{"id":68456,"date":"2026-07-15T05:44:13","date_gmt":"2026-07-15T05:44:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/68456\/"},"modified":"2026-07-15T05:44:13","modified_gmt":"2026-07-15T05:44:13","slug":"china-abhaengigkeit-polen-entdeckt-seinen-industrieabfall-als-rohstoffschatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/68456\/","title":{"rendered":"China-Abh\u00e4ngigkeit: Polen entdeckt seinen Industrieabfall als Rohstoffschatz"},"content":{"rendered":"<p>Die Grupa Virtus ist ein Unternehmen in Polens Hauptstadt Warschau, das bis Februar unter dem Namen Raen t\u00e4tig war. Mit der Umbenennung hat die Firma auch ihre strategische Ausrichtung ver\u00e4ndert. Nach Investitionen in die Photovoltaik-Branche setzt Grupa Virtus nun auf die R\u00fcstungsindustrie und Dual-Use-Technologien. Sie stellt Finanzierungen f\u00fcr Akteure aus dem Milit\u00e4r- und Sicherheitsbereich bereit. Und das Unternehmen plant die R\u00fcckgewinnung <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/05\/20\/eu-kommission-kritische-rohstoffe\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">kritischer Rohstoffe<\/a> aus bergbaulichen Altlasten.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe des Konzerns erkl\u00e4rt das Projekt. Andrzej Kensbok ist der stellvertretende Vorstandsvorsitzender der Grupa Virtus, er war zuvor Finanzvorstand von KGHM Polska Mied\u017a, Pr\u00e4sident von KGHM International in Toronto sowie Vorstandsvorsitzender der Polnischen R\u00fcstungsgruppe.<\/p>\n<p>Euronews-Journalistin Aleksandra Ga\u0142ka-Reczko hat ihn befragt. Beginnen wir mit der naheliegendsten Frage: Was sind eigentlich kritische Rohstoffe?<\/p>\n<p>Andrzej Kensbok: Das sind Rohstoffe, die f\u00fcr die Herstellung all dessen gebraucht werden, ohne das eine Wirtschaft zum Stillstand kommt: Mikroprozessoren, Stromwandler, Motoren, Antriebe, Waffen, Hochleistungselektronik, Fahrzeuge, Batterien. Sie entscheiden dar\u00fcber, ob ein Staat oder eine Region im globalen Wettbewerb mithalten kann.<\/p>\n<p>Zu diesen Elementen geh\u00f6ren vor allem Metalle: Nickel, Lithium, Kobalt, Kadmium, Antimon, Bismut, Wolfram oder Molybd\u00e4n sowie sogenannte Metalle der Seltenen Erden wie Neodym oder Hafnium.<\/p>\n<p>Bei welchen dieser Rohstoffe hat Polen das gr\u00f6\u00dfte Produktionspotenzial?<\/p>\n<p>Polen verf\u00fcgt \u00fcber reiche Kupfervorkommen, die seit mehr als 60 Jahren abgebaut werden, vor allem durch KGHM Polska Mied\u017a. Inzwischen treten auch neue Investoren auf. Metallische Lagerst\u00e4tten sind meist polymetallisch, mit einem dominierenden Metall und einer ganzen Reihe begleitender Metalle. In polnischen Lagerst\u00e4tten begleitet Kupfer vor allem Silber, aber auch Gold, Palladium, Platin und Nickel. Gr\u00f6\u00dfere Mengen seltener Erden finden sich dort jedoch nicht.<\/p>\n<p>Historisch wurde in Polen in den 1940er- und 1950er-Jahren auch Uran abgebaut. Der Urangehalt dieser Lagerst\u00e4tten war jedoch zu gering, um einen wirtschaftlichen Abbau zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Das sind jedoch nur nat\u00fcrliche Lagerst\u00e4tten. Daneben gibt es einen zweiten Typ \u2013 sogenannte anthropogene Lagerst\u00e4tten.