{"id":41195,"date":"2026-05-28T06:55:10","date_gmt":"2026-05-28T06:55:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/41195\/"},"modified":"2026-05-28T06:55:10","modified_gmt":"2026-05-28T06:55:10","slug":"eu-inc-und-e-residency-loesen-unterschiedliche-probleme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/41195\/","title":{"rendered":"EU Inc. und e-Residency l\u00f6sen unterschiedliche Probleme"},"content":{"rendered":"<p>            <a href=\"https:\/\/www.vc-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Template-Beitragsbilder-Hochformat27.png\" data-caption=\"Mats Kuuskemaa, Country Manager DACH, e-Residency of Estonia\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"696\" height=\"392\" class=\"entry-thumb td-modal-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Template-Beitragsbilder-Hochformat27-696x392.png\"   alt=\"Mats Kuuskemaa, Country Manager DACH, e-Residency of Estonia\" title=\"Mats Kuuskemaa, Country Manager DACH, e-Residency of Estonia\"\/><\/a>Mats Kuuskemaa, Country Manager DACH, e-Residency of Estonia<\/p>\n<p class=\"image-credits\">Bildnachweis: <a href=\"https:\/\/www.e-resident.gov.ee\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">e-Residency<\/a>.<\/p>\n<p>Die Diskussion um \u201eEU-Inc.\u201c steht an einem Wendepunkt: Aus politischen Ank\u00fcndigungen wird ein konkreter Gesetzesvorschlag: 48-Stunden-Gr\u00fcndung, 100-EUR-Kostenlimit, digitale Insolvenz und einem EU-weiten Unternehmensrahmen als optionalem \u201e28. Regime\u201c. Die Debatte verschiebt sich damit von Vision zu Umsetzung. In Estland wird genau dieses Modell seit \u00fcber zehn Jahren praktisch erprobt. Das <a href=\"https:\/\/www.vc-magazin.de\/blog\/2025\/06\/17\/wachsen-ohne-umwege\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">e-Residency<\/a> Programm erm\u00f6glicht bereits digitale, grenz\u00fcberschreitende Unternehmensgr\u00fcndung. Wir haben mit Mats Kuuskemaa (Country Manager DACH, e-Residency of Estonia) gesprochen!<\/p>\n<p>VC Magazin: Der EU-Inc.-Vorschlag soll Unternehmertum in der Europ\u00e4ischen Union f\u00f6rdern. Wo stehen wir derzeit in der Umsetzung und wie weit ist der \u201eWeg zum Ziel\u201c?<\/p>\n<p>Kuuskemaa: Ein Unternehmen in Europa zu gr\u00fcnden war schon immer schwieriger, als es sein sollte. Ein Gr\u00fcnder in M\u00fcnchen, Warschau oder Wien muss sich durch ein juristisches Labyrinth k\u00e4mpfen, das es in Tallinn schlichtweg nicht gibt und keiner von ihnen kann problemlos grenz\u00fcberschreitend agieren. EU Inc. ist ein Versuch, genau das zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Was diese Runde von fr\u00fcheren Versuchen unterscheidet, ist die Herkunft des Drucks. \u00dcber 22.000 Gr\u00fcnder und Investoren unterzeichneten die EU-Inc.-Kampagne \u2013 und sie zeigte Wirkung. Das Europ\u00e4ische Parlament stimmte mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit daf\u00fcr. Die Kommission legte daraufhin einen vollst\u00e4ndigen Gesetzesvorschlag vor. Die Dynamik ist real.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/emagazin.vc-magazin.de\/de\/profiles\/98d522283e29\/editions\/a4c00e03a89e6dd0edd2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-82109\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Screenshot-2026-05-07-172221-300x175.png\" alt=\"Jetzt online: VC Magazin Sonderausgabe &quot;Standorte, Regionen &amp; Technologien 2026&quot;!