{"id":34059,"date":"2026-05-17T09:38:16","date_gmt":"2026-05-17T09:38:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/34059\/"},"modified":"2026-05-17T09:38:16","modified_gmt":"2026-05-17T09:38:16","slug":"esc-was-das-voting-fuer-israel-ueber-die-zuschauer-verraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/34059\/","title":{"rendered":"ESC: Was das Voting f\u00fcr Israel \u00fcber die Zuschauer verr\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Dass das Platz zwei werden sollte, wusste Noam Bettan zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Gerade hatte er am Samstagabend in der Wiener Stadthalle sein Lied \u00bbMichelle\u00ab zu Ende gesungen, da bedankte er sich \u00fcbergl\u00fccklich beim Publikum des 70. European Song Contest (ESC): \u00bbThank you, toda raba\u00ab, Englisch und Hebr\u00e4isch.\u00a0<\/p>\n<p>Bettan konnte ja nicht ahnen, dass besser als er nur die nach ihm auftretende S\u00e4ngerin Dara aus Bulgarien gewertet werden sollte, die mit \u00bbBangaranga\u00ab abr\u00e4umte. Dara \u00fcberzeugte sowohl die nationalen Jurys, deren Urteil 50 Prozent ausmachen, als auch das Publikum, das sich online beteiligte.<\/p>\n<p>Israel und Noam Bettan profitierten vor allem von der Zuschauerwahl. Nach dem Voting der Jury war es &#8211; nur oder immerhin &#8211; auf Platz acht gelandet. Als jedoch die Menschen vor den Fernsehern in ganz Europa und dar\u00fcber hinaus befragt wurden, rutschte Israels ESC-Beitrag deutlich nach oben. Auch die deutschen Zuschauer w\u00e4hlten Noam Bettan mit zw\u00f6lf Punkten an die Spitze.\u00a0<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Thema vor dem ESC war Israels Teilnahme gewesen. F\u00fcnf L\u00e4nder hatten sogar boykottiert, weil das Land teilnahm, und es wurden viele Proteste angek\u00fcndigt. Noch mehr, gerade in der Halle, wurden bef\u00fcrchtet. Als das Zuschauervoting im Saal in Wien verk\u00fcndet wurde, war etwas zu h\u00f6ren, das bislang kaum da war: Pfiffe und Buhrufe gegen Noam Bettan.<\/p>\n<p class=\"u-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<p>Zwei Gr\u00fcnde kann es daf\u00fcr geben, so recht war es nicht zu ermitteln: M\u00f6glich, dass die Pfiffe sich an der Boykottbewegung orientierten, die Israels Auftritt mit Hinweis auf Gazakrieg und das milit\u00e4rische Vorgehen im S\u00fcdlibanon ablehnen. M\u00f6glich auch, dass der Unmut sich auf eine Recherche der \u00bbNew York Times\u00ab bezog, die vor wenigen Tagen berichtet hatte, die Regierung in Jerusalem habe massiv ins Online-Voting investiert.<\/p>\n<p>Mit Noam Bettan jedenfalls hatte das alles wenig bis eigentlich gar nichts zu tun. \u00bbMichelle\u00ab war eine Ballade, die bei den versammelten Fans in der Halle recht gut und im Fernsehen sehr gut ankam. Wie demokratisch sauber aber diese Online-Abstimmung war, wei\u00df aktuell niemand. Auch wenn man bereit ist, der \u00bbNew York Times\u00ab zu glauben, w\u00fcsste man doch gerne, wieviel andere Regierungen investiert haben. Schlie\u00dflich ist der ESC sehr wichtig f\u00fcr das Image eines Landes. Bulgarien wird\u2019s merken.<br \/>Noam Bettan, der 28-j\u00e4hrige S\u00e4nger, dr\u00fcckte unmittelbar nach seinem Auftritt sympathisch souver\u00e4n aus, wie selbstverst\u00e4ndlich es doch eigentlich sein sollte, dass einer wie er beim ESC singt. Er tat dies mit L\u00e4cheln und L\u00e4ssigkeit.<\/p>\n<p>Die Jurys waren nicht ganz so enthusiasmiert von Noam Bettans Auftritt, aber auch bei ihnen schimmerte eine sympathisch normale Wahrnehmung von Israels Beitrag durch: Polen etwa gab die magischen zw\u00f6lf Punkte f\u00fcr Bettan, von Albanien kamen acht, von Armenien sieben oder von Georgien sechs Punkte.<\/p>\n<p>Vergleichen wir die Berichterstattung vor diesem ESC-Abend in Wien mit dem, was dann stattfand, f\u00e4llt auf: Beim Event war sehr wenig Boykottgeschrei zu h\u00f6ren. Schon in den Voten der Jurys schimmerte von einem antiisraelischen Ressentiment nichts &#8211; oder, wenn \u00fcberhaupt: kaum etwas &#8211; durch. Beim Zuschauer-Voting war davon dann rein gar nichts zu sp\u00fcren. Lied, S\u00e4nger und Performance dominierten: Da war Bulgarien unstrittig sehr gut, und Israels Beitrag war auch exzellent. Deutschland hingegen wurde Drittletzter.<\/p>\n<p>Das Zuschauer-Voting mit einer europ\u00e4ischen Abstimmung \u00fcber das Ansehen Israels zu verwechseln, w\u00e4re ein Fehler. Das ESC-Publikum ist doch eher etwas Besonderes. Es steht, kurz gesagt, f\u00fcr die Menschen eines Landes, die dem Hedonismus aufgeschlossen sind, die das Leben genie\u00dfen und feiern. Das ist nicht unbedingt das Erkennungszeichen derer, die Israel boykottieren wollen.<\/p>\n<p>Was der ESC lehrt? Einiges. Vielleicht, dass in Israels Gesellschaft immer noch enormes kreatives Potenzial steckt, ganz gleich, was \u00fcber das Land verbreitet wird. Und wohl auch, dass Bettans Gelassenheit und Souver\u00e4nit\u00e4t ansteckend wirken kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dass das Platz zwei werden sollte, wusste Noam Bettan zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Gerade hatte er am&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":34060,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11172],"tags":[153,418,11173,11174,322,415,420,417,162,143,34,419,416],"class_list":{"0":"post-34059","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eurovision","8":"tag-berichte","9":"tag-blogs","10":"tag-eurovision","11":"tag-eurovision-song-contest-2026","12":"tag-israel","13":"tag-juedische-allgemeine","14":"tag-juedisches-leben","15":"tag-kommentare","16":"tag-kultur","17":"tag-nachrichten","18":"tag-politik","19":"tag-religion","20":"tag-wochenzeitung"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34059","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34059"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34059\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34060"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34059"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34059"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34059"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}