{"id":61396,"date":"2026-07-01T15:42:14","date_gmt":"2026-07-01T15:42:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/61396\/"},"modified":"2026-07-01T15:42:14","modified_gmt":"2026-07-01T15:42:14","slug":"konzept-heimathafen-europa-waere-stabilitaetsanker-in-stuermischer-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/61396\/","title":{"rendered":"Konzept &#8222;Heimathafen Europa&#8220; w\u00e4re Stabilit\u00e4tsanker in st\u00fcrmischer Zeit"},"content":{"rendered":"<p>\n  Von&amp;nbspVon Felix Manuel M\u00fcller, Referent f\u00fcr Europapolitik, Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin\n<\/p>\n<p>\n         Zuerst ver\u00f6ffentlicht am<br \/>\n            01\/07\/2026 &#8211; 17:24 MESZ\n            <\/p>\n<p>\n        Die in diesem Artikel ge\u00e4u\u00dferten Meinungen sind die der Autoren und stellen in keiner Weise die redaktionelle Position von Euronews dar.\n            <\/p>\n<p>Drei von vier Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4ern (75 Prozent) sehen die EU als Hort der Stabilit\u00e4t in einer krisenhaften Welt. Das zeigt die heute ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/at-your-service\/de\/be-heard\/eurobarometer\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Eurobarometer<\/a>-Umfrage des Europ\u00e4ischen Parlaments \u2013 ein Anstieg um acht Prozentpunkte gegen\u00fcber dem Herbst 2025.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Die Weltlage weckt hohe Erwartungen an die EU. Denn das internationale System befindet sich im Strukturwandel. Auf die Bipolarit\u00e4t des Kalten Krieges folgte ab 1990 die Unipolarit\u00e4t. Auch sie scheint vorbei. An ihre Stelle tritt eine multipolare Ordnung \u2013 pr\u00e4ziser: eine multipolare Unordnung. Die geopolitischen St\u00fcrme nehmen zu und die Instabilit\u00e4t ist kein vor\u00fcbergehendes Interregnum, sondern ein l\u00e4nger anhaltender Zustand.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland und Europa hei\u00dft das: Sicherheit und Stabilit\u00e4t sind keine selbstverst\u00e4ndlichen Rahmenbedingungen mehr. Auch die <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/06\/29\/europe-today-trumps-zoll-drohung-iran-gesprache-und-europas-hitzewelle\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a> werden k\u00fcnftig weniger aus wertrationalen als aus zweckrationalen Motiven kooperieren \u2013 unabh\u00e4ngig davon, wer im Wei\u00dfen Haus sitzt. Die Menschen sp\u00fcren, dass nach einer Dekade der Disruption seit 2015 die Dinge im Fluss sind. Viele nehmen wahr, dass nicht nur einzelne Politikfelder sich ver\u00e4ndern, sondern die Grundlagen von Ordnung, Wohlstand und Sicherheit selbst unter Druck geraten.<\/p>\n<p>Politisch erfolgreich wird sein, wer als Krisenlotse ein zukunftsgerichtetes Deutungsangebot macht und glaubhaft signalisiert, Sicherheit organisieren zu k\u00f6nnen. Daf\u00fcr braucht es ein positives Zielbild \u2013 eine politische Verhei\u00dfung \u2013 gest\u00fctzt von einer tragf\u00e4higen Allegorie. Dieses Bild darf nicht zu komplex sein, muss Ambiguit\u00e4t zulassen, im europ\u00e4ischen Kulturraum funktionieren und realistisch erreichbar sein, weil es an bereits erkennbare Entwicklungen ankn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Europa als Heimathafen<\/p>\n<p>Mein Vorschlag: Diese Verhei\u00dfung kann der Heimathafen Europa sein. Die Sprachfigur des Hafens schl\u00e4gt die Br\u00fccke zwischen Schutzraum und Welt\u00f6ffnung.