\" width=\"300\" height=\"175\"  \/><\/a>Jetzt online: VC Magazin Sonderausgabe \u201eStandorte, Regionen &amp; Technologien 2026\u201c!<\/p>\n<p>Ebenso wie die Ambitionen: Gr\u00fcndung innerhalb von 48 Stunden, vollst\u00e4ndig digital, kein Mindestkapital, harmonisierte Aktienoptionen, standardisierte Investitionsdokumente. Eine einzige Rechtsform f\u00fcr 27 Mitgliedstaaten. Die schwierigeren Fragen sind jedoch politischer Natur. Die Technologie ist schon lange bereit. Ungel\u00f6st bleibt die Frage der Governance: Inwieweit f\u00fcllt nationales Recht die L\u00fccken, wer kontrolliert das Register, wessen Insolvenzregeln gelten? Artikel 4 des Entwurfs \u00fcberl\u00e4sst alles ungeregelt den Mitgliedstaaten und Kritiker warnen bereits vor 27 unterschiedlichen Umsetzungen. Mario Draghi hat 2024 klar auf den Punkt gebracht, worum es geht: Ohne rasches, koordiniertes Handeln droht Europa ein langsamer Tod. Der Zeitplan f\u00fcr \u201eEU Inc.\u201c \u2013 politische Einigung bis Ende 2026, Inkrafttreten fr\u00fchestens 2027 oder 2028 \u2013 l\u00e4sst wenig Spielraum f\u00fcr Verz\u00f6gerungen.<\/p>\n<p>VC Magazin: Sie kennen die aktuelle Lage im DACH-Raum, ebenso gut wie den Markt in Polen und in Estland. Welche Elemente des EU-Inc.-Vorschlags funktionieren zum Beispiel bereits in Estland?<\/p>\n<p>Kuuskemaa: Ganz ehrlich: fast alle. Der Gesetzesentwurf liest sich wie eine Beschreibung<br \/>dessen, was Estland schon seit \u00fcber einem Jahrzehnt praktiziert.<\/p>\n<p>Nehmen wir die Unternehmensgr\u00fcndung. EU Inc. verspricht 48 Stunden. In Estland dauert es online etwa 15 Minuten. Ein \u00f6sterreichischer e-Resident hat das live auf der B\u00fchne der London Tech Week bewiesen: Das Unternehmen war registriert, noch bevor das Publikum seinen Kaffee ausgetrunken hatte.<\/p>\n<p>Aktienoptionen sind ein weiterer Bereich, in dem Estland schon fr\u00fch Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt hat. Optionen werden erst bei Ver\u00e4u\u00dferung besteuert, nach einer Haltefrist von drei Jahren. Diese eine gestalterische Entscheidung macht estnische ESOPs zu den gr\u00fcnderfreundlichsten in Europa, und internationale Gr\u00fcnder haben das bemerkt.<\/p>\n<p>Das gleiche Muster gilt f\u00fcr die digitale Infrastruktur, die einfache Besteuerung und die Investitionsdokumentation. Estland hat all dies bereits vor Jahren aufgebaut. Was EU Inc. nun als Innovation vorschl\u00e4gt, l\u00e4uft hier seit einem Jahrzehnt still im Hintergrund, mit \u00fcber 140.000 E-Residents und \u00fcber 40.000 Unternehmen als Beweis daf\u00fcr. Au\u00dferdem hat sich Estland als ebenso starker Standort f\u00fcr das Wachstum eines Unternehmens erwiesen wie f\u00fcr dessen Gr\u00fcndung.<\/p>\n<p>VC Magazin:\u00a0Wie steht e-Residency zum EU-Inc.-Vorschlag und welche \u00c4nderungen werden von Ihrer Seite erwartet?