{"id":28503,"date":"2026-05-11T10:38:13","date_gmt":"2026-05-11T10:38:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/28503\/"},"modified":"2026-05-11T10:38:13","modified_gmt":"2026-05-11T10:38:13","slug":"boykottaufruf-beim-esc-in-wien-offener-brief-fordert-israels-ausschluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/28503\/","title":{"rendered":"Boykottaufruf beim ESC in Wien: Offener Brief fordert Israels Ausschluss"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/esc-282.webp\" alt=\"Der S\u00e4nger Noam Bettan in einer Gruppe mit Menschen und l\u00e4chelt. Eine Frau schwenkt eine Israel-Fahne. \" title=\"Der S\u00e4nger Noam Bettan in einer Gruppe mit Menschen und l\u00e4chelt. Eine Frau schwenkt eine Israel-Fahne.  | Martin Meissner\/AP\/dpa +++ dpa-Bildfunk +++\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: ESC-Boykottaufruf gegen Israel: Was Antisemitismusforscher sagen (4 Min)<\/p>\n<p>\n                Stand: 11.05.2026 12:22 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Der 70. Eurovision Song Contest in Wien wird von Boykottaufrufen gegen Israel \u00fcberschattet. F\u00fcnf L\u00e4nder zogen sich zur\u00fcck, \u00fcber 1.100 K\u00fcnstler fordern Israels Ausschluss &#8211; doch Antisemitismusforscher sehen darin ein problematisches Muster. <\/p>\n<p class=\"textauthor\">von <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/jonas-kuehlberg,kuehlberg100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jonas K\u00fchlberg<\/a>, Jonas K\u00fchlberg <\/p>\n<p class=\"\">Mehr als 1.100 Musikerinnen und Musiker haben einen offenen Brief der Kampagne &#8222;No Music For Genocide&#8220; unterzeichnet. Darunter nicht nur K\u00fcnstler wie Pink-Floyd-Mitgr\u00fcnder Roger Waters oder der US-Rapper Macklemore, denen selbst Antisemitismus vorgeworfen wird, sondern auch britische Bands wie Massive Attack und Hot Chip, die isl\u00e4ndische Rockband Sigur R\u00f3s oder Ex-Genesis-Frontmann Peter Gabriel. Sie fordern den Ausschluss des israelischen \u00f6ffentlich-rechtlichen Senders KAN vom ESC.<\/p>\n<p>    Boykott-Kampagne: &#8222;Massaker vom 7. Oktober kein Thema&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">In dem Aufruf hei\u00dft es, man erlebe zum dritten Mal in Folge, wie Israel beim ESC auf der B\u00fchne gefeiert werde, obwohl es &#8222;seinen V\u00f6lkermord in Gaza&#8220; fortsetze. Gleichzeitig bliebe Russland wegen seines Angriffskriegs weiterhin ausgeschlossen. Die Unterzeichner werfen der Europ\u00e4ischen Rundfunkunion &#8222;Doppelstandards&#8220; vor.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/esc-logo-2026-100.webp\" alt=\"Das Logo zum Eurovision Song Contest (ESC) - Vienna 2026\" title=\"Das Logo zum Eurovision Song Contest (ESC) - Vienna 2026 | dpa\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Europ\u00e4ischer Musikwettbewerb<\/p>\n<p>Israel darf im kommenden Jahr am Eurovision Song Contest in Wien teilnehmen, wie die Europ\u00e4ische Rundfunkunion mitteilte. Als Reaktion sagten mehrere L\u00e4nder prompt ihre Teilnahme ab &#8211; darunter Spanien und die Niederlande.<\/p>\n<p class=\"\">Kritik an Israel und auch am ESC sei legitim &#8211; doch Boykottaufrufe gegen Israel sehen Antisemitismusforscher kritisch. &#8222;Israel wird als \u00fcberm\u00e4chtiger Aggressor dargestellt&#8220;, sagt Niklas Herrberg von der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften. &#8222;Der reale Anlass, also das Massaker vom 7. Oktober, das zum Krieg gef\u00fchrt hat, ist dabei kein Thema. Vielmehr wird Israel von vornherein als der eigentlich Schuldige ausgemacht, den man jetzt legitimerweise boykottieren kann.