu – oder bleiben die Isländer lieber für sich?

Heute geht’s für Island um Europa: In einem Referendum stimmen die Bewohner der Vulkaninsel über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsgesprächen ab. Stimmen sie mit „Ja“, macht das den Weg für neue Verhandlungen mit Brüssel frei. Bei einem „Nein“ hat die Regierung versprochen, das Vorhaben fallen zu lassen. Mehr als 270.000 Isländerinnen und Isländer sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Ein Fünftel von ihnen hat das Kreuzchen nach Angaben des isländischen Fernsehens bereits vorab gemacht. Alles deutet auf ein enges Rennen hin.

Regierungschefin Frostadóttir will neue Gespräche

Die sozialdemokratische Regierungschefin Kristrún Frostadóttir hatte ihren Landsleuten schon bei Amtsantritt Ende 2024 eine Abstimmung über neue EU-Verhandlungen angekündigt. Auch wenn der Ausgang des Referendums noch nichts darüber aussagt, ob Island am Ende möglicher Beitrittsgespräche auch tatsächlich Mitglied der EU würde, ging es in den Debatten der vergangenen Wochen schon viel darum, welchen Vorteil eine volle Mitgliedschaft hätte.

Nato -GipfelVergrößern des BildesIslands Regierungschefin Kristrún Frostadóttir befürwortet neue Beitrittsgespräche. (Archivbild) (Quelle: Michael Kappeler/dpa/dpa-bilder)

„Ich halte das für einen der wichtigsten Schritte, die wir unternehmen können, um Risiken zu verringern“, sagte Frostadóttir im isländischen Fernsehen. In unsicheren Zeiten wie diesen, in denen sich internationale Beziehungen veränderten, sei die Frage, ob ein kleines Land wie Island sich größeren Staaten und Bündnissen annähern sollte. „Wir sehen um uns herum, dass Länder in unserer Nachbarschaft durch die Europäische Union geschützt wurden.“

Ob sie damit auch Grönland meint? Die wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, die zu Dänemark gehörende Arktisinsel den Vereinigten Staaten einzuverleiben, haben auch in Island Unruhe ausgelöst. So mancher Isländer fragt sich, wie verlässlich das 1951 mit den USA geschlossene bilaterale Verteidigungsabkommen noch ist. Und allein kann Island sich nicht verteidigen. Die Insel ist zwar Gründungsmitglied der Nato, hat aber keine eigene Armee.

Wirtschaftlich ist Island zudem bereits stark in Europa integriert: Das Land gehört zum Europäischen Wirtschaftsraum und genießt die Vorteile des Binnenmarkts – hat aber bei wichtigen Entscheidungen kein Mitspracherecht.

Walfang in IslandVergrößern des BildesFischerei und Walfang gehören zu Islands wichtigsten Wirtschaftspfeilern. (Archivbild) (Quelle: Steffen Trumpf/dpa/dpa-bilder)