<\/p>\n<p>Kuuskemaa: <a href=\"https:\/\/www.e-resident.gov.ee\/de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">e-Residency<\/a> ist Estlands staatlich gef\u00f6rdertes Programm f\u00fcr digitale Identit\u00e4t, das es Unternehmern weltweit erm\u00f6glicht, ein EU-konformes Unternehmen vollst\u00e4ndig online zu gr\u00fcnden und zu f\u00fchren \u2013 ohne Papierkram und ohne physische Pr\u00e4senz. Es handelt sich um ein eigenst\u00e4ndiges Regierungsprogramm, das in jeder formalen Hinsicht von EU Inc. getrennt ist. Was es in diese Debatte einbringt, sind konkrete Erfolge: ein Jahrzehnt Erfahrung mit genau der Art von reibungslosem, digitalem Unternehmensumfeld, das EU Inc. aufbauen m\u00f6chte. Die H\u00e4lfte aller e-Residents, die Unternehmen gegr\u00fcndet haben, stammt aus anderen EU-Mitgliedstaaten und wurde von einem System angezogen, das f\u00fcr Gr\u00fcnder tats\u00e4chlich funktioniert.<\/p>\n<p>EU Inc. und e-Residency l\u00f6sen unterschiedliche Probleme. Das eine befasst sich mit der Fragmentierung innerhalb des Binnenmarkts. Das andere \u00f6ffnet die T\u00fcr f\u00fcr Gr\u00fcnder weltweit. Beide sind notwendig und genau deshalb muss EU Inc. ehrgeizig bleiben.<\/p>\n<p>Drei Dinge werden dar\u00fcber entscheiden, ob dies gelingt. Ein echtes zentrales Register, kein Flickenteppich aus miteinander verbundenen nationalen Systemen. ESOP-Regeln, die Gr\u00fcnder erst bei Ver\u00e4u\u00dferung besteuern, nicht bevor sie auch nur einen Euro Rendite gesehen haben. Und eine grenz\u00fcberschreitende Steuerberichterstattung, die so einfach ist, dass ein Start-up nicht in jedem Land, in dem es t\u00e4tig ist, einen lokalen Berater ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Ein Detail im aktuellen Entwurf verdient ebenfalls besondere Beachtung: Die Anforderung, dass mindestens ein Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer seinen Wohnsitz in der EU haben muss. F\u00fcr internationale Gr\u00fcnder, die derzeit die e-Residency nutzen, stellt das ein echtes Hindernis dar. In Europa herrscht Gr\u00fcnder-Mangel. Eine Regelung, die globalen Talenten den Zugang versperrt, steht im Widerspruch zu den erkl\u00e4rten Zielen des gesamten Vorschlags. Und die Zeit l\u00e4uft. EU Inc. wird fr\u00fchestens 2027 einsatzbereit sein.<\/p>\n<p>VC Magazin: Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/p>\n<p>\u00dcber den Interviewpartner:<\/p>\n<p>Mats Kuuskemaa ist Country Manager DACH bei der <a href=\"https:\/\/www.e-resident.gov.ee\/de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">e-Residency of Estonia<\/a>. Das estnische e-Residency-Programm wurde Ende 2014 mit dem Ziel ins Leben gerufen, ausl\u00e4ndischen Staatsangeh\u00f6rigen einen sicheren Zugang zu den elektronischen Beh\u00f6rdendiensten Estlands zu erm\u00f6glichen, gleichzeitig das grenz\u00fcberschreitende Unternehmertum zu f\u00f6rdern und zus\u00e4tzliche Einnahmen f\u00fcr den Staatshaushalt zu erzielen. F\u00fcr Gr\u00fcnder bedeutet dies, dass sie ein Unternehmen in Estland remote aufbauen und f\u00fchren k\u00f6nnen. Seit dem Start des Programms im Jahr 2014 haben mehr als 133.000 Personen aus 185 L\u00e4ndern den e-residenten-Status erhalten und zusammen etwa 39.000 Firmen gegr\u00fcndet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mats Kuuskemaa, Country Manager DACH, e-Residency of Estonia Bildnachweis: e-Residency. 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