{"id":56688,"date":"2026-06-23T12:22:13","date_gmt":"2026-06-23T12:22:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/56688\/"},"modified":"2026-06-23T12:22:13","modified_gmt":"2026-06-23T12:22:13","slug":"eu-treibt-neuen-rohstoff-brueckenkopf-in-brasilien-voran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/56688\/","title":{"rendered":"EU treibt neuen Rohstoff-Br\u00fcckenkopf in Brasilien voran"},"content":{"rendered":"<p class=\"post-teaser\">Br\u00fcssel, Bras\u00edlia, Viridis und Solvay kn\u00fcpfen an einer neuen industriellen Wertsch\u00f6pfungskette. Das Vorhaben ist politisch gewollt, praktisch greifbar und st\u00e4rkt die europ\u00e4ische Unabh\u00e4ngigkeit bei kritischen Mineralien.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/viridis-mining-minerals-2026-1024x684.jpg\" alt=\"EU treibt neuen Rohstoff-Br\u00fcckenkopf in Brasilien voran\" fetchpriority=\"high\" decoding=\"sync\" width=\"1024\" height=\"684\"\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tViridis Mining &amp; Minerals Limited<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union treibt ihre Rohstoffdiplomatie in Brasilien sichtbar voran und setzt dabei auf mehr als blo\u00dfe Bezugsrechte. Beim Besuch von EU-Kommissar Jozef S\u00edkela stand die Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen auf der Agenda der Global-Gateway-Infrastrukturinitiative. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, die EU sehe das Land inzwischen als ihren wichtigsten Partner in Lateinamerika f\u00fcr kritische Mineralien. Im Mittelpunkt der Reise stand das Seltenerd-Projekt des Rohstoffexplorers Viridis Mining and Minerals AU0000190829 A3EEJX in Po\u00e7os de Caldas im Bundesstaat Minas Gerais.<\/p>\n<p>Br\u00fcssel will die Abh\u00e4ngigkeiten bei kritischen Lieferketten verringern, w\u00e4hrend Brasilien mehr Wertsch\u00f6pfung im eigenen Land halten m\u00f6chte. Diese Kombination f\u00fcgt sich nahtlos in die brasilianische Industriepolitik ein. Die Europ\u00e4ische Kommission beschreibt Brasilien in ihren Partnerschaftsunterlagen als Land mit Potenzial f\u00fcr gemeinsame Investitionen in Lithium, Nickel und Seltene Erden. Das erkl\u00e4rte Ziel lautet, neben dem reinen Rohstoffeinkauf gezielt die heimische Verarbeitung und technologische Entwicklung zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Lieferkette in Minas Gerais nimmt Form an<\/p>\n<p>Viridis hat Ende Mai seine Demonstrationsanlage f\u00fcr gemischtes Seltenerdkarbonat (MREC) in Betrieb genommen. Nach Firmenangaben verarbeitet die Anlage 100 Kilogramm Tonmaterial pro Stunde und produziert bei Nennleistung rund 8 Kilogramm MREC pro Tag. Das Zwischenprodukt dient der sp\u00e4teren Trennung einzelner Seltenerdoxide sowie der Prozessvalidierung und der Versorgung potenzieller Abnehmer mit Proben.<\/p>\n<p>Die t\u00e4gliche Nennleistung entspricht hochgerechnet einer Jahresproduktion von rund 2,92 Tonnen MREC. Diese Tonnage belegt den industriellen Reifegrad, da die Anlage kontinuierlich Material f\u00fcr Tests und Abnahmegespr\u00e4che liefern kann. Viridis beschreibt die St\u00e4tte als eine der gr\u00f6\u00dften und technisch anspruchsvollsten ihrer Art au\u00dferhalb Chinas. Wirtschaftlich z\u00e4hlt dabei neben der Geologie vor allem die Skalierung der Verfahrenskette. Die Testanlage spiegelt das sp\u00e4tere Prozessschema der Vor-Machbarkeitsstudie wider und liefert Betriebsdaten f\u00fcr die endg\u00fcltige Machbarkeitsstudie. Das geplante bilaterale Abkommen erh\u00e4lt damit industrielle Substanz.