{"id":23875,"date":"2026-05-05T12:49:45","date_gmt":"2026-05-05T12:49:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/23875\/"},"modified":"2026-05-05T12:49:45","modified_gmt":"2026-05-05T12:49:45","slug":"mercosur-abkommen-start-der-groessten-freihandelszone-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/23875\/","title":{"rendered":"Mercosur-Abkommen: Start der gr\u00f6\u00dften Freihandelszone der Welt"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Blaue Flaggen der Europ\u00e4ischen Union vor dem Geb\u00e4ude der Europ\u00e4ischen Kommission in Br\u00fcssel. \" alt=\"Blaue Flaggen der Europ\u00e4ischen Union vor dem Geb\u00e4ude der Europ\u00e4ischen Kommission in Br\u00fcssel. \" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/eu-flaggen-110-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Nach mehr als einem Vierteljahrhundert Verhandlungen tritt das Mercosur-Abkommen vorl\u00e4ufig in Kraft. Der EuGH hat die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit noch nicht abschlie\u00dfend \u00fcberpr\u00fcft. (imago \/ imagebroker \/ Maksim Zabarovskii)<\/p>\n<p>26 Jahre hatte die Europ\u00e4ische Union (EU) mit Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay \u00fcber das sogenannte Mercosur-Abkommen verhandelt, bis sich auch der Rat der EU-L\u00e4nder zu Jahresbeginn auf das geplante Freihandelsabkommen einigen konnte. Das Abkommen soll den Handel zwischen den s\u00fcdamerikanischen L\u00e4ndern und der EU f\u00f6rdern. Die gr\u00f6\u00dfte Freihandelszone der Welt mit mehr als 700 Millionen Menschen soll am Ende entstehen.<\/p>\n<p>Zum\u00a01. Mai\u00a02026\u00a0kann das Abkommen\u00a0nun\u00a0vorl\u00e4ufig angewendet werden \u2013 so teilte es die EU-Kommission\u00a0im M\u00e4rz mit. Vorl\u00e4ufig deshalb, weil\u00a0eine Mehrheit im EU-Parlament\u00a0im Januar beschlossen hatte, den\u00a0Europ\u00e4ischen\u00a0Gerichtshof\u00a0die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit\u00a0des Vertragstextes\u00a0\u00fcberpr\u00fcfen zu lassen.\u00a0Daf\u00fcr gibt es keine Frist. Es k\u00f6nnten noch Monate vergehen.\u00a0<\/p>\n<p>Nach wie vor hat der Handelsvertrag viele Gegner und Kritiker. Neben einigen EU-Staaten warnen auch Agrar- und Umweltverb\u00e4nde vor den Folgen. <\/p>\n<p>Mit dem vorl\u00e4ufigen Inkrafttreten sinken schrittweise die Z\u00f6lle auf 90\u00a0Prozent der gehandelten G\u00fcter. Durch den Abbau von Handelsbarrieren und Z\u00f6llen soll der Austausch von Waren und Dienstleistungen angekurbelt werden.<\/p>\n<p>Die EU importiert aus S\u00fcdamerika vor allem Rohstoffe und Agrarg\u00fcter. Soja konnte bisher schon zollfrei importiert werden. Andere Lebensmittel belegte die EU mit hohen Z\u00f6llen.<\/p>\n<p>V\u00f6llig frei soll der Handel bei Agrarg\u00fctern auch nicht werden: Das Abkommen enth\u00e4lt Begrenzungen, die die europ\u00e4ische Landwirtschaft sch\u00fctzen sollen. Pro Jahr darf die EU dann nur 99.000 Tonnen Rindfleisch zu einem reduzierten Zollsatz importieren. Das entspricht rund der H\u00e4lfte der aktuellen Importmenge und nur weniger als zwei Prozent der hiesigen Produktion. Die EU-Kommission darf zudem in den Markt eingreifen, falls s\u00fcdamerikanische Exporteure den Markt mit sehr g\u00fcnstigen Preisen zu stark beeinflussen.<\/p>\n<p>Auch europ\u00e4ische Unternehmen k\u00f6nnten leichter nach S\u00fcdamerika exportieren. Welche Branchen davon profitieren k\u00f6nnen, ist von Land zu Land verschieden. In Deutschland d\u00fcrfte insbesondere die Auto- und Chemieindustrie stark profitieren.<\/p>\n<p>Im Rat der 27 EU-Staaten erhielt das Abkommen letztlich die n\u00f6tige qualifizierte Mehrheit, da Italien trotz des bestehenden Widerstandes aus Frankreich, Polen und Ungarn den Weg frei gemacht hatte. Im Dezember 2025 hatte sich Italien noch gegen das Abkommen gestemmt \u2013 begr\u00fcndet wurde das mit offenen Fragen zum Schutz der Landwirte. <\/p>\n<p>In der Zwischenzeit machte die EU-Kommission Zugest\u00e4ndnisse vor allem bei der Finanzierung der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) im kommenden EU-Haushalt: 45 Milliarden Euro sollen bereits ab dem Jahr 2028 freigegeben werden, um \u2013 wie es hei\u00dft \u2013 den Bed\u00fcrfnissen der Landwirte und der l\u00e4ndlichen Regionen gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Am 7. Januar 2026 k\u00fcndigte die Kommission zudem an, st\u00e4rker die Einhaltung von EU-Regeln bei importierten Agrarprodukten \u00fcberwachen und die Importkosten f\u00fcr D\u00fcngemittel senken zu wollen. Italien reagierte positiv auf die Ma\u00dfnahmen. Au\u00dfenminister Antonio Tajani sprach daraufhin von \u201cenormen Vorteilen\u201d des Abkommens.