ChatGPT, Reddit und Roblox sehen sich in der Europäischen Union künftig mit zusätzlichen Vorgaben des Digital Services Act (DSA) konfrontiert. Die EU-Kommission hat die drei Dienste am 31. August 2026 aufgrund ihrer hohen Nutzerzahlen offiziell in die Kategorien für besonders große Plattformen beziehungsweise Suchdienste aufgenommen. Für die Unternehmen gelten damit erweiterte Pflichten.

Bei ChatGPT nimmt die Kommission dabei eine besondere Einordnung vor. Der KI-Dienst von OpenAI wird als Very Large Online Search Engine (VLOSE) und damit als enorme Online-Suchmaschine eingestuft. Ausschlaggebend ist damit nicht die ursprüngliche Funktion von ChatGPT als KI-Chatbot, sondern die Möglichkeit, bei der Beantwortung von Nutzeranfragen auf Informationen aus dem Internet zuzugreifen. Die Kommission betrachtet ChatGPT als hybriden Dienst, der nach den Bestimmungen des DSA auch die Merkmale einer Online-Suchmaschine erfüllt.

Besonders dabei ist, dass der DSA damit auf einen Dienst angewendet wird, der beim Beschluss des Regelwerks in dieser Form noch gar nicht existierte. Denn der DSA selbst wurde schon im Herbst 2022 verabschiedet, während ChatGPT erst später kam. Daher finden sich unter den als VLOSE eingestuften Angeboten bisher vorwiegend eher klassische Suchmaschinen wie Google und Bing.

Grundlage für die Einstufung ist die Reichweite innerhalb der Europäischen Union. Als VLOP (Very Large Online Platforms) oder VLOSE können Dienste eingestuft werden, wenn diese im Durchschnitt mindestens 45 Millionen aktive Nutzer pro Monat in der EU erreichen. ChatGPT liegt mit etwa 159,1 Millionen Nutzern inzwischen deutlich über dieser Schwelle. Reddit meldet 57,2 Millionen aktive Nutzer, während Roblox mit 46,6 Millionen Nutzern noch vergleichsweise knapp über dem Grenzwert liegt.

Quelle: AUXADI

ChatGPT, Reddit und Roblox haben nun vier Monate Zeit und müssen die erweiterten Anforderungen bis Ende Januar 2027 umsetzen. Dazu gehört insbesondere das Untersuchen systemischer Risiken der eigenen Dienste und der algorithmischen Systeme sowie das Ergreifen geeigneter Gegenmaßnahmen. Die Vorgaben betreffen unter anderem die Verbreitung illegaler Inhalte, mögliche negative Auswirkungen auf Minderjährige sowie Risiken für die körperliche und psychische Gesundheit der Nutzer.

Weiterhin müssen die Unternehmen mögliche Folgen ihrer Dienste für Grundrechte, demokratische Prozesse, Wahlen und die öffentliche Sicherheit berücksichtigen. Die erforderlichen Risikobewertungen müssen dokumentiert und veröffentlicht werden. Mit der Einstufung erhält die EU-Kommission außerdem weitergehende Befugnisse, um Funktionen und technische Systeme der betroffenen Angebote zu untersuchen und die Einhaltung der Vorgaben zu kontrollieren.