{"id":31037,"date":"2026-05-13T14:41:10","date_gmt":"2026-05-13T14:41:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/31037\/"},"modified":"2026-05-13T14:41:10","modified_gmt":"2026-05-13T14:41:10","slug":"digitale-souveraenitaet-verfassungsschutz-kauft-europaeische-palantir-alternative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/31037\/","title":{"rendered":"Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t: Verfassungsschutz kauft europ\u00e4ische Palantir-Alternative"},"content":{"rendered":"<p>Der deutsche Inlandsgeheimdienst macht Ernst beim Thema digitale Souver\u00e4nit\u00e4t: Das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV) hat eine neue Software zur Analyse gro\u00dfer Datenmengen erworben. Nach Informationen von WDR, NDR und S\u00fcddeutscher Zeitung fiel die Wahl dabei nicht auf den <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Palantir-Mitgruender-Wir-arbeiten-mit-fast-jeder-Demokratie-im-Westen-4313226.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">umstrittenen US-Marktf\u00fchrer Palantir<\/a>, der seit Jahren massiv in den deutschen Sicherheitsmarkt dr\u00e4ngt. Vielmehr habe das franz\u00f6sische Unternehmen ChapsVision den Zuschlag erhalten.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Damit will die Bonner Beh\u00f6rde <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/ndr-wdr\/verfassungsschutz-palantir-100.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">laut den Berichten<\/a> gezielt ein Zeichen gegen die technologische Abh\u00e4ngigkeit von US-Anbietern setzen, die vielen Sicherheitsbeh\u00f6rden zunehmend \u00fcbel aufst\u00f6\u00dft. BfV-Pr\u00e4sident Sinan Selen <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Verfassungsschutzpraesident-Selen-will-EU-Alternativen-zu-Palantir-11107523.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">deutete diesen Kurs bereits Ende 2025 auf einer internen Konferenz in Berlin an<\/a>. Er hob damals hervor, f\u00fcr die Sicherheit sei entscheidend, geostrategisch richtige Entscheidungen zu treffen und den europ\u00e4ischen Fokus zu sch\u00e4rfen. Es gelte, die Souver\u00e4nit\u00e4t zu st\u00e4rken und Alternativen zu bieten, statt sich in langfristige Abh\u00e4ngigkeiten zu begeben.<\/p>\n<p>Mit dem Kauf des Produkts der Firma ChapsVision, die dem Tech-Unternehmer Olivier Dellenbach geh\u00f6rt, setzt das Amt diese Ank\u00fcndigung nun in die Praxis um.<\/p>\n<p>Franz\u00f6sische KI statt US-Import<\/p>\n<p>Die auserw\u00e4hlte Softwarel\u00f6sung <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/Palantir-unter-Druck-Europaeische-Alternativen-ruecken-in-den-Fokus-10646490.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">tr\u00e4gt den Namen ArgonOS und arbeitet mit K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI<\/a>). Sie ist darauf spezialisiert, riesige Datenmengen zu durchforsten, Informationen aus unterschiedlichen Datenbanken miteinander in Beziehung zu setzen und komplexe Netzwerke sichtbar zu machen.<\/p>\n<p>Neben der klassischen Datenbankanalyse beherrscht das System auch die Recherche in offen zug\u00e4nglichen Quellen alias Open Source Intelligence (OSINT). In Frankreich wird die Software bereits erfolgreich vom dortigen Inlandsgeheimdienst DGSI eingesetzt. F\u00fcr den deutschen Markt kooperiert ChapsVision mit dem IT-Dienstleister Rola Security Solutions, der auch <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Bundesregierung-IT-Grossprojekt-Polizei-2020-kommt-langsam-aber-stetig-voran-10000320.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in den Polizeilichen Informations- und Analyseverbunds (PIAV<\/a>) eingebunden ist.<\/p>\n<p>Aus Kreisen des Verfassungsschutzes hei\u00dft es der Recherche zufolge, dass die Phase des Machbarkeitsnachweises schon erfolgreich abgeschlossen worden sei. Die Software gelte als einsatzbereit und solle vor allem in der Terrorismusbek\u00e4mpfung und der Spionageabwehr wertvolle Dienste leisten. Derzeit werde das System allerdings noch in einem rechtlich eng begrenzten Rahmen genutzt, da die volle Aussch\u00f6pfung der Analysefunktionen auch von der geplanten Reform des Nachrichtendienstrechts abh\u00e4nge. Das Bundesinnenministerium (BMI) arbeitet seit geraumer Zeit an einer Novelle, die dem BfV erweiterte Kompetenzen bei der Nutzung von KI und Gesichtserkennung einr\u00e4umen soll.