<\/p>\n<p>Anthropogene? Der Name legt nahe, dass der Mensch dahintersteht&#8230;<\/p>\n<p>Genau, es handelt sich um Lagerst\u00e4tten, die aus menschlicher T\u00e4tigkeit entstanden sind und heute fast wie nat\u00fcrliche Vorkommen behandelt werden. Das sind Industrieabf\u00e4lle, die vor 50 bis 60 Jahren auf Halden gekippt wurden, weil die damalige H\u00fcttentechnologie nicht alle Elemente gewinnen konnte oder weil bestimmte Metalle schlicht nicht nachgefragt waren. Heute liegen sie als Schlackenhalden der H\u00fcttenindustrie da und enthalten betr\u00e4chtliche Mengen wertvoller Elemente.<\/p>\n<p>Der zweite Bereich sind laufend anfallende Abf\u00e4lle: Kabel, Elektronik, Motoren, Schneidwerkzeuge, aber auch S\u00e4uren und Industriefl\u00fcssigkeiten mit gel\u00f6sten Metallen. Diese Stoffstr\u00f6me werden heute vor allem mit hydrometallurgischen Verfahren und Elektroraffination aufbereitet. So gelangen die Rohstoffe wieder in den Wirtschaftskreislauf \u2013 teils als reines Metall, teils als Salze oder Metalloxide.<\/p>\n<p>Verstehe ich richtig, dass neben nat\u00fcrlichen Elementen auch Abf\u00e4lle unser Rohstoff sind?<\/p>\n<p>Ja. Polen erzeugt wie alle hochentwickelten L\u00e4nder viele laufende Abfallstr\u00f6me, die sich weiterverarbeiten lassen. Der Recyclingkreislauf f\u00fcr Autobatterien beginnt bereits. Nach etwa zehn Jahren verlieren sie so viel Kapazit\u00e4t, dass sie ausgetauscht werden m\u00fcssen. Dann werden sie neutralisiert, zerkleinert und auf Siebanlagen getrennt. Das entstehende Gemisch ist reich an unterschiedlichen Elementen. Es wird gehandelt und weiter gereinigt.<\/p>\n<p>Dieser Prozess wird sich verst\u00e4rken. Europa hat vor gut einem Jahrzehnt mit der Elektrifizierung des Verkehrs begonnen, die \u00e4ltesten Batterien werden bereits ausgemustert. In f\u00fcnf bis zehn Jahren werden auch gro\u00dfe netzgekoppelte Energiespeicher ins Recycling gehen. Die Wirtschaft wird damit immer zirkul\u00e4rer und st\u00fctzt sich st\u00e4rker auf Sekund\u00e4rrohstoffe.<\/p>\n<p>Aus meiner Zeit bei KGHM wei\u00df ich, dass die polnische Kupferproduktion des Unternehmens bereits zu rund 30 Prozent aus Schrottkupfer besteht. KGHM nutzt diese Form der Sekund\u00e4rverwertung sehr breit, ebenso viele andere H\u00fcttenbetriebe.<\/p>\n<p>Noch vor gut einem Jahrzehnt wurde in Debatten \u00fcber Recycling h\u00e4ufig gefragt, ob dieser Prozess nicht teurer sei als der Abbau neuer Rohstoffe. Lohnt sich das?<\/p>\n<p>Es lohnt sich. In einigen technologischen Prozessen ist ein Einsatz aus dem Recycling unverzichtbar \u2013 etwa in der Stahlproduktion, die auf Schrott als Einsatzmaterial angewiesen ist. In anderen Bereichen entscheiden Nachfrage, Angebot und Metallpreise.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren kostete Kupfer 1.500 Dollar je Tonne \u2013 damals ein guter Preis. Heute liegt es zwischen 10.000 und 12.000 Dollar je Tonne, die \u00f6konomischen Rahmenbedingungen sind v\u00f6llig andere. Deshalb ist das Recycling von Kupfer und seinen Begleitmetallen heute ausgesprochen lukrativ. \u00c4hnlich im Bergbau: Gruben, die vor wenigen Jahren als unrentabel galten, gehen wieder in Betrieb.<\/p>\n<p>Bergbau- und Metallurgieunternehmen achten stark auf den <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/tag\/umweltschutz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Umweltschutz<\/a>. Aber selbst eine v\u00f6llig n\u00fcchterne wirtschaftliche Rechnung zeigt, dass die R\u00fcckgewinnung von Sekund\u00e4rrohstoffen sehr profitabel ist \u2013 zumal h\u00e4ufig Edelmetalle wie Gold, Palladium oder Platin beteiligt sind, die derzeit extrem hohe Preise erzielen.