Der europäische Zuliefererverband CLEPA hat in Zusammenarbeit mit YouGov 5.221 Bürger in den fünf großen Märkten Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und Spanien, die zusammen mehr als 70 Prozent des EU-Automobilmarktes ausmachen, zum Thema Antriebstechnologien befragt.
Was die 8 Prozent bedeuten
Im Durchschnitt der fünf Märkte beabsichtigen nur 8 Prozent der Befragten, als nächstes Fahrzeug ein batterieelektrisches Fahrzeug (BEV) zu kaufen. Hybridfahrzeuge (HEV) schneiden in fast allen untersuchten Märkten weiterhin besser ab als BEVs. Die einzige Ausnahme bildet Deutschland: Hier ist die Kaufabsicht für BEVs mit 14 Prozent am höchsten, dicht gefolgt von HEVs mit 13 Prozent. Im Umfeld dieser Auswertung wird als zentrales Hemmnis für die Akzeptanz weiterhin die Infrastruktur genannt, also Ladeangebot und Alltagstauglichkeit. Zur Zurückhaltung tragen laut Umfrageergebnis aber auch die hohen Anschaffungskosten sowie die steigenden Energiekosten bei.
Solche Werte klingen wie ein Stimmungsbild für den gesamten Markt, sind aber stark davon abhängig, wie „Interesse“ abgefragt wurde. Wer „würde ich mir grundsätzlich vorstellen“ misst, bekommt typischerweise andere Größenordnungen als bei „ich kaufe als Nächstes sicher ein E‑Auto“.
Hinzu kommt der Zeitpunkt: Einstellungen reagieren schnell auf Preis- und Förderkulissen sowie persönliche Nutzungserfahrungen. Ein Prozentwert kann deshalb eher eine Momentaufnahme sein als ein belastbares Maß für die tatsächliche Kaufabsicht.
Verhalten statt Stimmung messen
Einen anderen Blick bietet das HUK E‑Barometer, weil es nicht nur fragt, sondern auch reale Fahrzeugwechsel aus Versicherungsdaten auswertet. Im 1. Quartal 2026 lag der Umstieg von Verbrenner auf batterieelektrische Autos bei 7,5 Prozent aller Fahrzeugwechsel, nach 6,3 Prozent im Vorquartal.
Der Ausschlag nach oben kam laut HUK vor allem im März 2026: 8,9 Prozent Umstiegsquote, gegenüber 5,5 Prozent im Gesamtjahr 2025. Bei unter 40‑Jährigen stieg der Wert im März auf 7,8 Prozent, nach 4,0 Prozent im Gesamtjahr 2025.
Diese Zahlen zeigen, warum ein reiner „Interesse“-Wert leicht in die Irre führen kann. Kaufinteresse, Kaufabsicht und tatsächlicher Wechsel sind drei verschiedene Größen – wie Thermometer, Wetterbericht und tatsächlich gefallener Regen.
Warum Umfragen schwanken
Im HUK‑Barometer wird die Sprungbewegung mit der neuen staatlichen Förderung verknüpft: In einer repräsentativen Online‑Befragung (YouGov, 4.114 Personen, 21.01. bis 18.02.2026) sagten 18 Prozent der Führerscheinbesitzer, die Förderung habe Auswirkungen. 11 Prozent wollten dadurch erstmals über ein reines E‑Auto nachdenken, 7 Prozent eine Anschaffung wohl vorziehen.
Besonders deutlich reagierten Zielgruppen, die als preissensibel gelten: Unter 40‑Jährige nannten zu 31 Prozent eine positive Wirkung der Förderung, Ältere zu 12 Prozent. Eltern minderjähriger Kinder lagen bei 32 Prozent, Menschen ohne minderjährige Kinder bei 14 Prozent.
Für die Einordnung heißt das: Akzeptanz und Kaufinteresse sind kein fester Block, sondern hängen an Rahmenbedingungen wie Preis, Förderung und praktischer Nutzbarkeit. Wenn eine Umfrage diese Faktoren nicht sauber abbildet, kann selbst ein scheinbar klarer Prozentwert eine falsche Botschaft senden.
Fazit