Wegweisende Entscheidung: Die Menschen in Island haben sich in einem Referendum einem Medienbericht zufolge gegen die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der EU entschieden. Die Mehrheit habe gegen das Regierungsvorhaben gestimmt, berichtete der Rundfunksender RUV am Sonntag unter Berufung auf Ergebnisse nach Auszählung fast aller Stimmen in dem Land mit seinen rund 394.000 Einwohnern.

Zunächst hatten sich Befürworter und Gegner im Norden Europas neuer EU-Beitrittsgespräche, die 2013 nach vier Jahren abgebrochen worden waren, ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Die Beitrittsgegner pochen vor allem auf die Wahrung der Kontrolle über die isländischen Fischereigebiete. Ein Endergebnis wird bis Mittag erwartet.

Ministerpräsidentin Kristrun Frostadottir hatte die Abstimmung als historische Chance bezeichnet und erklärt, ein „Nein“ werde die Debatte über einen EU-Beitritt dauerhaft beenden. In dem Inselstaat im Nordatlantik war das Interesse an einer EU-Mitgliedschaft zuletzt wieder gewachsen – unter anderem wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten, des Ukraine-Krieges sowie der wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, das benachbarte Grönland zu annektieren.

Island stoppte schon 2013 den EU-Beitrittsprozess

Befürworter von Beitrittsgesprächen argumentierten, dass eine EU-Mitgliedschaft und eine mögliche Einführung des Euro die hohen Zinsen dämpfen und die Inflation im Land eindämmen könnten. Der Leitzins der isländischen Zentralbank liegt derzeit bei acht Prozent. Gegner eines EU-Beitritts befürchten hingegen einen Verlust der Souveränität und der Kontrolle über die für das Land wichtigen Fischereigewässer.

Island hatte bereits 2009 inmitten der damaligen Finanzkrise einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt, eine euroskeptische Regierung stoppte den Prozess jedoch 2013. (Reuters)