<\/p>\n<p>Ein Hafen steht zun\u00e4chst f\u00fcr Schutz und Sicherheit. Schiffe entkommen dem offenen, gef\u00e4hrlichen Meer und finden einen gesch\u00fctzten Raum. Ein Bild f\u00fcr Geborgenheit, Stabilit\u00e4t, Heimat und Ordnung. Europ\u00e4ische Integration sch\u00fctzt empirisch vor Krieg: Gerald Knaus spricht von einer \u201eeuropablauen Zone des demokratischen Friedens\u201c. Gewalt beobachtet man dort, wo diese Integration fehlt. Der Heimathafen verhei\u00dft aber mehr als nur Schutz vor Krieg. Er umfasst \u00e4u\u00dfere, innere, soziale, kulturelle und individuelle Sicherheit.<\/p>\n<p>Laut dem j\u00fcngsten Eurobarometer sind Frieden und Sicherheit der von den Befragten am h\u00e4ufigsten genannte Grund, warum L\u00e4nder von der EU-Mitgliedschaft profitieren. 40 Prozent nennen den Beitrag der EU zum Schutz des Friedens und zur St\u00e4rkung der Sicherheit. Der Heimathafen Europa kn\u00fcpft an dieses Schutzversprechen an, geht aber dar\u00fcber hinaus: Er verhei\u00dft nicht nur Schutz vor Krieg, sondern umfasst \u00e4u\u00dfere, innere, soziale, kulturelle und individuelle Sicherheit.<\/p>\n<p>Damit unterscheidet er sich grundlegend von autorit\u00e4ren und kollektivistischen Ordnungsvorstellungen systemischer Wettbewerber. Ein Hafen impliziert Freiheit und individuelle Entfaltung. Er sch\u00fctzt nicht, um zu bevormunden, sondern um Verantwortung und Selbstbestimmung zu erm\u00f6glichen. Aus christdemokratischer Perspektive dient Sicherheit der Freiheit der Person. Sie ist nicht Selbstzweck des Staates, sondern Voraussetzung daf\u00fcr, dass Menschen und Unternehmen Zukunft gestalten.<\/p>\n<p>Ein Hafen als &#8222;Tor zu Welt&#8220;statt &#8222;Festung Europa&#8220;<\/p>\n<p>Zudem verweist der Hafen auf Verbindung und Austausch. Er ist ein Knotenpunkt zwischen Innen und Au\u00dfen. Als \u201eTor zur Welt\u201c lebt er von Handel, Migration, Diplomatie und kultureller Begegnung. Er ist grunds\u00e4tzlich offen f\u00fcr Waren, Menschen und Ideen \u2013 keine Chiffre f\u00fcr eine abgeschottete \u201eFestung Europa\u201c.<\/p>\n<p>Europa muss weiter Impulse von au\u00dfen aufnehmen. Durch Handel, wissenschaftliche Kooperation, qualifizierte Migration und <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2025\/04\/02\/neue-partnerschaft-erstes-gipfeltreffen-zwischen-eu-und-zentralasien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">strategische Partnerschaften<\/a>. Ein sicherer Hafen ist kein einsames Eiland, sondern ein geordneter Weltzugang. Genau darin liegt der Unterschied zur nationalistischen R\u00fcckzugslogik: nicht Abschottung, sondern geordnete Offenheit.<\/p>\n<p>Wichtig ist die Ambivalenz der Figur. Der Hafen ist gesch\u00fctzt, aber nie vollst\u00e4ndig abgeschlossen. Er verbindet Ordnung mit Bewegung, Stabilit\u00e4t mit Wandel. Zugleich hat er eine Gatekeeper-Funktion: Nicht jedes Schiff kann jederzeit und unter beliebigen Bedingungen einlaufen. Politisch hei\u00dft das: <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/06\/12\/eu-migrationspakt-neue-asylregeln\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">geordnete Migration<\/a>, Schutz der Au\u00dfengrenzen, klare Asylverfahren, gezielte Fachkr\u00e4ftezuwanderung und ein realistischer EU-Erweiterungsprozess. Wer Offenheit erhalten will, muss Ordnung herstellen.<\/p>\n<p>In dieser Figur verk\u00f6rpern die europ\u00e4ischen L\u00e4nder Schiffe. Mit dem<a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/06\/04\/kirchen-eu-christenfeindliche-gewalt-in-europa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> christlichen Menschenbild<\/a> existiert ein verl\u00e4sslicher Wertekompass f\u00fcr die Navigation: Personalit\u00e4t, Subsidiarit\u00e4t, Solidarit\u00e4t und Verantwortung. Er hilft, Sicherheit nicht autorit\u00e4r, Freiheit nicht beliebig und Europa nicht technokratisch zu denken.