{"id":53708,"date":"2026-06-17T15:03:10","date_gmt":"2026-06-17T15:03:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/53708\/"},"modified":"2026-06-17T15:03:10","modified_gmt":"2026-06-17T15:03:10","slug":"deutsch-polnischer-nachbarschaftsvertrag-ein-wegweiser-in-die-gemeinsame-europaeische-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/53708\/","title":{"rendered":"Deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag \u2013 Ein Wegweiser in die gemeinsame europ\u00e4ische Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img322617\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/322617.jpeg\" alt=\"Sp\u00e4te Anerkennung eines Faktes. Deutschland und Polen unterzeichnen den Grenzvertrag, die BRD akzeptiert die Oder-Nei\u00dfe-Linie endg\u00fcltig. Sp\u00e4ter folgt der Nachbarschaftsvertrag.\"\/><\/p>\n<p>Sp\u00e4te Anerkennung eines Faktes. Deutschland und Polen unterzeichnen den Grenzvertrag, die BRD akzeptiert die Oder-Nei\u00dfe-Linie endg\u00fcltig. Sp\u00e4ter folgt der Nachbarschaftsvertrag.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Roland Holschneider<\/p>\n<p>Im Blick zur\u00fcck markiert der Nachbarschaftsvertrag zwischen Deutschland und Polen vom 17. Juni 1991 die zeitliche Mitte eines gleicherma\u00dfen langen wie ereignisreichen Weges.<\/p>\n<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatten Deutsche wie Polen sich zurechtzufinden m\u00fcssen mit einer Grenze, die sie entlang von Oder und Lausitzer Nei\u00dfe an v\u00f6llig ungewohnter Stelle trennte. Eine k\u00fcrzere Grenzlinie h\u00e4tte zwischen den beiden gro\u00dfen europ\u00e4ischen V\u00f6lkern gar nicht gefunden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Auf diesem heutzutage beim \u00dcberqueren der Grenze kaum noch sp\u00fcrbaren Fundament konnte das neue Kapitel gegenseitiger Beziehungen aufgeschlagen werden \u2013 die gemeinsame Zukunft im Rahmen der europ\u00e4ischen Integration.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Dass die Oder-Nei\u00dfe-Grenze am politischen Rei\u00dfbrett gezeichnet worden war, steht au\u00dfer Frage \u2013 federf\u00fchrend waren hierbei Moskau wie die mit ihm verb\u00fcndeten polnischen Kommunisten. Und doch trug dieser Beginn mit seinen gewaltsamen Festsetzungen und meistens kurzfristigen politischen Berechnungen ein H\u00f6chstma\u00df an vorw\u00e4rtsweisender historischer Vernunft in sich, die das territoriale Antlitz des europ\u00e4ischen Kontinents auf Dauer pr\u00e4gen sollte.<\/p>\n<p>BRD wollte sich mit dem Verlust der deutschen Ostgebiete nicht abfinden<\/p>\n<p>Die Gegner der Oder-Nei\u00dfe-Grenze unter den Deutschen pochten vor allem auf die Festlegung im Potsdamer Abkommen vom August 1945, wonach die abschlie\u00dfende Best\u00e4tigung der deutsch-polnischen Nachkriegsgrenze einem Friedensvertrag der Siegerm\u00e4chte des Zweiten Weltkriegs mit Deutschland vorbehalten bleibe.<\/p>\n<p>Insofern galten dann die neuen polnischen Gebiete \u00f6stlich der Oder-Nei\u00dfe-Linie als unter polnischer Verwaltung stehend, also als Provisorium. Diese Ausrichtung blieb nach 1949 eine tragende S\u00e4ule Bonner Au\u00dfenpolitik, die in ihren immer anachronistischer werdenden Grundz\u00fcgen erst deutlich abgeschw\u00e4cht wurde mit der neuen Ostpolitik unter Willy Brandt: Der in Warschau im Dezember 1970 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der VR Polen unterzeichnete Vertrag f\u00fchrte zur faktischen Anerkennung der Oder-Nei\u00dfe-Grenze durch Bonn.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img322618\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/322618.jpeg\" alt=\"Die DDR musste die Oder-Nei\u00dfe-Grenze bereits 1950 anerkennen. Seitdem verl\u00e4uft sie unter anderem durch Guben.\"\/><\/p>\n<p>Die DDR musste die Oder-Nei\u00dfe-Grenze bereits 1950 anerkennen. Seitdem verl\u00e4uft sie unter anderem durch Guben.