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Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

einer risikoaversen Gesellschaft wie der deutschen fällt es schwer, über den schlimmstmöglichen Fall nachzudenken. Noch schwerer fällt es ihr, sich darauf vorzubereiten. Das ist der Grund, warum die Diskussion über Atomwaffen hierzulande meist nur verschreckt, ideologisch oder irrational geführt wird. Einen Atomkrieg kann niemand wollen. Die meisten Deutschen wollen jedoch noch nicht einmal darüber nachdenken. Das ist ein Problem, wenn man die Entscheidung darüber nicht selbst in der Hand hat.

Aus guten Gründen lassen es Gesetze nicht zu, dass Deutschland sich atomar bewaffnet. Die Pariser Verträge von 1954, der Sperrvertrag von 1975 und der Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 verbieten es der Bundesrepublik, Kernwaffen herzustellen, zu besitzen oder Verfügungsgewalt über sie auszuüben. Sowohl im Kalten Krieg als auch nach dem Zusammenbruch des Ostblocks konnte sich das Land jedoch auf den amerikanischen Atom-Schutzschirm innerhalb der Nato verlassen. Durch die nukleare Teilhabe und die Stationierung von rund 20 US-Atomwaffen auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz profitiert Deutschland eben doch von der Abschreckung durch Kernwaffen. Im atomaren Verteidigungsfall könnten deutsche Kampfpiloten im Nato-Verbund die Bomben abfeuern.

Deutsche Tornados auf dem Fliegerhorst Büchel.Vergrößern des BildesDeutsche Tornados auf dem Fliegerhorst Büchel. (Quelle: Harald Tittel/dpa)

Seit vier Jahren hat sich die Sicherheitslage in Europa grundlegend verändert. Seit Putins Vollinvasion der Ukraine und verstärkt seit Donald Trumps zweitem Amtsantritt kann sich kein Bundesbürger mehr darauf verlassen, dass er, seine Familie und sein Land garantiert vor einer nuklearen Eskalation geschützt sind. Politiker und Nato-Planer geben sich große Mühe, die Aufrüstungsbemühungen der europäischen Bündnispartner zu beschwören. Aber es hilft alles nichts: Solange in Moskau ein aggressiver Imperialist und in Washington ein unsicherer Kantonist sitzt, bleibt die Sicherheit Deutschlands gefährdet.

Deshalb mehren sich Stimmen, die ein Umdenken fordern. „Es wäre ein Element der Sicherheit, wenn Deutschland die Atombombe hätte“, sagt der Sicherheitsexperte Joachim Krause im Interview mit unserer Redaktion. Auch in politischen Hintergrundrunden sind neue Einlassungen zu vernehmen. Sollte der russische Krieg gegen die Ukraine weiter eskalieren und das Putin-Regime unter Druck einen Angriff auf Nato-Länder wagen, entstünde eine völlig neue Gefährdungslage, in der 83 Millionen Bundesbürger allein auf die amerikanische Unterstützung angewiesen wären – wenn die denn käme.

Ist das zu wenig? Sollte die Atomfrage hierzulande neu gestellt werden? Braucht Deutschland selbst die Bombe? Was steckt hinter dem französischen Angebot einer Abschreckungs-Kooperation? Und an welchen Plänen arbeiten Nato-Strategen gerade?

Wenige Experten können diese heiklen Fragen so aufschlussreich beantworten wie Claudia Major. Die ostdeutsche Politikwissenschaftlerin arbeitet für den German Marshall Fund, hat einen Lehrauftrag in Paris und sitzt im Beirat der Bundesregierung für zivile Krisenprävention und Friedensförderung. Im Podcast mit meiner Kollegin Nicole Fuchs-Wiecha und mir nimmt sie ausführlich Stellung zur akuten Sicherheitslage und erklärt die jüngsten Entwicklungen präzise. Ich habe einiges dabei gelernt und empfehle Ihnen das Gespräch daher gern:

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Ihr
Florian Harms
Chefredakteur t-online