{"id":31736,"date":"2026-05-14T12:40:37","date_gmt":"2026-05-14T12:40:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/31736\/"},"modified":"2026-05-14T12:40:37","modified_gmt":"2026-05-14T12:40:37","slug":"libyen-sea-watch-kritisiert-scharf-die-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/31736\/","title":{"rendered":"Libyen \u2013 Sea-Watch kritisiert scharf die EU"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img321608\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/321608.jpeg\" alt=\"Seenotretter der Hilfsorganisation Sea-Watch im Einsatz\"\/><\/p>\n<p>Seenotretter der Hilfsorganisation Sea-Watch im Einsatz<\/p>\n<p>Foto: AFP<\/p>\n<p>Die deutsche Seenotrettungsorganisation Sea-Watch hat scharfe Kritik an der Europ\u00e4ischen Union (EU) ge\u00fcbt, nachdem eines ihrer Schiffe, die Sea-Watch 5, am Montag unter Beschuss der libyschen K\u00fcstenwache geraten und verfolgt worden war. Im Zentrum der Kritik steht nicht zum ersten Mal die umfassende Zusammenarbeit mit der libyschen K\u00fcstenwache, die f\u00fcr ihre menschenverachtende Behandlung von Migranten ber\u00fcchtigt ist. \u00bbDie EU arbeitet seit Jahren intensiv mit Akteuren in Libyen zusammen, denen schwerste Verbrechen gegen Schutzsuchende vorgeworfen werden, stattet sie aus und erm\u00f6glicht ihre Eins\u00e4tze auf See\u00ab, sagte Sea-Watch-Sprecherin Julia Winkler.<\/p>\n<p>Eine Sprecherin der EU-Kommission stellte am Dienstag in einer Pressekonferenz fest, dass man in Br\u00fcssel \u00fcber diesen \u00bb\u00e4u\u00dferst bedauerlichen Vorfall\u00ab informiert sei. Aber, schob sie hinterher, \u00bbwir wissen nicht genau, wie viele F\u00e4lle verhindert werden konnten, gerade weil wir in dieser Angelegenheit kontinuierlich <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198791.migrationsabwehr-libyen-foltert-die-eu-zahlt-n-und-schaltet-auf-geheimhaltung.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mit den libyschen Beh\u00f6rden zusammengearbeitet<\/a> haben\u00ab.<\/p>\n<p>Diese Darstellung des Beschusses ist f\u00fcr Sea-Watch schlicht \u00bbgrotesk\u00ab, wie es in einer Pressemitteilung hei\u00dft. \u00bbZu behaupten, genau diese Kooperation verhindere Gewalt, ist eine absurde Verdrehung der Realit\u00e4t und an Zynismus kaum zu \u00fcberbieten\u00ab, kritisiert Winkler. Und widerspreche auch den \u00fcber Jahre von internationalen Organisationen wie der Uno dokumentierten schweren Menschenrechtsverletzungen \u00bbdurch libysche Milizen und mit ihnen verflochtene K\u00fcstenwache-Einheiten\u00ab, so die Pressemitteilung.<\/p>\n<p>Die durch Sea-Watch vorgenommene Rekonstruktion des Vorfalls ist an sich schon dramatisch: Die Besatzung der Sea-Watch 5 retten in internationalen Gew\u00e4ssern Menschen aus Seenot und werden beschossen und bedroht, nach Angaben von Sea-Watch von libyschen Milizen. \u00bbUnsere Sea-Watch\u20055 wird von der EU-finanzierten sogenannten libyschen K\u00fcstenwache beschossen. Unsere Crew hat gerade die Rettung von 90\u2005Menschen abgeschlossen, doch libysche Milizen verfolgen uns weiterhin. Sie haben die Absicht bekundet, uns nach Libyen zu entf\u00fchren\u00ab, lie\u00dfen die Seenotretter auf der Plattform\u2005X verlauten.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber \u00bbnd\u00ab schilderte Sea-Watch-Sprecherin Winkler den Vorfall so: \u00bbDer Angriff begann am Montag, dem 11.\u2005Mai, gegen 11\u2005Uhr, unmittelbar nachdem die Besatzung der Sea-Watch\u20055 90\u2005Menschen aus Seenot gerettet hatte. Die Miliz n\u00e4herte sich daraufhin dem Rettungsschiff und feuerte schlie\u00dflich mit scharfer Munition. Zun\u00e4chst fiel ein einzelner Schuss, dann folgte eine Salve von 10\u2005bis 15\u2005Sch\u00fcssen.