{"id":41677,"date":"2026-05-28T15:05:15","date_gmt":"2026-05-28T15:05:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/41677\/"},"modified":"2026-05-28T15:05:15","modified_gmt":"2026-05-28T15:05:15","slug":"angriff-auf-ocean-viking-eu-bestaetigt-libyen-schoss-auf-rettungsschiff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/41677\/","title":{"rendered":"Angriff auf \u00bbOcean Viking\u00ab \u2013 EU best\u00e4tigt: Libyen schoss auf Rettungsschiff"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img321991\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/321991.jpeg\" alt=\"20 Minuten lang wurde die \u00bbOcean Viking\u00ab im vergangenen August beschossen, die Crew und G\u00e4ste an Bord mussten Deckung suchen.\"\/><\/p>\n<p>20 Minuten lang wurde die \u00bbOcean Viking\u00ab im vergangenen August beschossen, die Crew und G\u00e4ste an Bord mussten Deckung suchen.<\/p>\n<p>Foto: Max Cavallari\/ SOS M\u00e9diterran\u00e9e<\/p>\n<p>Neun Monate nach dem Beschuss des Rettungsschiffs \u00bbOcean Viking\u00ab durch die libysche K\u00fcstenwache zieht die Europ\u00e4ische Kommission keine Konsequenzen \u2013 offenbar um die gemeinsame Migrationsabwehr mit dem nordafrikanischen Land nicht zu gef\u00e4hrden. Erstmals hat aber eine Kommissarin Klartext gesprochen: Dubravka \u0160uica best\u00e4tigt in der <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/E-10-2026-000138_DE.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Antwort auf eine parlamentarische Anfrage<\/a> der Linke-Abgeordneten \u00d6zlem Demirel, dass \u00bban dem gemeldeten Vorfall Mitglieder der libyschen K\u00fcstenwache beteiligt\u00ab gewesen seien, \u00bbdie der libyschen Marine untersteht\u00ab.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193538.rettungsschiff-schwerer-angriff-auf-ocean-viking.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Am 24. August 2025<\/a> beschoss das libysche K\u00fcstenwachenschiff \u00bbHoun 664\u00ab die \u00bbOcean Viking\u00ab des auch in Deutschland ans\u00e4ssigen Netzwerks SOS M\u00e9diterran\u00e9e. Der unangek\u00fcndigte Angriff erfolgte in internationalen Gew\u00e4ssern. An Bord des norwegisch beflaggten Schiffs befanden sich 87 zuvor gerettete \u00dcberlebende.<\/p>\n<p>\u00bbFuck you, fuck you, fuck you\u00ab<\/p>\n<p>Maskierte Besatzungsmitglieder der \u00bbHoun 664\u00ab h\u00e4tten sich unter Beschimpfungen wie \u00bbFuck you, fuck you, fuck you\u00ab aggressiv gen\u00e4hert, rechtswidrige Anweisungen zum Verlassen des Gebiets gegeben und ohne Vorwarnung das Feuer er\u00f6ffnet, erkl\u00e4rte SOS M\u00e9diterran\u00e9e damals. Weitere Sch\u00fcsse fielen, nachdem das Rettungsschiff bereits den Kurs gewechselt hatte.<\/p>\n<p>Der Angriff hinterlie\u00df mehr als 100 Einschussl\u00f6cher an der \u00bbOcean Viking\u00ab, einige davon in Kopfh\u00f6he auf der Br\u00fccke. Kommunikations- und Navigationsantennen wurden besch\u00e4digt, alle vier Schnellrettungsboote und weitere Ausr\u00fcstung unbrauchbar gemacht. Verletzte gab es gl\u00fccklicherweise nicht.<\/p>\n<p>SOS M\u00e9diterran\u00e9e erstattete anschlie\u00dfend in Italien, Frankreich und Deutschland Anzeige, bislang ohne Ergebnis. \u00bbWir fordern die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten auf, mit diesen Verfahren uneingeschr\u00e4nkt zu kooperieren und den zust\u00e4ndigen Justizbeh\u00f6rden alle relevanten Informationen und Dokumente zur Verf\u00fcgung zu stellen\u00ab, erkl\u00e4rt die Organisation auf nd-Anfrage.