<\/p>\n<p>Welche Branchen haben Interesse an Rohstoffen aus dem Recycling?<\/p>\n<p>Abnehmer wie die Automobilindustrie oder die R\u00fcstungsbranche kaufen Metalle in klar definierten Formen: Legierungen, Profile, Bleche, St\u00e4be mit genau festgelegter Reinheit. Die Produkte unserer Elektroraffinationsanlage m\u00fcssen daher in einer H\u00fctte weiterverarbeitet werden, bis sie den Spezifikationen der Endkunden entsprechen. F\u00fcr Batterien sind das etwa genau definierte Cadmium- oder Lithium-Nanopulver, f\u00fcr Panzerabwehrmunition Wolframst\u00e4be, aus denen die Geschosskerne geschmiedet werden.<\/p>\n<p>Solche fertigen Produkte liefern wir nicht selbst. Wir wissen aber, dass unsere Metalle in diese Branchen sowie in die Produktion von Elektronik und Elektromotoren gehen. Wir sehen uns daher als Zulieferer f\u00fcr H\u00fcttenbetriebe mit h\u00f6herer Wertsch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Sie sprachen vom reichen Bergbauerbe Polens im Vergleich zu anderen EU- und Weltm\u00e4rkten. Welche Position verschafft uns dieser Hintergrund heute?<\/p>\n<p>Polen geh\u00f6rt zu den wenigen L\u00e4ndern, in denen Bergbau und H\u00fcttenwesen seit 100, teils seit 200 Jahren betrieben werden \u2013 \u00e4hnlich wie in Deutschland, in Teilen Spaniens, Frankreichs, Schwedens, in den Vereinigten Staaten, sp\u00e4ter auch in Chile, Peru und China.<\/p>\n<p>Durch diese Tradition gibt es in Polen mehr als 1.350 lokalisierte und beschriebene Abraumhalden, einige sind bis zu 200 Jahre alt. Nicht alle sind hinsichtlich ihres Metallgehalts untersucht, viele sind aber im Staatlichen Geologischen Institut dokumentiert. Diese Halden sind gro\u00dfe Reserven, attraktiv gerade deshalb, weil bestimmte Elemente fr\u00fcher nicht nachgefragt wurden oder die Technik zu ihrer Gewinnung fehlte.<\/p>\n<p>Polen ist zudem ein Handels- und Transitland mit vielen Firmen, die mit modernen Industrieabf\u00e4llen handeln. Hier kreuzen sich Handelswege zahlreicher Abfallstr\u00f6me, die statt des Exports vor Ort gereinigt werden k\u00f6nnen. Das verringert den CO\u2082-Fu\u00dfabdruck.<\/p>\n<p>Wir sind der Auffassung, dass Abf\u00e4lle dort verarbeitet werden sollten, wo sie lagern. Unsere Technologie ist mobil und in Containern untergebracht. Der gesamte Prozess des Zerkleinerns, Aufschlusses in S\u00e4ure, der Elektroraffination und Neutralisation passt auf eine kleine, befestigte Fl\u00e4che. Die Anlage ist zudem energiearm, sodass sie auch an Standorten ohne Hochspannungsanschluss betrieben werden kann.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte erg\u00e4nzen, dass es sich um eine in Polen entwickelte Technologie handelt. Professor Przemys\u0142aw \u0141o\u015b und sein Team an der Technischen Universit\u00e4t Breslau entwickeln sie zusammen mit der Schlesischen Technischen Universit\u00e4t und dem Institut f\u00fcr Nichteisenmetalle. In China und Chile wurde sie bereits erfolgreich eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ist diese Technologie f\u00fcr die lokale Umwelt sicher?