<\/p>\n<p>Europas St\u00e4rke: koordinierte Vielfalt statt Uniformit\u00e4t<\/p>\n<p>In der europ\u00e4ischen Flotte hat jedes Schiff eigene F\u00e4higkeiten und erf\u00fcllt eine Aufgabe f\u00fcr den Verbund. Europas St\u00e4rke liegt nicht in Uniformit\u00e4t, sondern in der koordinierten Vielfalt seiner Beitr\u00e4ge. Zugleich muss jedes Mitglied selbst klar Schiff machen. Jeder Staat muss seine Hausaufgaben bei Wettbewerbsf\u00e4higkeit, Verteidigung und Haushaltsverantwortung machen.<\/p>\n<p>Auch Europa insgesamt muss agiler werden. Ein Hafen ist nur funktionsf\u00e4hig, wenn seine Strukturen modern und seine Regeln verst\u00e4ndlich sind. Deshalb muss unn\u00f6tiger Ballast abgeworfen werden \u2013 \u00fcberbordende B\u00fcrokratie, regulatorische Selbstblockaden, strategische Unentschlossenheit. Wer Sicherheit verhei\u00dft, muss Handlungsf\u00e4higkeit organisieren.<\/p>\n<p>Sicherheitsverantwortung statt Angstbewirtschaftung<\/p>\n<p>Doch Gegenwind kommt auch von innen. Autorit\u00e4re Stimmen wollen unsere Gesellschaften spalten. Rechtspopulistische Kr\u00e4fte inszenieren sich als Verteidiger nationaler Souver\u00e4nit\u00e4t, untergraben aber als russische Schattenflotte die europ\u00e4ische Handlungsf\u00e4higkeit. Sie teilen das Zielbild eines sicheren, freien und handlungsf\u00e4higen Europas nicht.<\/p>\n<p>Der Gegenentwurf lautet: Sicherheitsverantwortung statt Angstbewirtschaftung. Zukunftspolitik statt technokratischer Verwaltung des Status quo. Nicht naive Offenheit, nicht nationaler R\u00fcckzug, sondern geordnete Weltoffenheit.<\/p>\n<p>Neun von zehn Europ\u00e4ern stimmen laut Eurobarometer zu, dass die EU-Mitgliedsstaaten angesichts der globalen Herausforderungen st\u00e4rker zusammenstehen sollen.Der Auftrag ist klar: gemeinsam am Heimathafen Europa arbeiten und Kurs halten. Europa kann der Stabilit\u00e4tsanker in einer Welt in Unordnung sein \u2013 nicht, weil es alle St\u00fcrme verhindern k\u00f6nnte, sondern weil es ihnen standh\u00e4lt. Das Ziel ist erreichbar. Land ist in Sicht.<\/p>\n<p>Felix Manuel M\u00fcller ist Referent f\u00fcr Europapolitik in der Abteilung \u201eDemokratie, Recht und Parteien\u201c bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin. Zuvor war M\u00fcller unter anderem im Bayerischen Landtag, bei Europe Direct sowie in der Kontakt- und Informationsstelle des Bayerischen Landtags in Br\u00fcssel t\u00e4tig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von&amp;nbspVon Felix Manuel M\u00fcller, Referent f\u00fcr Europapolitik, Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin Zuerst ver\u00f6ffentlicht am 01\/07\/2026 &#8211; 17:24 MESZ Die in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":61397,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[21,22,48,550,588,194,160],"class_list":["post-61396","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-eu","tag-europaeische-union","tag-europaeisches-parlament","tag-euroviews","tag-sicherheit","tag-usa","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61396","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61396"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61396\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/61397"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61396"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61396"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61396"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}