&#8220;<\/p>\n<p>    Terror-\u00dcberlebende Yuval Raphael: Ausgebuht und ausgepfiffen<\/p>\n<p class=\"\">Was das konkret f\u00fcr israelische K\u00fcnstler bedeutet, zeigen die letzten ESC-Jahre. 2024 in Malm\u00f6 bekam die israelische S\u00e4ngerin Eden Golan Morddrohungen. Im vergangenen Jahr in Basel nahm Yuval Raphael teil. Sie ist eine \u00dcberlebende des Terrorangriffs der Hamas am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen ermordet und mehr als 250 als Geiseln nach Gaza verschleppt wurden. Doch w\u00e4hrend ihrer Proben auf dem ESC wurde Raphael ausgebuht und ausgepfiffen. Am Ende kam sie auf den zweiten Platz.<\/p>\n<p class=\"\">Warum gibt es so viel Polarisierung gegen Israel, gerade beim ESC? Damit besch\u00e4ftigt sich auch die Politikwissenschaftlerin Maria Kanitz. Sie analysiert antisemitische Ideologien im Musik- und Kulturbetrieb und sagt zu dem Auftritt von Yuval Raphael: &#8222;Es wurde Israel Vereinnahmung vorgeworfen, da eine \u00dcberlebende des Nova-Festival-Massakers ins Rennen geschickt wurde.&#8220; Dabei w\u00fcrde unterstellt, dass Israel eine K\u00fcnstlerin beim ESC eingeschleust habe nur mit dem Ziel, durch Emotionalisierung die \u00f6ffentliche Meinung zu beeinflussen. &#8222;Dabei hat Raphael in einem Auswahlverfahren gewonnen, also in einem Casting.&#8220;<\/p>\n<p>    &#8222;Es wird mit zweierlei Ma\u00df gemessen, sobald es um Juden geht&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">2022, nach dem russischen \u00dcberfall, gewann die Ukraine dank Publikumsvoting. Das wurde als Zeichen der Solidarit\u00e4t gewertet. 2025, nach dem zweiten Platz f\u00fcr Yuval Raphael, gab es Vorw\u00fcrfe, Israel habe die Zuschauerabstimmung manipuliert &#8211; was dementiert wurde. Politikwissenschaftlerin Kanitz findet: &#8222;Bereits an dem Beispiel kann man sehen, dass da mit zweierlei Ma\u00df gemessen wird, sobald es um Juden geht.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Dieses Jahr tritt der 27-j\u00e4hrige K\u00fcnstler Noam Bettan f\u00fcr Israel an. Auch diesmal werden antisemitische \u00dcbergriffe bef\u00fcrchtet. Seine Hoteladresse in Wien wird geheim gehalten; er steht unter Personenschutz.<\/p>\n<p>    &#8222;Man zwingt K\u00fcnstler, sich \u00f6ffentlich gegen Israel zu positionieren&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Wie aber l\u00e4sst sich erkl\u00e4ren, dass nun auch noch 1.100 K\u00fcnstler einen Boykottaufruf gegen Israel unterzeichnen? Antisemitismusforscher Herrberg sieht darin ein wiederkehrendes Muster: Auf K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler werde massiver Druck ausge\u00fcbt, sich gegen Israel zu positionieren: &#8222;K\u00fcnstler*innen wird ein Bekenntniszwang auferlegt. Man zwingt sie, sich \u00f6ffentlich gegen Israel zu positionieren. Andernfalls werden Konsequenzen angedroht. Das ist eine wiederkehrende Figur, die sich durchzieht.&#8220;<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/deichbrand-152.webp\" alt=\"Der US-Rapper Macklemore bei seinem Auftritt beim Deichbrand-Festival in Cuxhaven.\" title=\"Der US-Rapper Macklemore bei seinem Auftritt beim Deichbrand-Festival in Cuxhaven. | Sina Schuldt\/dpa \" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Bei seinem Auftritt warf der US-Rapper Israel erneut V\u00f6lkermord vor. Kritik kam vom nieders\u00e4chsischen Antisemitismus-Beauftragten Wegner.