<\/p>\n<p>Foto: IMAGO\/sepp spiegl<\/p>\n<p>Wie ausgepr\u00e4gt die Widerst\u00e4nde in der Bonner Republik auch danach waren, verriet ganz am Schluss ausgerechnet Helmut Kohl, als er 1990 und bereits auf dem Weg zur \u00dcbernahme der DDR durch die Bundesrepublik von einem Friedensvertrag schwafelte, der mit seinen v\u00f6lkerrechtlichen Konsequenzen noch ausst\u00fcnde. In Warschau l\u00e4uteten in allen politischen Lagern noch einmal warnende Glocken \u2013 an der bestehenden deutsch-polnischen Grenze sollte in keinem Fall ger\u00fcttelt werden.<\/p>\n<p>Oder-Nei\u00dfe-Linie Grundlage der DDR-Au\u00dfenpolitik<\/p>\n<p>Auf polnischer Seite verbindet sich die Integration und das Zusammenschwei\u00dfen der ehemals deutschen Gebiete mit dem polnischen Kernland in erster Linie mit dem politischen Lebenswerk von W\u0142adys\u0142aw Gomu\u0142ka, der in den unmittelbaren Nachkriegsjahren mit Nachdruck die Formel von den wiedergewonnenen Gebieten durchsetzte, so als ob St\u00e4dte wie Szczecin oder Wroc\u0142aw nun nach mehreren Jahrhunderten deutscher Entfremdung wieder in den heimatlichen Scho\u00df zur\u00fcckgekehrt seien.<\/p>\n<p>Dass Polens Westverschiebung an die Ufer von Oder und Nei\u00dfe eine n\u00fcchterne wie funktionale Folge der von Stalin festgelegten Westgrenze der Sowjetunion war, durfte in der offiziellen Darstellung zun\u00e4chst keine Rolle spielen. Der Vertrag von Zgorzelec vom Juli 1950, mit dem die DDR-Regierung nach Moskauer Beschlusslage die Oder-Nei\u00dfe-Grenze vorbehaltlos anzuerkennen hatte, geh\u00f6rte fortan zu den Grundlagen der DDR-Au\u00dfenpolitik.<\/p>\n<p>Und ein wenig erinnert es an die oft beschworene Ironie der Weltgeschichte, dass ausgerechnet diese politische Mitgift der unter die R\u00e4der der deutschen Einheit kommenden DDR das Tor weit aufsto\u00dfen sollte f\u00fcr die Neugestaltung deutsch-polnischer Beziehungen nach 1990 und damit der europ\u00e4ischen Beziehungen bis heute.<\/p>\n<p>Feste Nachbarschaft \u00fcbersteht auch rechte Regierung<\/p>\n<p>In dem Vertrag von 1991 wird ausdr\u00fccklich auf die Schlussakte von Helsinki 1975 verwiesen, noch einmal wollte Warschau deutlich auf den f\u00fcr entscheidend gehaltenen Grundsatz der Unantastbarkeit europ\u00e4ischer Nachkriegsgrenzen verweisen.<\/p>\n<p>Auf diesem heutzutage beim \u00dcberqueren der Grenze kaum noch sp\u00fcrbaren Fundament konnte das neue Kapitel gegenseitiger Beziehungen aufgeschlagen werden \u2013 die gemeinsame Zukunft im Rahmen der europ\u00e4ischen Integration. Der Anteil Polens wie Deutschlands am weitgehenden Gelingen der sogenannten EU-Osterweiterung ist hoch anzuschlagen, er ist zugleich ein Meilenstein in den bilateralen Beziehungen, deren Charakter nun immer europ\u00e4ischer wird.<\/p>\n<p>Dass es empfindliche Gegenschl\u00e4ge gibt, zeigten die nationalkonservativen Regierungsjahre von 2015 bis 2023 in Polen. Als ein H\u00f6hepunkt des vor allem innenpolitisch bezweckten Ausspielens der deutschen Karte darf der Versuch gewertet werden, auf h\u00f6chster diplomatischer Ebene angeblich noch ausstehende und in der finanziellen H\u00f6he schwindelerregende deutsche Reparationszahlungen zu fordern als Wiedergutmachung f\u00fcr die im Zweiten Weltkrieg auf polnischem Gebiet ver\u00fcbten Verbrechen und angerichteten Sch\u00e4den.<\/p>\n<p>Doch die erreichten deutsch-polnischen Beziehungen erweisen sich als robust, sie gelten zu Recht als ein festes und tragendes Fundament der europ\u00e4ischen Integration und werden durch deren Fortgang entscheidend gest\u00e4rkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sp\u00e4te Anerkennung eines Faktes. Deutschland und Polen unterzeichnen den Grenzvertrag, die BRD akzeptiert die Oder-Nei\u00dfe-Linie endg\u00fcltig. 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