<\/p>\n<p>Kooperation mit Libyen wird ausgeweitet<\/p>\n<p>Die schwere Verletzung von Menschen- und V\u00f6lkerrecht bleibt jedoch in der EU folgenlos. Die Kooperation mit Libyen wird laut der Kommission in Br\u00fcssel sogar \u00bbgest\u00e4rkt\u00ab. F\u00fcr EU-finanzierte Projekte seien \u00bbh\u00e4ufigere technische Missionen\u00ab vorgesehen, erkl\u00e4rt \u0160uica. \u00bbBeide Seiten\u00ab h\u00e4tten sich au\u00dferdem geeinigt, libysche Such- und Rettungseins\u00e4tze k\u00fcnftig besser zu \u00fcberwachen, zu untersuchen und zu melden. Die libyschen Beh\u00f6rden sollen daf\u00fcr mit EU-Unterst\u00fctzung entsprechende Standardverfahren einf\u00fchren.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus weitet Br\u00fcssel den \u00bbKapazit\u00e4tsaufbau\u00ab der libyschen K\u00fcstenwache <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1196622.migrationsabwehr-eu-verdoppelt-pullback-system-in-libyen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">auf das von der Gegenregierung unter Khalifa Haftar kontrollierte Ostlibyen aus<\/a>. Die Mittelmeermission Irini soll dazu Ausr\u00fcstung liefern und die Ausbildung von Besatzungen mit Bengasi, dem Sitz der Gegenregierung, vereinbaren. In Tobruk soll ein \u00dcberwachungsturm zur Kontrolle der neuen Migrationsroute in Richtung Kreta entstehen. Ein erster Lehrgang unter Leitung von Irini fand bereits <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/E-10-2026-000334-ASW_DE.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">vergangenes Jahr auf Sizilien statt<\/a> \u2013 gemeinsam mit Einheiten aus Westlibyen.<\/p>\n<p>\u00bbUnter dem Vorwand, die EU-Sicherheit sch\u00fctzen zu wollen, wird hier milit\u00e4risch aufger\u00fcstet. Das zeigt, dass der sogenannte Schutz der EU-Au\u00dfengrenzen gegen Gefl\u00fcchtete ein unmenschliches Ausma\u00df angenommen hat\u00ab, sagt \u00d6zlem Demirel, die sich seit August um die Aufkl\u00e4rung der Sch\u00fcsse auf die \u00bbOcean Viking\u00ab bem\u00fcht.<\/p>\n<p>Frontex war nicht dabei<\/p>\n<p>Der Beschuss der \u00bbOcean Viking\u00ab <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1194728.libysche-kuestenwache-italien-und-frontex-bestaetigen-angriff-auf-gefluechtete-vor-malta.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sowie anderer Rettungsschiffe und Fl\u00fcchtlingsboote<\/a> war bereits fr\u00fcher Gegenstand parlamentarischer Nachfragen Demirels. Die EU-Grenzagentur Frontex <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/E-10-2025-003371_DE.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">erkl\u00e4rte etwa<\/a>, den Vorfall nicht mit \u00dcberwachungsflugzeugen oder Drohnen beobachtet zu haben. Auch seien keine Notrufe, Hilfsersuchen und kein sonstiger Funkverkehr dazu aufgefangen worden. Kein Anrainer des zentralen Mittelmeers habe Frontex um Unterst\u00fctzung ersucht.<\/p>\n<p>Im Dezember <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/E-10-2025-003295_DE.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">best\u00e4tigte \u0160uica<\/a>, dass die \u00bbHoun 664\u00ab im Juni 2023 im Rahmen eines EU-Programms zum Aufbau einer K\u00fcstenwache in Westlibyen geliefert worden sei. Dieses 2017 begonnene Programm solle die F\u00e4higkeiten der libyschen Beh\u00f6rden \u00bbunter uneingeschr\u00e4nkter Achtung internationaler Standards und der Menschenrechte\u00ab st\u00e4rken.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Ermittlungen seien die Milit\u00e4rstaatsanwaltschaft und das Verteidigungsministerium in Tripolis zust\u00e4ndig, erkl\u00e4rt \u0160uica nun \u2013 beide sind der international anerkannten Regierung der Nationalen Einheit in Tripolis unterstellt. \u00dcber deren Au\u00dfen- und Verteidigungsministerium habe die EU-Kommission \u00bbin Bezug auf den Vorfall\u00ab Kontakt gehalten.