So heiß wie in diesem Sommer war es noch nie. In Westeuropa haben die Temperaturen im Juni und Juli Rekorde gebrochen – es waren die heißesten Sommermonate seit Beginn der Aufzeichnungen, wie der EU-Klimawandeldienst Copernicus am Montag in Bonn mitteilte. Bis Ende Juli kam es zur vierten Hitzewelle seit Mai dieses Jahres – das bedeute eine außergewöhnliche Serie extremer Hitze.

Die Durchschnittstemperatur für beide Monate lag bei 21,6 Grad Celsius. Damit übertraf sie den Durchschnitt von 1991 bis 2020 um knapp 2,8 Grad. Darin enthalten sind auch die nächtlichen Temperaturen. Aber es war nicht nur ungewöhnlich warm, sondern auch ungewöhnlich trocken. „Dies ist ein deutliches Beispiel dafür, wie der Klimawandel Hitzeextreme verschärft, wobei sich Hitze und Dürre zunehmend gegenseitig verstärken“, sagte die Copernicus-Vertreterin Samantha Burgess. Welche Auswirkungen das hat, zeigt sich aktuell in den verheerenden Waldbränden in Südeuropa: Seit Wochen kämpfen Einsatzkräfte gegen Großbrände in Frankreich, Spanien, Portugal oder auch in den Niederlanden. Durch anhaltende Dürren treten solche Brände häufiger und extremer auf.

In Deutschland ist die sichtbarste Folge der Hitzewellen der Wasserstand im Rhein: Der ist so niedrig, dass die Schifffahrt zweigeteilt zu werden droht. Der Rhein ist nicht der einzige Fluss mit zu wenig Wasser. In weiten Teilen Westeuropas führen die Flüsse Niedrigwasser und das hat Folgen: Die Wasserversorgung, die Ökosysteme, die Energieerzeugung leiden ebenso wie die Wirtschaft.

„Wir befinden uns ja seit einem halben Jahrhundert in einer fortschreitenden Erwärmung durch die fossile Energienutzung“, sagte Stefan Rahmstorf, Abteilungsleiter Erdsystemanalyse am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung unserer Redaktion. In Deutschland liege die langfristige Erwärmung laut Deutschem Wetterdienst bei 2,5 Grad – das sei doppelt so viel wie im globalen Durchschnitt. „Diese Erwärmung wird so weitergehen, bis die Welt klimaneutral geworden ist, also vor allem aus der fossilen Energienutzung ausgestiegen ist“, warnte Rahmstorf.

Temperaturrekorde im Meer

Nicht nur das Festland erhitzt sich, auch in den Meeren wurden Rekordtemperaturen gemessen. Die Wasseroberfläche war im Juli so heiß wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur der Ozeane, mit Ausnahme der Polarregion, lag in diesem Jahr bei 20,96 Grad. Der bisherige Rekord wurde 2023 mit 20,89 Grad gemessen. Ein Teil der Entwicklung gehe laut Copernicus auf das Wetterphänomen El Niño im äquatorialen Pazifik zurück. In den nächsten Monaten sei damit zu rechnen, dass die Meerestemperaturen weiter steigen würden. Europa hinke der marinen Hitzewelle hinterher.

Forderungen der Verbände

Durch die neuen Daten von Copernicus werden auch die Forderungen an die schwarz-rote Koalition wieder lauter. In diesem Sommer starben fast 12.000 Menschen allein in Deutschland durch die extreme Hitze. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) fordert mehr Engagement von der Bundesregierung. „Der wirksamste Hebel ist der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien“, sagte auch BUND-Vorsitzender Olaf Bandt. „Die Bundesregierung bremst genau das aktuell aus und erhöht so die Risiken für Bevölkerung und Wirtschaft.“

Der CDU-nahe Verein Klimaunion warnt ebenfalls vor den wirtschaftlichen Schäden und mahnt zu einer Klimapolitik, die den „marktwirtschaftlichen Weg“ nicht verlasse. Aktuell läuft eine Klimaklage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen das Klimaprogramm der Bundesregierung. Dieses sei nicht ausreichend, um die gesetzlich festgelegten Klimaziele zu erreichen. 2023 klagte die DUH bereits gegen das damalige Klimaprogramm der Ampelregierung — mit Erfolg, die Bundesregierung musste nachsteuern.