{"id":65067,"date":"2026-07-08T16:40:08","date_gmt":"2026-07-08T16:40:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/65067\/"},"modified":"2026-07-08T16:40:08","modified_gmt":"2026-07-08T16:40:08","slug":"trotz-chaos-an-grenzen-eu-lehnt-stopp-des-neuen-einreisesystems-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/65067\/","title":{"rendered":"Trotz Chaos an Grenzen: EU lehnt Stopp des neuen Einreisesystems ab"},"content":{"rendered":"<p>              Trotz Chaos an Grenzen: EU lehnt Stopp des neuen Einreisesystems ab<\/p>\n<p>Das neue digitale Grenzkontrollsystem der EU sorgt weiter f\u00fcr Turbulenzen im Reiseverkehr. Trotz Protesten aus der Luftfahrtbranche und Berichten \u00fcber teils chaotische Zust\u00e4nde an den Au\u00dfengrenzen lehnt die EU-Kommission die Forderung ab, das <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Smart-Borders-EU-Rat-gibt-gruenes-Licht-fuer-biometrische-Grenzkontrolle-3896145.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">digitale und automatisierte Ein- und Ausreisesystems (EES)<\/a> vor\u00fcbergehend auszusetzen. Luftfahrtunternehmen und Flughafenbetreiber dr\u00e4ngen in einem offenen Brief angesichts technischer Pannen, Softwarefehler und kilometerlanger Warteschlangen auf eine Pause der biometrischen \u00dcberpr\u00fcfungen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Ein solcher Schritt sei weder notwendig noch praktisch umsetzbar, begr\u00fcndet die Kommission <a href=\"https:\/\/www.euractiv.com\/news\/eu-stands-firm-on-new-border-checks-despite-travel-chaos\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">nach einem Bericht von Euractiv<\/a> ihren Standpunkt. Das Gesamtsystem sei auf die kontinuierliche Erfassung angewiesen.<\/p>\n<p>Das System erfasst von Staatsb\u00fcrgern aus Drittl\u00e4ndern bei der Einreise in den Schengen-Raum Fingerabdr\u00fccke und Gesicht. Betroffen sind alle Mitgliedstaaten mit Ausnahme von Irland und Zypern sowie die assoziierten L\u00e4nder Norwegen, Schweiz, Island und Liechtenstein. Ziel des <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Smart-Borders-EU-Kommission-beschliesst-elektronische-Grenzueberwachung-1813531.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mammutprojekts Smart Borders<\/a> ist es, den Grenz\u00fcbertritt zu modernisieren, illegale Migration zu erschweren und die Aufenthaltsdauer digital sowie l\u00fcckenlos zu \u00fcberwachen. In der Praxis f\u00fchrt die Umstellung aber <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Smart-Borders-unter-Druck-Streit-ueber-das-neue-EU-Einreisesystem-wird-heftiger-11138354.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">seit Monaten zu erheblichen Komplikationen<\/a>, die den Flugplan und den Urlaubsverkehr in ganz Europa erheblich belasten.<\/p>\n<p>Massive Versp\u00e4tungen<\/p>\n<p>Technische Fehlfunktionen und eine mangelhafte Vorbereitung der Einf\u00fchrung haben an zahlreichen Passkontrollen Verz\u00f6gerungen und Flugversp\u00e4tungen ausgel\u00f6st. Der Flughafenverband ACI Europe sowie Vertreter von Airlines <a href=\"https:\/\/www.aci-europe.org\/media-room\/610-open-letter-to-president-of-the-european-commission-on-the-schengen-entry-exit-system-ees.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">verlangen daher<\/a> eine dauerhafte operative Flexibilit\u00e4t, damit die nationalen Regierungen das System bei Bedarf eigenst\u00e4ndig ruhen lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie dramatisch die Lage ist, zeigen <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/3ed70f64-7443-4241-ac0f-38eabe218913\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">laut der Financial Times<\/a> Vorf\u00e4lle an Flugh\u00e4fen wie Mailand-Linate: Dort musste eine Easyjet-Maschine fast eine Stunde warten, bis sie letztlich mit nur 34 der 156 gebuchten Passagiere abhob. Der Rest sa\u00df in den Kontrollen fest. Ein l\u00e4ngeres Warten