<\/p>\n<p>Ja. In anderer Gr\u00f6\u00dfenordnung ist sie seit 60 Jahren im polnischen Kupferbecken, in Legnica und G\u0142og\u00f3w, in Betrieb. Bei KGHM wird s\u00e4mtliches produziertes Kupfer elektroraffiniert. Es handelt sich um ein geschlossenes System. S\u00e4uren werden nicht abgelassen, sondern elektrolytisch gereinigt und wiederverwendet, wobei sich das Metall an den Kathoden abscheidet. So lassen sich einzelne Metalle wie Tantal, Niob, Antimon, Hafnium, Gold oder Silber aus sehr komplexen und inhomogenen Abfallstr\u00f6men isolieren \u2013 unter umweltfreundlichen Bedingungen und ohne neue Abf\u00e4lle zu erzeugen. Abgesehen von Naturkatastrophen besteht kein Risiko einer planm\u00e4\u00dfigen Belastung der Umwelt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich entstehen wie bei jeder bergbaulichen T\u00e4tigkeit Staub und Abgase von Baggern. Das unterscheidet sich aber nicht von anderen Industrieanlagen in der Nachbarschaft. Abf\u00e4lle liegen selten im Stadtzentrum, sondern meist auf alten Industriefl\u00e4chen. Wir wollen sie nicht wegfahren, sondern direkt dort verarbeiten, wo sie sich befinden.<\/p>\n<p>Da die Technologie so mobil ist \u2013 denken Sie \u00fcber einen Export dieser Dienstleistung in andere EU-Staaten oder auf globale M\u00e4rkte nach?<\/p>\n<p>Ja, und das beginnt bereits. Wir befinden uns in der Phase des proof of concept. Die erste Anlage entsteht in Niederschlesien. \u00c4hnliche Anlagen laufen bereits in China und Chile, ebenfalls unter der Aufsicht des Teams von Professor \u0141o\u015b. Die dortigen Erfahrungen zeigen, dass sich auch die polnischen Abf\u00e4lle erfolgreich aufbereiten lassen.<\/p>\n<p>Wir wollen aber einen greifbaren Nachweis: eine laufende Anlage, die die R\u00fcckgewinnungsquoten, die Reinheit des Materials, den Energiebedarf und die Durchsatzmenge belegt. Erst dann sind wir bereit f\u00fcr die Expansion und die Bestellung weiterer, gr\u00f6\u00dferer Anlagen.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Sie auf dieser Basis bereits absch\u00e4tzen, in welcher Gr\u00f6\u00dfenordnung Sie produzieren werden, etwa in Tonnen Metall pro Jahr?<\/p>\n<p>Das h\u00e4ngt vollst\u00e4ndig davon ab, welche Metalle wir zur\u00fcckgewinnen. Das wiederum richtet sich danach, mit welchen Haldenbesitzern wir zusammenarbeiten und welche Umweltgenehmigungen wir erhalten. Die Halden enthalten unterschiedliche Elemente, daher m\u00fcssen wir f\u00fcr jede die passenden Kathoden und elektrochemischen Prozesse ausw\u00e4hlen.<\/p>\n<p>M\u00f6glich ist auch eine Zusammenarbeit mit Recyclingfirmen, die bereits zuvor aufbereitete Materialien verkaufen. Mit unserer Technologie k\u00f6nnten sie diese bis zu reinem Metall reinigen und mit h\u00f6herer Marge vermarkten. In einem solchen Modell w\u00fcrden wir als Dienstleister auftreten, der bestimmte Abfallstr\u00f6me reinigt.<\/p>\n<p>In der Europ\u00e4ischen Union wird derzeit viel dar\u00fcber diskutiert, sich von China unabh\u00e4ngiger zu machen. Die Konflikte rund um die Stra\u00dfe von Hormus haben gezeigt, wie fragil Lieferketten sein k\u00f6nnen. Kann Recyclingtechnologie real dazu beitragen, die EU und Polen von chinesischen Lieferungen unabh\u00e4ngiger zu machen?<\/p>\n<p>China betreibt seit mindestens 20 Jahren eine bewusst gesteuerte Rohstoffpolitik, deren Ergebnisse wir jetzt sehen. Europa hat sich vorgenommen, bis 2030 mindestens 25 Prozent der Produktion kritischer Rohstoffe aus Recycling zu decken. Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Derzeit deckt die Union diesen Bedarf erst zu etwa 2 bis 3 Prozent. Die Frist d\u00fcrfte schwer zu halten sein und vermutlich nach hinten r\u00fccken. Dennoch ist klar: Die EU hat das Problem erkannt und stellt finanzielle und regulatorische Instrumente bereit, um die Entwicklung entsprechender Technologien zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Das ist auch eine Folge von rund 30 Jahren Vernachl\u00e4ssigung des europ\u00e4ischen Bergbaus. Unsere Technologie antwortet auf diesen Bedarf. Selbst wenn sie den Anteil nur um ein weiteres halbes Prozent erh\u00f6ht, w\u00e4re das ein Schritt in die richtige Richtung. L\u00e4sst sie sich zudem leicht auf die unterschiedlichen chemischen Zusammensetzungen der in Europa anfallenden Abf\u00e4lle anpassen, er\u00f6ffnet das die Chance, die Kapazit\u00e4ten rasch auszuweiten.<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/01\/27\/verliert-europa-den-wettlauf-um-die-sicherung-seltener-erden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Critical Raw Materials Act<\/a> sieht F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten f\u00fcr solche Projekte vor. In Polen haben bereits zwei Programme Unterst\u00fctzung erhalten, eines davon ist das Unternehmen Elemental Holdings. Auch wir wollen die entsprechenden Kriterien erf\u00fcllen und F\u00f6rdermittel beantragen.<\/p>\n<p>Nehmen Sie Ver\u00e4nderungen in der Rohstoffpolitik der EU wahr?<\/p>\n<p>Ich glaube nicht, dass sich die Lage grundlegend \u00e4ndern wird: Die Menge dieser kritischen Elemente w\u00e4chst nicht, und China wird seine Rohstoffpolitik ebenfalls nicht umstellen. Das Problem bleibt f\u00fcr mehrere Jahrzehnte bestehen. Deshalb wollen viele Staaten, darunter die EU und die USA, sich aus dem chinesischen Griff l\u00f6sen. Sie bieten Finanzierung und erleichterte Genehmigungsverfahren, um kritische Rohstoffe im eigenen Hoheitsgebiet zu produzieren. Wir nennen diese Rohstoffe \u201echinesisch\u201c, obwohl sie nicht immer aus China stammen. Sie werden dort jedoch raffiniert und von chinesischen Unternehmen kontrolliert.<\/p>\n<p>Wir stehen f\u00fcr freien Markt und arbeiten auch mit chinesischen Partnern zusammen. Die Europ\u00e4ische Union m\u00f6chte aber, dass ein Teil der kritischen Rohstoffe aus EU-internen, sekund\u00e4ren Quellen stammt \u2013 also aus Recycling.<\/p>\n<p>Angesichts der beeindruckenden Zahl untersuchter Halden \u2013 kann Polen in dieser Branche eine f\u00fchrende Rolle \u00fcbernehmen?<\/p>\n<p>Ganz sicher, und zwar nicht nur wegen der Vielzahl der Halden, sondern vor allem wegen der industriellen Tradition. Produkte aus Polens Schwerindustrie und Bergbau genie\u00dfen weltweit automatisch hohes Ansehen. Wir haben international bekannte Hersteller von Bergbaumaschinen wie Famur oder Fasing. KGHM ist der siebtgr\u00f6\u00dfte Kupferproduzent und der zweitgr\u00f6\u00dfte Silberproduzent der Welt \u2013 ein Unternehmen, das auch an der Londoner Metallb\u00f6rse hohes Renommee genie\u00dft.<\/p>\n<p>Polen gilt heute als Land mit stark wachsender R\u00fcstungsindustrie und hat seine automobilen Ambitionen nie aufgegeben. Wir produzieren Lastwagen, Busse und Gabelstapler. Ich w\u00fcrde mir sehr w\u00fcnschen, dass wir bald auch den <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/05\/15\/millionenfabrik-polen-erstes-eigenes-e-auto\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ersten polnischen Elektro-Pkw<\/a> bauen.