<\/p>\n<p class=\"\">Sein Kollege, der Musikwissenschaftler Elias Berner von der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften, beobachtet: Die Komplexit\u00e4t des Konflikts spiele in den Boykottaufrufen der Kampagne &#8222;No Music For Genocide&#8220; keine Rolle: &#8222;Dieses Weglassen von Informationen oder das schnelle Verwenden von Begriffen wie &#8218;Genozid&#8216;, ohne in die Detailtiefe des Konflikts zu gehen, ist eine wunderbare Projektionsfl\u00e4che. Man verbessert das Weltgeschehen, indem man Israel boykottiert.&#8220;<\/p>\n<p>    Berechtigte Kritik an israelischer Regierung oder Antisemitismus?<\/p>\n<p class=\"\">Doch wo genau verl\u00e4uft die Grenze zwischen berechtigter Kritik an der israelischen Regierung und Antisemitismus beim ESC? F\u00fcr Maria Kanitz liegen die Dinge klar: &#8222;Nat\u00fcrlich darf man die israelische Politik kritisieren. Das darf man auch bei s\u00e4mtlichen anderen Staaten machen. Problematisch wird es eben nur, wenn bestimmte Dinge vorgeworfen werden, wie dass Israel ein &#8218;Apartheidsstaat&#8216; sei. Und ob da ein Genozid stattgefunden hat oder nicht, das entscheiden Gerichtsh\u00f6fe.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Denn am Ende stellt sich die Frage, wem diese Boykotte eigentlich n\u00fctzen. Niklas Herrberg meint: &#8222;Es w\u00e4re schon viel getan, wenn Empathie und Solidarit\u00e4t nicht gruppenexklusiv gedacht wird. Wenn pro-pal\u00e4stinensisch sein nur noch hei\u00dft, anti-israelisch zu sein, dann ist keinem geholfen.&#8220;<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/irving-124.webp\" alt=\"Irving Wolther vom ESC-Team l\u00e4chelt in die Kamera.\" title=\"Irving Wolther vom ESC-Team l\u00e4chelt in die Kamera. | NDR, Claudia Timmann\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>ESC-Experte Irving Wolther sieht trotz des Boykotts mehrerer L\u00e4nder keine Krise beim Eurovision Song Contest.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/oesterreich-518.webp\" alt=\"Cosm\u00f3, \u00d6sterreichs ESC-Kandidat 2026\" title=\"Cosm\u00f3, \u00d6sterreichs ESC-Kandidat 2026 | EBU\/ORF\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>In ESC Update geht es um Songs, die dieses Jahr geliebt und gehasst werden k\u00f6nnen. Welcher polarisiert am meisten?<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/israel-1296.webp\" alt=\"Yuval Raphael aus Israel auf dem t\u00fcrkisen Teppich in Basel\" title=\"Yuval Raphael aus Israel auf dem t\u00fcrkisen Teppich in Basel | eurovision.tv, Alma Bengtsson\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Israel darf 2026 beim ESC starten. Wie angek\u00fcndigt boykottieren Spanien, Slowenien, Irland und die Niederlande die Show.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/sonar-100.webp\" alt=\"Bei einem Konzert h\u00e4lt eine Person im Publikum ihr Smartphone in die Luft\" title=\"Bei einem Konzert h\u00e4lt eine Person im Publikum ihr Smartphone in die Luft | picture alliance \/ Sipa USA | Davide Bonaldo\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Wie politisch oder unpolitisch sollen, d\u00fcrfen oder m\u00fcssen Musikerinnen und Musiker sein? Journalist Christoph Benkeser ordnet ein.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/club-104.webp\" alt=\"Menschen tanzen unter grellen Lichtkegeln\" title=\"Menschen tanzen unter grellen Lichtkegeln | picture alliance\/dpa | Sophia Kembowski\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Betroffen sind auch viele lokale Musikclubs. Vor allem \u00fcber Social Media w\u00e4chst der Druck und damit die Verunsicherung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: ESC-Boykottaufruf gegen Israel: Was Antisemitismusforscher sagen (4 Min) Stand: 11.05.2026 12:22 Uhr Der 70. 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