EU-Kommissarin sagt Reise ab

Fall Mladić: Von der Leyen „schockiert“ über Serbien

08.09.2026 – 10:52 UhrLesedauer: 2 Min.

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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei einem Besuch in Belgrad (Archivbild) (Quelle: IMAGO/Amir Hamzagic/imago)

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Serbien feiert den verurteilten Kriegsverbrecher Ratko Mladić. Die EU-Kommission geht auf Distanz zu dem offiziellen Beitrittskandidaten.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat sich „schockiert“ über die Bilder von den großen Feierlichkeiten bei der Beerdigung des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladić in Belgrad geäußert. „Er war verantwortlich für Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er starb, während er eine lebenslange Haftstrafe für den Völkermord von Srebrenica und andere Verbrechen verbüßte“, schrieb die Kommissionspräsidentin am Dienstag auf der Online-Plattform X.

Dass es offizielle Unterstützung für die Beerdigung gegeben habe und einige hochrangige serbische Beamte bei der Beerdigung anwesend gewesen seien, sei „zutiefst bedauerlich“, fügte von der Leyen hinzu. Dies widerspreche den Werten, die für Serbiens Weg in die EU nötig seien.

Mladić war Ende August im Alter von 80 Jahren in der Haft gestorben. Der bosnisch-serbische General war vom Internationalen Strafgerichtshof der Vereinten Nationen für das ehemalige Jugoslawien wegen Völkermordes für seine Rolle beim Massaker von Srebrenica 1995 für schuldig befunden worden. Damals waren etwa 8.000 muslimische Männer und Jungen getötet worden, nachdem bosnisch-serbische Truppen die von den UN als Schutzzone ausgewiesene Siedlung eingenommen hatten. Er wurde zudem wegen der jahrelangen Belagerung von Sarajevo verurteilt, bei der etwa 10.000 Menschen getötet wurden. „Unsere Gedanken sind bei allen Opfern der Verbrechen, die in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens begangen wurden“, schrieb von der Leyen.

EU-Kommissarin sagt Belgrad-Reise ab

Serbien ist seit 2012 offizieller EU-Beitrittskandidat. EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos sagte wegen der Ehrung Mladićs einen für diese Woche geplanten Besuch in Serbien ab.

PEOPLE-MLADIC/FUNERALVergrößern des BildesEin Mädchen steht an einer serbischen Flagge, die ein Bild von Ratko Mladić zeigt (Archivbild): Die EU-Kommission rügt den Umgang mit dem verurteilten Kriegsverbrecher. (Quelle: Uros Arsic/reuters)

Ohnehin stocken die Verhandlungen seit Jahren, weil der nationalistischen Regierung in Belgrad immer wieder Verstöße gegen Grundwerte der EU vorgeworfen werden. Zudem pflegt sie engere Beziehungen zu Russland und China, was in Brüssel und Berlin Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Beitrittsbemühungen aufgeworfen hat.