<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rden h\u00e4tten best\u00e4tigt, dass \u00bbeine Untersuchung im Einklang mit dem libyschen Recht im Gange\u00ab sei. Ergebnisse teilt die Kommission der Abgeordneten Demirel aber nicht mit. Auch SOS M\u00e9diterran\u00e9e erkl\u00e4rt, als unmittelbares Opfer des Angriffs \u00bbweder von libyschen noch von EU-Beh\u00f6rden bez\u00fcglich Umfang, Stand oder Ergebnissen dieser Untersuchung\u00ab kontaktiert worden zu sein.<\/p>\n<p>\u00bbDialogmechanismen\u00ab gegen libysche Verbrechen<\/p>\n<p>Verhindern will \u0160uica k\u00fcnftige Verbrechen der libyschen K\u00fcstenwache mit neuen \u00bbDialogmechanismen\u00ab. Dazu geh\u00f6rten \u00bbverst\u00e4rkte \u00dcberpr\u00fcfungen vor Ort\u00ab und \u00bbgest\u00e4rkte\u00ab unabh\u00e4ngige Evaluierungen \u2013 deren Ergebnisse die EU-Kommission seit Jahren geheim h\u00e4lt. Auch der \u00bbDialog\u00ab mit Innenministerium, Verteidigungsministerium und Generalstaatsanwaltschaft in Tripolis sei \u00bbintensiviert und systematischer gestaltet\u00ab worden.<\/p>\n<p>Demirel h\u00e4lt das f\u00fcr Augenwischerei. \u00bbWie konnte es dann am 11. Mai wieder passieren, dass ein Seenotrettungsboot beschossen wurde?\u00ab, sagt sie zu \u00bbnd\u00ab. An jenem Tag beschoss ein libysches Patrouillenboot das deutsche Rettungsschiff \u00bbSea-Watch 5\u00ab minutenlang \u2013 wiederum mit Gefl\u00fcchteten an Bord. Sea-Watch erstattete daraufhin Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Hamburg und in Rom.<\/p>\n<p>\u00bbRechenschaftspflicht darf nicht bei der \u00c4u\u00dferung von Bedenken enden\u00ab, sagt auch eine Sprecherin von SOS M\u00e9diterran\u00e9e zu \u00bbnd\u00ab. Konsequenzen gab es nach den Sch\u00fcssen auf Seenotretter*innen indes in Deutschland \u2013 allerdings auch nur auf dem Papier: Das Bundesinnenministerium <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1199508.seenotrettung-bundesregierung-erweitert-gefahrensstufe-fuer-libysche-gewaesser.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">verh\u00e4ngte Anfang Mai eine \u00bbGefahrenstufe 2\u00ab<\/a> f\u00fcr alle Schiffe unter deutscher Flagge in Regionen des zentralen Mittelmeers, in denen Libyen f\u00fcr die Seenotrettung zust\u00e4ndig ist.<\/p>\n<p>Die Bekanntmachung gelte \u00bbbis auf Weiteres\u00ab, so das Ministerium unter Alexander Dobrindt (CSU). Schutz f\u00fcr die deutschen Rettungsschiffe und ihre Crews stellt die Bundesregierung nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"20 Minuten lang wurde die \u00bbOcean Viking\u00ab im vergangenen August beschossen, die Crew und G\u00e4ste an Bord mussten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":41678,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[2071,21,22,3655],"class_list":["post-41677","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-einwanderung","tag-eu","tag-europaeische-union","tag-libyen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41677","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41677"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41677\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/41678"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41677"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41677"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41677"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}