h\u00e4tte die gesetzlichen Arbeitszeitlimits der Crew \u00fcberschritten und zum Flugausfall gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ein hochrangiger EU-Beamter h\u00e4lt dagegen: Die Grenzbeh\u00f6rden seien darauf angewiesen, die Daten \u00fcber die Einreise und die sp\u00e4tere Ausreise der Personen kontinuierlich miteinander abgleichen zu k\u00f6nnen. Zudem betont die Kommission, dass den Mitgliedstaaten bereits erhebliche Spielr\u00e4ume einger\u00e4umt w\u00fcrden. Die aktuellen Vorschriften erlaubten es den nationalen Beh\u00f6rden, die biometrische Registrierung bei extremem Andrang f\u00fcr je sechs Stunden auszusetzen. Diese Ausnahme gilt noch bis September und wird von den L\u00e4ndern bereits ausgiebig genutzt. Sie reicht der Industrie aber nicht.<\/p>\n<p>Technologischer Flickenteppich mit Ansage<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Dass das System so fehleranf\u00e4llig l\u00e4uft, liegt auch an seiner Entstehungsgeschichte und einer Fehlplanung bei der IT-Infrastruktur. Das Konsortium, das den urspr\u00fcnglichen Vertrag f\u00fcr das zentrale Computersystem erhielt, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Biometrische-Kontrolle-Ein-und-Ausreisesystem-der-EU-soll-schrittweise-starten-10309153.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">verfehlte mehrfach Fristen<\/a>. Dadurch stiegen die Kosten von 142 Millionen auf 212 Millionen Euro. Zudem entschieden sich die Mitgliedstaaten daf\u00fcr, ihre eigenen nationalen Softwaresysteme zu behalten und sie nur an die zentrale IT-Plattform anzubinden.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist ein technologischer Flickenteppich, der anf\u00e4llig f\u00fcr Softwarefehler ist. Am Eurostar-Terminal im Londoner Bahnhof St. Pancras etwa stehen die Kontrollger\u00e4te seit Monaten ungenutzt, weil ein Software-Bug die Daten\u00fcbertragung an die franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden verhindert.<\/p>\n<p>Experten erl\u00e4utern, dass die Umsetzung in Europa ungleich komplexer sei als in den USA oder China, wo ein einziges System zentral und einheitlich landesweit ausgerollt werden k\u00f6nne. In der EU hingegen prallen 27 nationale Organisationen aufeinander. Br\u00fcsseler Beamte betonen, das EES habe bereits \u00fcber 108 Millionen Grenz\u00fcbertritte erfasst und schon Kriminelle mit falschen Identit\u00e4ten entlarvt. Doch Flugh\u00e4fen etwa in Rom erwarten eine Katastrophe im Sommer. Erste griechische Inseln haben die Kontrollen zur\u00fcckgefahren, um die Schlangen zu verk\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Wirtschaftliche \u00c4ngste vor dem Sommergesch\u00e4ft<\/p>\n<p>Die Luftfahrtbranche blickt sorgenvoll auf die Urlaubsmonate. Verz\u00f6gerungen von auch nur zehn Minuten k\u00f6nnen die eng getakteten Flugpl\u00e4ne und die Netzwerke der Airlines durcheinanderbringen. Branchenvertreter monieren, dass die europ\u00e4ischen Regierungen seit 2017 Zeit hatten, sich auf diese Umstellung vorzubereiten. Nun m\u00fcssten die Passagiere als Versuchskaninchen f\u00fcr ein halbgares System herhalten.<\/p>\n<p>Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen r\u00e4umte ein, dass noch \u201eziemlich viel Arbeit vor uns liegt\u201c. Die Kommission arbeite gemeinsam mit den Mitgliedstaaten intensiv an den technischen Problemen. Ein Krisentreffen mit Flughafenmanagern war bereits anberaumt. Die Grenzschutzagentur Frontex wei\u00df, dass die Erstregistrierung viel Zeit in Anspruch nimmt. Das System werde sich aber in ein bis zwei Jahren einspielen, sobald die Mehrheit der Reisenden erfasst sei und die Folgeeintritte deutlich schneller abgefertigt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:wpl@heise.de\" title=\"Werner Pluta\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wpl<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. 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