{"id":55647,"date":"2026-06-21T21:22:35","date_gmt":"2026-06-21T21:22:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/55647\/"},"modified":"2026-06-21T21:22:35","modified_gmt":"2026-06-21T21:22:35","slug":"tageblatt-lu-analyse-von-lars-sandahl-sorensen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/55647\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Analyse von Lars Sandahl S\u00f8rensen"},"content":{"rendered":"<p>Die Herausforderung zusammenfassend brachte Macron es auf den Punkt: \u201eWir wissen genau, was wir zu tun haben. Das ist im Letta-Bericht, im Draghi-Bericht und an anderer Stelle klar dargelegt. Nun stellt sich die Frage, wie wir das umsetzen k\u00f6nnen \u2026 Dabei geht es um kurze Fristen. Darauf m\u00f6chte ich besonders hinweisen, denn f\u00fcr mich ist Ende dieses Jahres absolut der Zeitpunkt gekommen, um diese Agenda umzusetzen.\u201c <\/p>\n<p>Macron hatte recht, und seine Feststellung gilt auch heute noch. Europa wei\u00df sehr wohl, was zu tun ist. Ein Jahr vor dem Gipfel hatte der ehemalige Pr\u00e4sident der Europ\u00e4ischen Zentralbank, Mario Draghi, ebenfalls eine eindringliche Warnung hinsichtlich der Wettbewerbsf\u00e4higkeit Europas ausgesprochen. Zu den vielen bedeutenden Erkenntnissen in seinem Bericht zu diesem Thema geh\u00f6rte seine Schlussfolgerung, dass Europa mit einer j\u00e4hrlichen Investitionsl\u00fccke von rund 800 Milliarden Euro konfrontiert ist. <\/p>\n<p>Seitdem hat sich der Druck auf Europa nur noch weiter verst\u00e4rkt. Der US-amerikanische Protektionismus nimmt zu. Der Wettbewerb durch China versch\u00e4rft sich. Sicherheitsbedrohungen r\u00fccken immer n\u00e4her an den Alltag in Europa heran. Gleichzeitig belastet sich Europa weiterhin mit langwierigen Genehmigungsverfahren, zersplitterten Regelwerken und Hindernissen innerhalb seines eigenen Binnenmarktes. <\/p>\n<p>          &#13;<br \/>\n            Europa muss Reformen vorantreiben <\/p>\n<p>Europa kann es sich nicht leisten, weiterhin alles zu verschleppen. Die gute Nachricht lautet, dass europ\u00e4ische Unternehmen bereit sind, sich als Teil der L\u00f6sung zu engagieren. Das war der Gedanke hinter der auf dem Kopenhagener Wettbewerbsgipfel vorgestellten Wirtschafts- und Investitionserkl\u00e4rung Copenhagen Pledge. Die dahinter stehenden 28 Unternehmen sicherten zu, ihre Investitionen in Europa bis 2030 um durchschnittlich 50 Prozent zu erh\u00f6hen \u2013 vorausgesetzt, die europ\u00e4ische Spitzenpolitik f\u00fchrt die notwendigen Reformen zur St\u00e4rkung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Sicherheit durch. <\/p>\n<p>Weltweit t\u00e4tige Unternehmen wie Airbus, Siemens, SAP, Thales, Saab und Novo Nordisk sind bereit, mehr in die Zukunft Europas zu investieren. Doch Investitionen k\u00f6nnen nur dann Fr\u00fcchte tragen, wenn die Saat auf fruchtbaren Boden f\u00e4llt. Kapital allein wird Europa nicht automatisch st\u00e4rken, nur weil es vorhanden ist. Ohne die richtigen Rahmenbedingungen l\u00e4uft Europa Gefahr, eine historische Chance zu verpassen. Europ\u00e4ische Unternehmen brauchen einfachere Regeln, schnellere Genehmigungsverfahren, bezahlbare Energie, eine st\u00e4rkere Infrastruktur und einen voll funktionsf\u00e4higen Binnenmarkt. <\/p>\n<p>Die Kluft zwischen politischer Ambition und Politikreform ist nach wie vor viel zu gro\u00df<\/p>\n<p>Deshalb enth\u00e4lt die Erkl\u00e4rung Copenhagen Pledge nicht nur Investitionszusagen, sondern auch einen konkreten Entwurf mit Empfehlungen f\u00fcr politische Reformen, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit Europas zu f\u00f6rdern. Viele dieser Vorschl\u00e4ge kn\u00fcpfen an den Draghi-Bericht an, in dem die europ\u00e4ische Politik aufgefordert wurde, die Regulierung zu vereinfachen, den Berichtsaufwand zu verringern, Innovationen zu f\u00f6rdern