<\/p>\n<p>Frankreich begr\u00fcndete seinen Widerstand damit, dass Landwirte nicht ausreichend vor der billigen Konkurrenz aus den Mercosur-Staaten gesch\u00fctzt w\u00fcrden. Auch die verbesserten Schutzklauseln reichten nicht.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Zahlreiche Menschen tragen Banner, auf denen Spr\u00fcche gegen das Mercosur-Abkommen stehen\" alt=\"Zahlreiche Menschen tragen Banner, auf denen Spr\u00fcche gegen das Mercosur-Abkommen stehen\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/mercosur-protest-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Vor allem in Frankreich gibt es gro\u00dfe Proteste gegen das Mercosur-Abkommen (picture alliance \/ Hans Lucas \/ Eric Broncard)<\/p>\n<p>Die Agrar- und Lebensmittellobby ist von den Schutzmechanismen im Abkommen bisher nicht \u00fcberzeugt. Die Generalsekret\u00e4rin des Deutschen Bauernverbandes, Stefanie Sabet, sagt auch angesichts der weiteren Zugest\u00e4ndnisse seitens der EU an die Bauern, es m\u00fcsse auf EU-Ebene noch einmal \u00fcber strengere Schutzmechanismen und Kontrollen gesprochen werden. Der Verband h\u00e4lt den Wettbewerb mit der s\u00fcdamerikanischen Landwirtschaft f\u00fcr unfair, weil dort wegen der niedrigeren Standards g\u00fcnstiger produziert werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Auch Greenpeace kritisiert, dass in der s\u00fcdamerikanischen Landwirtschaft in vielen Punkten weniger strenge Standards f\u00fcr Umwelt, Klima und Tierwohl gelten als in der EU. Zum Beispiel kommen in der Tierhaltung teils Wachstumshormone oder routinem\u00e4\u00dfige Antibiotikagaben zum Einsatz. Und mancherorts wird per Flugzeug Pflanzenschutzmittel \u00fcber Tausende Hektar gro\u00dfe Felder verspr\u00fcht. <\/p>\n<p>Das Abkommen f\u00f6rdere solche umweltsch\u00e4dlichen Praktiken, sagt Harald Gro\u00df, Experte f\u00fcr Waldschutz bei Greenpeace und ein entschiedener Gegner des Abkommens:<\/p>\n<p>\u201cDas sind insbesondere Pestizide, die zum Beispiel von Bayer oder BASF hergestellt werden, die aber in der EU gar nicht mehr zugelassen sind. Und wir f\u00f6rdern jetzt den Export von diesen Produkten in die Mercosur-Staaten. Dort werden die dann sehr intensiv in der Landwirtschaft eingesetzt. F\u00fcr die Landwirtschaft werden noch mal zus\u00e4tzliche Fl\u00e4chen an Regenwald oder subtropischen W\u00e4ldern abgeholzt. Und diese Agrarprodukte landen dann wieder bei uns auf dem Teller und somit landet das Gift, das wir produzieren, am Ende auch wieder hier auf den Tellern.\u201d<\/p>\n<p>Die EU-Kommission verspricht sich von dem Abkommen eine Steigerung der Exporte in die Mercosur-Staaten von ann\u00e4hernd 40 Prozent. Bef\u00fcrworter betrachten das Mercosur-Abkommen als ein bedeutendes geopolitisches Zeichen, als eine Antwort auf den globalen Handelskonflikt. <\/p>\n<p>Es gehe l\u00e4ngst nicht nur um einen Handel von Autos und Agrarg\u00fctern, betont der\u00a0Handelsexperte Gabriel Felbermayr. Die s\u00fcdamerikanischen L\u00e4nder verf\u00fcgten \u00fcber kritische Rohstoffe, die Europa dringend brauche, auch um sich unabh\u00e4ngiger von China zu machen.<\/p>\n<p>Sebastian Hess h\u00e4lt die Sorgen von Agrar- und Umweltverb\u00e4nden f\u00fcr \u00fcberzogen. Er ist Agrar\u00f6konom und Experte f\u00fcr Agrarhandel an der Universit\u00e4t Hohenheim und betont die Vorteile f\u00fcr Verbraucher:\u00a0<\/p>\n<p>\u201cEs kann ja auch f\u00fcr unsere Verbraucher, muss man bedenken, ja sinnvoll sein, wenn bestimmte Produkte kosteng\u00fcnstig importiert werden k\u00f6nnen, sobald die heimische Produktion gar nicht die Nachfrage bedienen kann.\u201d<\/p>\n<p>Durch die verhandelten Mengenquoten sei sichergestellt, dass der europ\u00e4ische Markt zumindest nicht \u00fcberschwemmt werde. Bei der Produktion von Wein und Milchprodukten h\u00e4tten die europ\u00e4ischen Landwirte zudem die Nase vorn und k\u00f6nnten von den neuen Exportm\u00f6glichkeiten profitieren.<\/p>\n<p>\u00dcber das Abkommen k\u00f6nne die EU zudem als sehr gro\u00dfer Markt immerhin ein St\u00fcck weit auch Einfluss auf die Umweltvertr\u00e4glichkeit in den Mercosur-Staaten nehmen. Wenn die EU keine Handelsabkommen abschlie\u00dft, so das Argument, dann treten andere Staaten an ihre Stelle, und die legen vermutlich weniger Wert auf Umweltschutz. China ist schon heute der wichtigste Abnehmer f\u00fcr s\u00fcdamerikanische Agrarprodukte. Und die chinesische Nachfrage w\u00e4chst.<\/p>\n<p>pto \/ ema \/ bth \/ abr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach mehr als einem Vierteljahrhundert Verhandlungen tritt das Mercosur-Abkommen vorl\u00e4ufig in Kraft. 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