{"id":69550,"date":"2026-07-16T14:04:23","date_gmt":"2026-07-16T14:04:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/69550\/"},"modified":"2026-07-16T14:04:23","modified_gmt":"2026-07-16T14:04:23","slug":"dma-eu-kommission-zwingt-google-zur-freigabe-von-suchdaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/69550\/","title":{"rendered":"DMA: EU-Kommission zwingt Google zur Freigabe von Suchdaten"},"content":{"rendered":"<p>Die EU-Kommission greift im Rahmen des <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/thema\/Digital-Markets-Act\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Digital Markets Act (DMA)<\/a> zu einem neuen, rechtlich bindenden Werkzeug. Anstelle von milliardenschweren Sanktionen hat die Br\u00fcsseler Regierungsinstitution nun ein Paket verbindlicher Spezifikationsma\u00dfnahmen gegen Google verh\u00e4ngt. Sie sollen sicherstellen, dass Konkurrenten endlich faire Bedingungen vorfinden und die gro\u00dfe Marktmacht des Suchmaschinen-Giganten aufgeweicht wird. Ein Teil der Vorgaben ist die Verpflichtung f\u00fcr Google, seine wertvollen Suchdaten mit alternativen Suchdiensten zu teilen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Mit dem Schritt reagiert die Kommission auf anhaltende Kritik, dass der DMA bislang kaum praktische Verbesserungen f\u00fcr den europ\u00e4ischen Digitalmarkt gebracht habe. Die am Donnerstag <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/en\/ip_26_1634\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">ver\u00f6ffentlichten Auflagen<\/a> betreffen eine wesentliche S\u00e4ule des Google-\u00d6kosystems. So muss Google ab Januar 2027 jene Suchdaten, die es zur Optimierung seiner eigenen Dienste erhebt, auch Drittanbietern zur Verf\u00fcgung stellen. Die genauen Ma\u00dfnahmen ver\u00f6ffentlicht die Kommission unter dem Aktenzeichen DMA.100209 im Fallregister. Das schlie\u00dft ausdr\u00fccklich auch KI-Chatbots ein, die Suchfunktionen anbieten.<\/p>\n<p>Bisher profitierte die Google-Mutter Alphabet von einem selbstverst\u00e4rkenden Feedback-Loop: Mehr Nutzer brachten mehr Daten, was wiederum die eigenen Suchalgorithmen und KI-Modelle verbesserte. Dem will die Kommission einen Riegel vorschieben.<\/p>\n<p>Mehrstufiges Anonymisierungsverfahren<\/p>\n<p>Unter <a href=\"https:\/\/digital-markets-act.ec.europa.eu\/developer-portal\/data-access\/alphabet-specification-proceedings-sharing-google-search-data_en\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">strengen Datenschutzauflagen<\/a> muss Google so k\u00fcnftig Suchanfragen, Klickpfade und Ranking-Informationen an berechtigte Drittanbieter weitergeben. Damit dieser Transfer nicht die Privatsph\u00e4re der Verbraucher gef\u00e4hrdet, schreibt die Exekutivinstanz eine Kombination aus technischen und vertraglichen Schutzma\u00dfnahmen vor. Sie sollen eine Identifizierung der User auf ein Minimum reduzieren, ohne den Nutzen der Daten f\u00fcr andere Suchdienste g\u00e4nzlich zu schm\u00e4lern.<\/p>\n<p>Die dauerhafte Wirksamkeit dieser Anonymisierungsmethoden will die Kommission regelm\u00e4\u00dfig auf potenzielle neue Bedrohungen und Angriffe hin pr\u00fcfen. Das mehrstufige Verfahren steht nach ihren Angaben <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/EU-Datenschuetzer-Neue-Leitlinien-fuer-Anonymisierung-und-Web-Scraping-11358641.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im Einklang mit Leitlinien auch des Europ\u00e4ischen Datenschutzausschusses (EDSA<\/a>).<\/p>\n<p>Die Empf\u00e4nger d\u00fcrfen die Daten verwenden, um das eigene Verst\u00e4ndnis von Suchanfragen zu optimieren, Rechtschreibkorrekturen zu verbessern und KI-Systeme mit verl\u00e4sslichen Trainingsdaten zu f\u00fcttern. Von der Teilungspflicht explizit ausgeschlossen bleibt die eigentliche Suchtechnologie: Google muss seine gesch\u00fctzten, propriet\u00e4ren Algorithmen also nicht offenlegen.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>Der Zugang zu den Daten soll \u00fcber eine Schnittstelle (API) zu fairen, vern\u00fcnftigen und diskriminierungsfreien Bedingungen (FRAND) erfolgen. Um Missbrauch zu verhindern, gelten f\u00fcr den Zugriff strenge Berechtigungs- und Audit-Regeln, die kontinuierlich \u00fcberpr\u00fcft werden. Zudem m\u00fcssen die profitierenden Drittanbieter einen fairen Anteil an den Betriebskosten der Datenbereitstellung tragen. Google wird auch das Recht einger\u00e4umt, im Einzelfall vor der Freigabe zu pr\u00fcfen, ob die Weitergabe an einen bestimmten Drittanbieter schwerwiegende Risiken f\u00fcr die Cybersicherheit oder den Datenschutz birgt.