Zuerst veröffentlicht am
09/09/2026 – 7:15 MESZ

Die Europäische Union unternimmt große Anstrengungen, um ihre Emissionen im eigenen Gebiet zu senken. Dennoch entstand im Jahr 2023 rund 35 Prozent ihres CO2-Fußabdrucks im Ausland, wie aus Daten der European Climate Foundation (ECF) und der Klimaberatung Matière hervorgeht.


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Die Zahlen zeigen zudem ein größeres Bild: Inzwischen hängt mehr als ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen mit dem globalen Handel zusammen. Für Brüssel entsteht daraus ein politisches Dilemma. Die EU steckt Milliarden in die Dekarbonisierung von Fabriken, Kraftwerken und der Autoindustrie, kauft aber weiterhin in großem Stil Waren ein, deren Herstellung im Ausland erhebliche Mengen CO2 verursacht.

Wo Importe am stärksten zu Buche schlagen

Der neu vorgestellte Traded Emissions Tracker liefert dazu erstmals detaillierte Ländervergleiche. In Irland, Schweden, Österreich, Zypern, Malta und Spanien machten Importe 2023 mehr als 40 Prozent des jeweiligen nationalen CO2-Fußabdrucks aus – wohlgemerkt ohne den Handel innerhalb der EU mitzurechnen. Das Instrument wertet Daten aus 45 großen Volkswirtschaften über den Zeitraum von 2010 bis 2023 aus und zeigt einen klaren Trend: Handelsbedingte Emissionen wachsen schneller als die weltweiten Emissionen insgesamt. Zwischen 1995 und 2023 hat sich ihr Anteil um zehn Prozentpunkte erhöht.

China als Schlüssel zur Lösung

Der Bericht von ECF und Matière kommt zu einem bemerkenswerten Schluss: Die größten Einsparungen ließen sich nicht durch schärfere Grenzkontrollen erzielen, sondern durch engere Zusammenarbeit mit wichtigen Handelspartnern wie China, etwa über gemeinsame Produktstandards.

Das Verhältnis zwischen EU und China dreht sich dabei längst nicht mehr nur um Europas Abhängigkeit von chinesischen Solarmodulen, Batterien, Elektroautos, Maschinen oder kritischen Rohstoffen. Es geht ebenso um das CO2, das in den Lieferketten steckt und den europäischen Konsum erst möglich macht. Würden EU und China ihre Klimaanforderungen an Produkte angleichen, ließen sich laut Bericht Handelsströme beeinflussen, auf die rund sieben Prozent der weltweiten Emissionen entfallen.

„Die internationale Zusammenarbeit dürfte das größte Potenzial bieten, um handelsbedingte Emissionen zu senken“, erklärten ECF und Matière. Die EU könne ihre Handelspartner bei der Dekarbonisierung ihrer Produktion unterstützen und gemeinsam mit anderen großen Volkswirtschaften Umweltstandards festlegen.

Wie groß das Gewicht Chinas dabei ist, zeigen Zahlen der Europäischen Kommission: 2023 entfielen auf China 27,2 Prozent der weltweiten verbrauchsbedingten Treibhausgasemissionen, auf die EU dagegen nur 7,8 Prozent. Gleichzeitig ist die enorme Nachfrage der EU nach chinesischen Produkten mitverantwortlich dafür, dass das Handelsdefizit zwischen beiden Blöcken laut Kommission auf rund eine Milliarde Euro pro Tag angewachsen ist. Brüssel versucht derzeit gleich auf zwei Ebenen gegenzusteuern: Man will die eigene Nachfrage dämpfen und chinesisches Preisdumping eindämmen. Beide Themen dürften auch bei einem offiziellen Besuch in Peking im Oktober zur Sprache kommen, bei dem es um die Handelsungleichgewichte gehen soll.

Forderung: Rückverlagerung von Produktion nach Europa erleichtern

Eine klimapolitische Angleichung mit wichtigen Handelspartnern könnte laut Traded Emissions Tracker wirkungsvoller sein als eine reine Kontrolle des CO2-Gehalts einzelner Importe an der Grenze. Als Alternative schlagen die Autoren vor, EU-Gesetzgeber sollten die Rückverlagerung von Produktion nach Europa erleichtern.

Der Bericht warnt allerdings vor einem Trugschluss: Rückverlagerung ist nicht automatisch gut fürs Klima. Ist die Produktion in Europa selbst CO2-intensiv, verschiebt eine Standortverlegung die Emissionen lediglich geografisch, ohne sie tatsächlich zu senken.

Erste Schritte, aber noch keine nationalen Klimaziele

Die EU hat bereits reagiert und Instrumente geschaffen, um importierte Emissionen einzupreisen. Der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) belegt bestimmte Importe inzwischen mit einem CO2-Preis. Ab dem 30. Dezember 2027 tritt zudem das EU-Entwaldungsgesetz in Kraft: Es verbietet die Einfuhr von Rohstoffen wie Rindern, Kakao, Kaffee, Ölpalmen, Kautschuk, Soja und Holz, wenn deren Gewinnung zur Entwaldung oder Schädigung von Wäldern beigetragen hat.

„CBAM und die EU-Entwaldungsverordnung können zwar helfen, den CO2-Gehalt stärker im Handel zu berücksichtigen“, erklärten ECF und Matière, „doch für echten Fortschritt braucht es eine deutlich umfassendere Zusammenarbeit mit den Handelspartnern.“ Bislang hat noch kein Land offiziell ein eigenes Ziel zur Verringerung importierter Emissionen festgelegt. Frankreich, Dänemark und die Niederlande gehen jedoch erste Schritte in diese Richtung.