<\/p>\n<p>Viridis steigt zum industriellen Entwickler auf<\/p>\n<p>Auch die Projektkennzahlen st\u00fctzen diese Einordnung. Viridis beziffert die JORC-Ressource von Colossus auf 493 Mio. Tonnen mit 2.508 ppm Gesamt-Seltenerdoxiden und 601 ppm magnetrelevanten Oxiden. In der Vor-Machbarkeitsstudie kalkuliert das Unternehmen \u00fcber die geplante Lebensdauer mit 266.000 Tonnen MREC und peilt den kommerziellen Betrieb ab 2028 an. Die Investition von 360 Mio. USD in eine Anlage mit bis zu 15.000 Tonnen MREC pro Jahr untermauert diese Ambition. Die aktuellen Daten zeigen, dass diese Gr\u00f6\u00dfenordnung in ein breiter dokumentiertes Entwicklungsbild eingebettet ist.<\/p>\n<p>Parallel zum Pilotbetrieb beschleunigt das Unternehmen das Genehmigungsverfahren. Viridis hat die Installationslizenz beantragt \u2013 die zweite von drei beh\u00f6rdlichen Stufen in Brasilien. Die vorl\u00e4ufige Umweltgenehmigung erging bereits im Dezember 2025. Diese fortschreitende rechtliche Absicherung senkt das Projektrisiko f\u00fcr potenzielle Finanziers.<\/p>\n<p>Solvay schlie\u00dft die transatlantische Verarbeitungskette<\/p>\n<p>Die Absichtserkl\u00e4rung mit dem belgischen Chemiekonzern Solvay BE0003470755 856200 festigt das Vorhaben. Das Unternehmen best\u00e4tigte Anfang Juni offiziell, dass Viridis ab 2028 kritische Seltenerd-Rohstoffe aus Brasilien an den Standort La Rochelle in Frankreich liefern wird. Im Gegenzug bringt Solvay seine Trenn- und Verarbeitungstechnologie ein. Damit gewinnt die Allianz eine klar umrissene industrielle Form: Aus brasilianischem Feedstock und europ\u00e4ischer Separation formiert sich ein eigenst\u00e4ndiger Wertsch\u00f6pfungsverbund.<\/p>\n<p>Das Unternehmen hat in La Rochelle die kommerzielle Produktion f\u00fcr magnetf\u00e4hige Seltene Erden gestartet. Bis 2030 will der Konzern rund 30 % der europ\u00e4ischen Nachfrage abdecken. Zudem flankiert das Vorhaben den Critical Raw Materials Act der EU und den regulatorischen Kurs zu diversifizierten Bezugsquellen. Das politische Ziel, die Abh\u00e4ngigkeit von China zu verringern, schl\u00e4gt sich damit direkt in industriellen Kapazit\u00e4ten nieder.<\/p>\n<p>Brasiliens Abkehr vom reinen Rohstoffexport<\/p>\n<p>Das Vorhaben flankiert Brasiliens Industriestrategie. Die staatliche Entwicklungsbank BNDES und die Innovationsagentur Finep legten 2025 ein F\u00f6rderprogramm \u00fcber 5 Mrd. BRL (rund 850 Mio. EUR) auf, um strategische Rohstoffketten auszubauen. Daraufhin gingen Projekte mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 85,2 Mrd. BRL (14,5 Mrd. EUR) ein. Zuletzt erreichten 56 Gesch\u00e4ftspl\u00e4ne mit einem Gesamtwert von 45,8 Mrd. BRL (7,8 Mrd. EUR) die n\u00e4chste Phase. Die staatliche Anschubfinanzierung beschleunigt damit die Abkehr vom reinen Erzexport.<\/p>\n<p>Die EU sucht in Brasilien keinen reinen Rohstoffabfluss, w\u00e4hrend Brasilien keine Partnerschaft w\u00fcnscht, die nur Erz aus dem Land zieht. Beide Seiten testen vielmehr, ob sich aus Seltenen Erden eine Lieferkette bauen l\u00e4sst, in der Vorverarbeitung, Technologie und Marge nicht an einer einzigen Landesgrenze h\u00e4ngen bleiben. Das geplante Memorandum zwischen der EU und der brasilianischen Regierung wird laut Reuters weiter verhandelt, ebenso ein endg\u00fcltiger Vertrag zwischen Viridis und Solvay. Dennoch ist das Projekt in Minas Gerais inzwischen weit genug, um aus der Diplomatie eine belastbare Rohstoffgeschichte zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Br\u00fcssel, Bras\u00edlia, Viridis und Solvay kn\u00fcpfen an einer neuen industriellen Wertsch\u00f6pfungskette. 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