<\/p>\n<p>Polen ist zudem f\u00fcr seine Werften und die Bahnindustrie bekannt \u2013 Bereiche, in die die R\u00fcckgewinnung von Metallen aus Industrieabf\u00e4llen gut hineinpasst. Wir haben bereits mehrere gro\u00dfe, grenz\u00fcberschreitend t\u00e4tige Recyclingunternehmen \u2013 Eneris, Orze\u0142 Bia\u0142y, MoBruk, FBSerwis sowie Elemental, das weitere Werke baut. Das n\u00e4hrt die Hoffnung, dass eine verteilte, aber gut gesteuerte Abfallverarbeitung die Grundlage f\u00fcr eine breit aufgestellte Industrie zur R\u00fcckgewinnung kritischer Elemente in Polen schaffen kann. In dieser Warteschlange stehen viele L\u00e4nder \u2013 Schweden, Finnland, Deutschland, Tschechien und, wie ich glaube, bald auch die Ukraine. Ich bin dennoch zuversichtlich, dass Polen hier eine bedeutende Rolle spielen kann.<\/p>\n<p>Wird Recycling den Bergbau ersetzen oder ihn eher erg\u00e4nzen?<\/p>\n<p>Es wird ihn erg\u00e4nzen. Bergbau wird weiter stattfinden, vermutlich jedoch weniger in Polen und der EU, sondern st\u00e4rker in Afrika, Australien und S\u00fcdamerika. Mit Sicherheit wird auch Russland irgendwann wieder in dieses Gesch\u00e4ft einsteigen, vielleicht nach dem Ende des Krieges in der Ukraine. Heimischer Bergbau wird sich also weiterentwickeln, parallel dazu w\u00e4chst die Nachfrage nach Recycling.<\/p>\n<p>KGHM stellte fr\u00fcher 10 Prozent seines Kupfers aus Schrott her, heute sind es 30 Prozent. Niemand sieht darin ein Problem, denn es ist derselbe vollwertige Rohstoff. Darin liegt die Eleganz von Metallen: Sie sind zu hundert Prozent recycelbar, \u00e4hnlich wie Stahl oder Glas. Der Abbau nat\u00fcrlicher Lagerst\u00e4tten wird dagegen immer teurer und schwieriger. Schon heute entstehen manche Minen in H\u00f6hen von rund 4.500 Metern \u00fcber dem Meeresspiegel.<\/p>\n<p>Ich denke, wir haben eine Grenze \u00fcberschritten: Schrott und Abf\u00e4lle gelten nicht mehr als etwas Besch\u00e4mendes. Wer sich heute mit der R\u00fcckgewinnung von Sekund\u00e4rrohstoffen besch\u00e4ftigt, st\u00f6\u00dft auf gro\u00dfes Interesse \u2013 auch bei Finanzinstituten, die bereit sind zu investieren. Das gesellschaftliche Bild von Recycling hat sich deutlich gewandelt \u2013 von negativ zu positiv.<\/p>\n<p>Wann werden Sie Ihren Kunden die ersten recycelten Rohstoffe anbieten?<\/p>\n<p>Der Prozess braucht Zeit, doch wir rechnen damit, die erste Anlage im Winter dieses Jahres in Betrieb zu nehmen. Wenn die Witterung ein vollst\u00e4ndiges Hochfahren zul\u00e4sst, werden wir sie direkt im Produktionsbetrieb testen. Dann k\u00f6nnen wir zeigen, welche Elemente wir zur\u00fcckgewinnen, in welchen Mengen und mit welcher Effizienz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Grupa Virtus ist ein Unternehmen in Polens Hauptstadt Warschau, das bis Februar unter dem Namen Raen t\u00e4tig&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":68457,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[13993,21,22,1885,2043,1391,1462],"class_list":["post-68456","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-bergbau","tag-eu","tag-europaeische-union","tag-polen","tag-recycling","tag-rohstoff","tag-verteidigungspolitik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68456","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68456"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68456\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68457"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68456"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68456"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68456"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}