\u00ab<\/p>\n<p>Die Angreifer h\u00e4tten sich laut Pressemitteilung als \u00bblibysche K\u00fcstenwache\u00ab identifiziert und seien von einem Schiff begleitet worden, \u00bbdas Italien im Juni 2023 im Rahmen der EU-Libyen-Kooperation SIBMMIL an die sogenannte libysche K\u00fcstenwache \u00fcbergeben hatte\u00ab. Im Tagesverlauf sei die Sea-Watch 5 noch von einem weiteren, von Italien an Libyen \u00fcbergebenen Schiff verfolgt worden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1199508.seenotrettung-bundesregierung-erweitert-gefahrensstufe-fuer-libysche-gewaesser.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hilfe durch Deutschland<\/a> oder Italien sei ausgeblieben, trotz der abgesetzten Notrufe. Auch die EU-Marineoperation EUNAVFOR MED Irini habe keinen Finger ger\u00fchrt. Vor rund zw\u00f6lf Jahren wurde die staatliche Seenotrettung im Mittelmeer eingestellt. Inzwischen ist die Sea-Watch 5 auf dem Weg in den <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1199365.repression-im-mittelmeer-drei-deutsche-rettungsschiffe-im-april-in-italien-blockiert.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">italienischen Hafen Brindisi<\/a>, zugewiesen von den italienischen Beh\u00f6rden; das bedeutet vier Seetage, obwohl zum Beispiel H\u00e4fen auf Sizilien n\u00e4her gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die italienische Opposition greift die Regierung von Giorgia Meloni f\u00fcr ihre menschenverachtende Fl\u00fcchtlingspolitik an: Die Regierung d\u00fcrfe sich nicht weigern einzugreifen, berichtet die italienische Tageszeitung \u00bbIl Manifesto\u00ab. \u00bbDas Mittelmeer wird immer mehr zu einem Friedhof, auf dem kriminelle Banden ungest\u00f6rt agieren, um die Rettung von Menschenleben zu verhindern. Die Abkommen mit Tripolis m\u00fcssen zerrissen werden, und wir brauchen ein neues europ\u00e4isches \u203aMare Nostrum\u2039, erkl\u00e4rte demnach der Abgeordnete der sozialdemokratischen Partei PD, Matteo Orfini, und meinte damit die <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198784.osterappell-zur-seenotrettung-abgeordnete-fordern-erneut-eu-seenotrettung.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">staatliche Seenotrettungsaktion<\/a> Italiens, die vor Jahren aufgegeben worden war.<\/p>\n<p>Die Linke-Abgeordnete Clara B\u00fcnger sieht die Bundesregierung in der Pflicht: \u00abDie Meldungen \u00fcber den Beschuss des deutschen Rettungsschiffes \u203aSea-Watch\u20055\u2039 durch die sogenannte libysche K\u00fcstenwache sind erschreckend. Das Schiff f\u00e4hrt unter deutscher Flagge, damit ist die Bundesregierung in der Verantwortung. Wer Seenotretter*innen diskreditiert und gleichzeitig diese libyschen Handlanger ausr\u00fcstet, tr\u00e4gt die volle politische Mitverantwortung f\u00fcr jeden einzelnen Schuss auf deutsche Schiffe. Deutschland ist v\u00f6lkerrechtlich verpflichtet, die Sicherheit von Schiff und Besatzung zu gew\u00e4hrleisten, und muss diplomatisch intervenieren sowie auf einer l\u00fcckenlosen Aufkl\u00e4rung bestehen.\u00bb<\/p>\n<p>Seit Beginn des Jahres wurden laut der Internationalen Organisation f\u00fcr Migration (IOM) bereits mehr als 1200 Tote oder Vermisste bei Versuchen, das Mittelmeer zu \u00fcberqueren, gemeldet. Mit Blick auf den Jahresanfang war es laut IOM in diesem Jahr die h\u00f6chste Opferzahl seit 2014. In dem Zeitraum wurden \u2013 bei vermutlich hoher Dunkelziffer \u2013 insgesamt mehr als 34\u2009800 Tote und Vermisste im Mittelmeer gemeldet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seenotretter der Hilfsorganisation Sea-Watch im Einsatz Foto: AFP Die deutsche Seenotrettungsorganisation Sea-Watch hat scharfe Kritik an der Europ\u00e4ischen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31737,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[21,22,3655],"class_list":{"0":"post-31736","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-eu","9":"tag-europaeische-union","10":"tag-libyen"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31736","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31736"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31736\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31737"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}