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Zum anderen <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/EU-Vorgaben-Android-muss-fuer-KI-Assistenten-von-Fremdanbietern-komplett-oeffnen-11367648.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">m\u00fcssen Android-Ger\u00e4te bis Juli 2027 so angepasst werden<\/a>, dass konkurrierende KI-Dienste gleichberechtigten Zugriff auf Systemfunktionen erhalten. Die Ma\u00dfnahmen sind rechtlich bindend, allerdings bleibt Google das Recht auf eine gerichtliche \u00dcberpr\u00fcfung der Beschl\u00fcsse unbenommen. Die praktische Umsetzung und Nutzbarkeit f\u00fcr die Konkurrenz soll schrittweise erfolgen.<\/p>\n<p>Zivilgesellschaft forderte h\u00e4rtere Konsequenzen<\/p>\n<p>Der Beschluss folgt auf eine kontroverse Vorgeschichte. Erst vor wenigen Monaten gab es Berichte, wonach Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen pers\u00f6nlich eingegriffen habe, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Stopp-von-Google-Strafe-Schwere-Vorwuerfe-gegen-von-der-Leyen-11284817.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">um eine bereits fest eingeplante Strafe in Milliardenh\u00f6he gegen den US-Giganten in letzter Minute zu stoppen<\/a>. Die Wettbewerbsh\u00fcter hatten dem Vernehmen nach eine erdr\u00fcckende Beweislast daf\u00fcr zusammengetragen, dass Google systematisch gegen die weitreichenden Pflichten verst\u00f6\u00dft, die Google seit 2023 als \u201eGatekeeper\u201c unter dem DMA erf\u00fcllen muss.<\/p>\n<p>Die Kommission setzte dem Konzern bereits im Januar eine Frist von sechs Monaten, um tiefgreifende \u00c4nderungen vorzunehmen. Dass statt der erwarteten harten Sanktionen nun nur ein kooperatives Spezifikationsverfahren ohne Bu\u00dfgelder verabschiedet wurde, d\u00fcrfte f\u00fcr Unmut sorgen.<\/p>\n<p>In der Zivilgesellschaft regte sich bereits heftiger Widerstand gegen das vermeintliche Z\u00f6gern der Politik. Organisationen aus ganz Europa appellierten an die Kommissionspr\u00e4sidentin, den DMA konsequent zu vollziehen. Um den Vorw\u00fcrfen der Tatenlosigkeit zu begegnen, forcierte die Br\u00fcsseler Beh\u00f6rde die nun abgeschlossenen Pr\u00e4zisierungsverfahren. Nachdem sie im April Google empfahl, Such- und Gemini-Daten herauszugeben sowie <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Interoperabilitaet-mit-Googles-Android-EU-Kommission-schlaegt-Massnahmen-vor-11274212.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mehr Interoperabilit\u00e4t bei Android umzusetzen<\/a>, sind die Vorgaben nun verpflichtend.<\/p>\n<p>Google argumentiert dagegen, dass solche kleinteiligen Regeln die Privatsph\u00e4re gef\u00e4hrdeten. Besonders besorgniserregend sei, dass die privaten Suchanfragen der Europ\u00e4er einer Vielzahl von Firmen offengelegt w\u00fcrden \u2013 ohne angemessene Anonymisierung der Daten und ohne Wissen oder Zustimmung der Nutzer. Dies w\u00fcrde auch Gesch\u00e4ftsgeheimnisse gef\u00e4hrden und die nationale Sicherheit bedrohen.<\/p>\n<p>Die politische Dimension bleibt brisant: Die f\u00fcr Wettbewerb zust\u00e4ndige Kommissionsvizepr\u00e4sidentin Teresa Ribera <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Digital-Markets-Act-EU-Wettbewerbskommissarin-wirft-USA-Erpressung-vor-11095767.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">griff die Trump-Regierung in den USA im November an<\/a> und warf ihr vor, massiven Druck auszu\u00fcben, um die europ\u00e4ischen Tech-Regeln zu schw\u00e4chen. Die neuen Spezifikationen sind so auch ein Balanceakt zwischen dem Willen zur Marktregulierung und der Realpolitik aus \u00dcbersee.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:afl@heise.de\" title=\"Andreas Floemer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">afl<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen \u2013 ohne Verpflichtung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die EU-Kommission greift im Rahmen des Digital Markets Act (DMA) zu einem neuen, rechtlich bindenden Werkzeug. 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