{"id":4653,"date":"2026-04-04T07:35:09","date_gmt":"2026-04-04T07:35:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/4653\/"},"modified":"2026-04-04T07:35:09","modified_gmt":"2026-04-04T07:35:09","slug":"die-europaeische-industrie-ist-unter-druck-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/4653\/","title":{"rendered":"Die europ\u00e4ische Industrie ist unter Druck."},"content":{"rendered":"<p>Iran-Krieg, Z\u00f6lle, Konkurrenz: Die europ\u00e4ische Industrie ist unter Druck.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission will nun das System f\u00fcr den europ\u00e4ischen Treibhausgashandel und so den CO2-Preis langfristig stabilisieren. Damit soll grunds\u00e4tzlich das sogenannte EU-Emissionshandelssystem (ETS) beibehalten werden. Br\u00fcssel will aber daf\u00fcr sorgen, dass besser auf k\u00fcnftige Marktentwicklungen reagiert werden kann, &#8222;einschlie\u00dflich m\u00f6glicher Versorgungsengp\u00e4sse in den kommenden Jahrzehnten&#8220;.<\/p>\n<p>Teile der Industrie kritisieren das bisherige System unter anderem wegen steigender Produktionskosten, die den Wettbewerb mit Firmen au\u00dferhalb der EU erschwerten.<\/p>\n<p>Der EU-Kommissar f\u00fcr Klima, Wopke Hoekstra, warb f\u00fcr die Anpassungen: Damit werde die &#8222;Widerstandsf\u00e4higkeit des EU-Emissionshandelssystems gegen\u00fcber Schwankungen&#8220; erh\u00f6ht und gleichzeitig sichergestellt, dass weiter Treibhausgasemissionen gesenkt werden und in saubere Technologien investiert wird. Eine gr\u00f6\u00dfere Reform des ETS soll im Sommer kommen, nun hat die Beh\u00f6rde einen ersten Vorschlag zu Emissionszertifikaten vorgelegt.<\/p>\n<p>So funktioniert das System<\/p>\n<p>Das EU-Emissionshandelssystem wurde 2005 eingerichtet, um Treibhausgase zu verringern. Bestimmte Unternehmen m\u00fcssen Zertifikate f\u00fcr den Aussto\u00df klimasch\u00e4dlicher Gase wie Kohlendioxid (CO2) vorweisen und k\u00f6nnen nach Bedarf auch damit handeln. Das soll besonders in energieintensiven Sektoren als Anreiz dienen, Treibhausgase einzusparen. Allerdings waren in den vergangenen Jahren mehr Emissionszertifikate verf\u00fcgbar geworden als von Unternehmen genutzt wurden.<\/p>\n<p>Sie werden in der sogenannten Marktstabilit\u00e4tsreserve (MSR) gehalten, um das Angebot auf dem Markt zu verringern, wenn viele im Umlauf sind. Gibt es eine Verknappung auf dem Markt, werden Emissionszertifikate auf den Markt gebracht. Das kann die Preise senken und so Unternehmen, die Emissionszertifikate brauchen, entlasten.<\/p>\n<p>Das soll sich \u00e4ndern<\/p>\n<p>Bisher werden in der Reserve maximal 400 Millionen Zertifikate gehalten, dar\u00fcber hinausgehende werden f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4rt. Die Kommission schl\u00e4gt nun vor, die Obergrenze aufzuheben. So k\u00f6nnten mehr Zertifikate als Puffer gehalten werden, um bei Bedarf den Markt zu stabilisieren.<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rde verweist darauf, dass andernfalls f\u00fcr die Zukunft mit einer allgemeinen Knappheit auf dem Markt und steigenden Preisen gerechnet werde.<\/p>\n<p>EU will klimaneutral werden<\/p>\n<p>Hintergrund des ETS ist der Klimawandel und die Anpassung der europ\u00e4ischen Wirtschaft daran. Bis 2030 m\u00fcssen die Treibhausgas-Emissionen in der EU um 55 Prozent gegen\u00fcber 1990 sinken. Bis 2050 will die EU dann klimaneutral sein, also nicht mehr Treibhausgase aussto\u00dfen als wieder gebunden werden k\u00f6nnen. Das EU-Emissionshandelssystem sieht die Kommission dabei weiter als wichtiges Instrument.<\/p>\n<p>So sind erste Reaktionen<\/p>\n<p>Der Gr\u00fcnen-Europaabgeordnete Michael Bloss nannte den Vorschlag zur Marktstabilit\u00e4tsreserve eine &#8222;massive Belastung f\u00fcr den Klimaschutz&#8220;. Die Zertifikate in der Reserve w\u00fcrden den CO2-Preis auf Jahre hinaus unter Druck setzen. Die Kommission schaffe &#8222;ein \u00dcberangebot auf Vorrat&#8220; und untergrabe damit die Verhandlungsgrundlagen f\u00fcr eine &#8211; bereits angek\u00fcndigte &#8211; k\u00fcnftige Reform des Emissionshandels. Vorreiter, die bereits &#8222;Milliarden in die Transformation investiert haben&#8220;, w\u00fcrden bestraft.<\/p>\n<p>Der klimapolitische Sprecher der EVP, Peter Liese (CDU), sieht dagegen ein &#8222;sehr wichtiges Signal an die Wirtschaft und die Menschen, die sich Sorgen um ihre Arbeitspl\u00e4tze machen&#8220;. Die Marktstabilit\u00e4tsreserve sei beschlossen worden, um die Preise im Emissionshandel nach oben zu treiben. Sie h\u00e4tten sich seitdem vervielfacht. Gleichzeitig verwies Liese auf den Erfolg des Emissionshandels. &#8222;Unternehmen haben in den Klimaschutz investiert, weil sie gesehen haben, dass sich diese Investitionen angesichts des ETS rechnen werden.&#8220; Dennoch brauche es weitere Reformen.<\/p>\n<p>Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hatte vor der Vorstellung gefordert, dass Zertifikate in der Marktstabilit\u00e4tsreserve nicht mehr gel\u00f6scht werden. Die Einnahmen aus dem Handel m\u00fcssten zudem direkt in die Transformation flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das sind die n\u00e4chsten Schritte<\/p>\n<p>Den Vorschl\u00e4gen m\u00fcssen auch das Europ\u00e4ische Parlament und die 27 EU-Mitgliedstaaten zustimmen. F\u00fcr den Sommer ist eine umfassende Revision des Handelssystems vorgesehen, die Kommission will im Juli ihre Vorschl\u00e4ge vorstellen.<\/p>\n<p>Festlegung zu kostenlosen Zertifikaten folgt<\/p>\n<p>Um das System hatte es zuletzt auch angesichts gestiegener Energiepreise einige Diskussionen gegeben. Italien etwa forderte eine Art der Aussetzung des Systems zur Abfederung der hohen Preise, andere EU-Staaten wollen eine Abschw\u00e4chung. L\u00e4nder wie Spanien dringen darauf, an dem System festzuhalten.<\/p>\n<p>Aus Sicht von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich das ETS grunds\u00e4tzlich bew\u00e4hrt. Deutschland sprach sich aber f\u00fcr leichte Anpassungen aus &#8211; etwa bei der Festlegung, wie viele kostenlose Zertifikate Industrieanlagen bekommen k\u00f6nnen. An diesen sogenannten Benchmarks arbeitet die Kommission derzeit und will bald Ergebnisse vorstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Iran-Krieg, Z\u00f6lle, Konkurrenz: Die europ\u00e4ische Industrie ist unter Druck. 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