und Europas F\u00e4higkeit zu st\u00e4rken, Unternehmen grenz\u00fcberschreitend zu skalieren. <\/p>\n<p>Fortschritte bleiben hinter Erwartungen <\/p>\n<p>Doch die Fortschritte Europas seit dem Gipfel in Kopenhagen fallen entt\u00e4uschend aus. Ein neuer Tracker zur Wettbewerbsf\u00e4higkeit zeigt, dass nur vier von 35 Schl\u00fcsselinitiativen offiziell verabschiedet wurden. Unterdessen stecken 21 Initiativen weiterhin in den fr\u00fchen Planungsphasen fest, wo sie noch nicht dazu beitragen k\u00f6nnen, regulatorische Belastungen zu verringern, Compliance-Kosten zu senken oder neue Investitionen anzuziehen. <\/p>\n<p>Die Kluft zwischen politischer Ambition und Politikreform ist nach wie vor viel zu gro\u00df. Selbst dort, wo Fortschritte erzielt wurden, bleiben Herausforderungen bestehen. Drei der vier verabschiedeten Initiativen konzentrieren sich auf Vereinfachung, doch neue und uneinheitliche Auflagen machen viele der Vorteile f\u00fcr Unternehmen weiterhin zunichte. <\/p>\n<p>In Europa herrscht kein Mangel an Berichten oder Strategien, sondern an dem Willen zur Umsetzung. Die wichtigste Aufgabe ist klar: Europa muss seinen Binnenmarkt endlich vollenden und st\u00e4rken. Es ist absurd, dass europ\u00e4ische Unternehmen innerhalb des weltweit gr\u00f6\u00dften Handelsraums immer noch mit nationalen Barrieren, einer fragmentierten Umsetzung und unterschiedlichen Verwaltungsanforderungen konfrontiert sind. In einer Zeit, in der der Druck von au\u00dfen aus allen Richtungen zunimmt, darf Europa nicht l\u00e4nger zulassen, dass interne Fragmentierung und nationale Partikularinteressen seinen Handlungsspielraum einschr\u00e4nken. <\/p>\n<p>In der Welt von heute kann Europa vieles nicht kontrollieren \u2013 von Kriegen und geopolitischer Instabilit\u00e4t bis hin zu globalen Handelsspannungen. Sehr wohl jedoch kann Europa entscheiden, ob es gewollt ist, dass Unternehmen ihre Zeit damit verbringen, sich in 27 unterschiedlichen Systemen zurechtzufinden, anstatt Innovationen voranzutreiben und ihre Investitionen auf dem gesamten Kontinent auszuweiten. <\/p>\n<p>Europa als sicherer Investitionsort <\/p>\n<p>Die Unternehmen sind nach wie vor bereit, ihren Beitrag zu leisten. Aktuelle Daten des Unternehmenspanels von Danish Industry zeigen einen deutlichen Stimmungsumschwung: D\u00e4nische Unternehmen sehen Europa zunehmend als sicheren Hafen in einer instabilen Welt. Die d\u00e4nischen Investitionen in den Vereinigten Staaten sind seit 2019 um 170 Prozent gestiegen, w\u00e4hrend Investitionen in EU-L\u00e4ndern weitgehend stagnierten. Doch nun signalisieren die Unternehmen eine st\u00e4rkere Bereitschaft, ihr wirtschaftliches Engagement in Europa auszubauen. <\/p>\n<p>Diese Verlagerung ist von Bedeutung. Sie zeigt, dass Unternehmen lieber in der N\u00e4he ihrer Heimat investieren wollen, wenn die Bedingungen stabil und vorhersehbar sind. \u00dcberdies wird dadurch best\u00e4tigt, dass Europa die einzigartige Chance hat, Investitionen anzuziehen, die andernfalls m\u00f6glicherweise anderswohin flie\u00dfen w\u00fcrden. Europa sollte diese Chance bereitwillig ergreifen. <\/p>\n<p>Die Unternehmen sind bereit, zum Aufbau eines st\u00e4rkeren Europas beizutragen, das externem Druck standhalten und den k\u00fcnftigen Wohlstand sichern kann. Doch die europ\u00e4ische Politik muss diesem Engagement mit Tatkraft und politischem Mut begegnen. Wir wissen ja, was zu tun ist. <\/p>\n<p>* Lars Sandahl S\u00f8rensen ist CEO des d\u00e4nischen Wirtschafts- und Arbeitgeberverbandes Dansk Industri. <\/p>\n<p>Copyright: Project Syndicate, 2026, www.project-syndicate.org <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Herausforderung zusammenfassend brachte Macron es auf den Punkt: \u201eWir wissen genau, was wir zu tun haben. 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