<\/p>\n<p>Politischer Richtungsstreit im Innenbereich<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die Entscheidung des BfV sorgt f\u00fcr politischen Z\u00fcndstoff: Sie legt den Riss innerhalb der Bundesregierung in der Palantir-Frage offen. Die Sicherheitsbeh\u00f6rden selbst und weite Teile der schwarz-roten Koalition dr\u00e4ngen auf europ\u00e4ische L\u00f6sungen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Dobrindt-prueft-Einsatz-von-US-Sicherheitssoftware-10504501.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">h\u00e4lt die T\u00fcr f\u00fcr den US-Anbieter aber weiter offen<\/a>. Kritik kommt hier vor allem von den Gr\u00fcnen im Bundestag. Fraktionsvize Konstantin von Notz <a href=\"https:\/\/gruen-digital.de\/2026\/05\/nach-absage-von-nachrichtendiensten-und-sicherheitsbehoerden-dobrindt-in-sachen-palantir-allein-auf-weiter-flur\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">h\u00e4lt es f\u00fcr sicherheitspolitisch blau\u00e4ugig<\/a>, sich von einem Unternehmen wie Palantir abh\u00e4ngig zu machen: Dessen Gr\u00fcnder Peter Thiel sei durch demokratiekritische Aussagen und seine N\u00e4he zur Trump-Administration aufgefallen.<\/p>\n<p>Auch innerhalb der Sicherheitsarchitektur w\u00e4chst der Widerstand gegen US-Software. Neben dem BfV haben sich zuletzt auch das Bundeskriminalamt und Teile der Bundeswehr skeptisch gegen\u00fcber Palantir ge\u00e4u\u00dfert. Sie sorgen sich, dass sensible Daten abflie\u00dfen und die Kontrolle \u00fcber die kritische Infrastruktur verloren gehe. <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Trotz-Bedenken-Bayern-testet-Palantir-Software-mit-echten-Personendaten-9545037.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bayern und Hessen setzen weiter auf Palantir<\/a>. In anderen Bundesl\u00e4ndern zeichnet sich ein Umdenken ab: Baden-W\u00fcrttemberg diskutiert offen den Ausstieg, auch in Nordrhein-Westfalen steht die Zusammenarbeit auf dem Pr\u00fcfstand.<\/p>\n<p>Bef\u00fcrworter europ\u00e4ischer Alternativen wie der SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler sehen in der Entscheidung des BfV einen Meilenstein f\u00fcr die nationale Sicherheitsstrategie. Leistungsf\u00e4hige Analysewerkzeuge seien unabdingbar, d\u00fcrften aber nicht die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t gef\u00e4hrden. Die erfolgreiche Implementierung der franz\u00f6sischen Software beim Verfassungsschutz k\u00f6nnte so als Blaupause dienen und den Druck aufs BMI erh\u00f6hen, eine klare, europaorientierte Beschaffungsstrategie festzulegen.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:mki@heise.de\" title=\"Malte Kirchner\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mki<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen \u2013 ohne Verpflichtung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der deutsche Inlandsgeheimdienst macht Ernst beim Thema digitale Souver\u00e4nit\u00e4t: Das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV) hat eine neue Software&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31038,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[125,804,13,14,127,210,2173,5134,13393],"class_list":{"0":"post-31037","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-europa","8":"tag-datenschutz","9":"tag-digitale-souveraenitaet","10":"tag-europaeisch","11":"tag-europaeische","12":"tag-it","13":"tag-kuenstliche-intelligenz","14":"tag-palantir","15":"tag-software","16":"tag-verfassungsschutz"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31037","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31037"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31037\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31038"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31037"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31037"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31037"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}