{"id":70198,"date":"2026-07-17T13:26:10","date_gmt":"2026-07-17T13:26:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/70198\/"},"modified":"2026-07-17T13:26:10","modified_gmt":"2026-07-17T13:26:10","slug":"eu-verbietet-import-von-sudanesischem-gold","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/70198\/","title":{"rendered":"EU verbietet Import von sudanesischem Gold"},"content":{"rendered":"<p class=\"post-teaser\">Br\u00fcssel hat den Import von Gold aus Sudan verboten, ebenso den Export von Quecksilber und Zyanid dorthin. Gold ist eine zentrale Finanzierungsquelle der Kriegswirtschaft. Ein Gro\u00dfteil des Goldes gelangt \u00fcber die Emirate auf den Weltmarkt.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tvom 17. Juli 2026, 15:11 Uhr\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t6 Min<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/596987423-1024x683.jpg\" alt=\"EU verbietet Import von sudanesischem Gold\" fetchpriority=\"high\" decoding=\"sync\" width=\"1024\" height=\"683\"\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tpicture alliance \/ AP Photo\/Mohnd Blal<\/p>\n<p>Der Rat der Europ\u00e4ischen Union hat am 13. Juli neue Sanktionen gegen Sudan beschlossen, die gezielt den Goldhandel des Landes treffen. Die Ma\u00dfnahme verbietet den Kauf, die Einfuhr und die Verbringung von Gold sudanesischen Ursprungs sowie den Verkauf, die Lieferung, die Verbringung und die Ausfuhr von Quecksilber und Zyanid nach Sudan. Beide Chemikalien werden im Goldbergbau eingesetzt. Die Verbote erfassen auch verbundene Dienstleistungen, darunter technische Unterst\u00fctzung, Vermittlungsgesch\u00e4fte und Finanzhilfen. F\u00fcr Lieferungen von Quecksilber und Zyanid zu bestimmten humanit\u00e4ren Zwecken, bei Gesundheitsnotf\u00e4llen und zur Katastrophenhilfe sind gezielte Ausnahmen vorgesehen.<\/p>\n<p>Gold ist nach Einsch\u00e4tzung des Rats zu einer zentralen Finanzierungsquelle des Konflikts geworden. Der Krieg zwischen der sudanesischen Armee (SAF) und den paramilit\u00e4rischen Rapid Support Forces (RSF) l\u00e4uft seit April 2023. Der einschl\u00e4gige EU-Sanktionsrahmen besteht seit Oktober 2023 und wurde im Januar 2026 durch Sanktionen gegen sieben weitere Personen versch\u00e4rft. Die neue Ma\u00dfnahme setzt eine Ank\u00fcndigung der EU-Au\u00dfenbeauftragten vom 21. April 2026 um, wonach weitere Sanktionen gegen die sogenannte Kriegswirtschaft folgen sollten.<\/p>\n<p>Wie viel Gold aus Sudan wirklich in den Weltmarkt flie\u00dft<\/p>\n<p>Sudan meldete f\u00fcr 2025 eine offizielle Goldproduktion von rund 70 Tonnen. Finanzminister Gibril Ibrahim bezifferte die offiziellen Exporte auf weniger als 20 Tonnen, Zahlen der sudanesischen Zentralbank weisen f\u00fcr die offiziellen Kan\u00e4le sogar nur 14,7 Tonnen aus, mit denen 2025 Erl\u00f6se von 1,536 Mrd. USD erzielt wurden. Wegen des umfangreichen informellen Kleinbergbaus und nicht erfasster Handelsstr\u00f6me d\u00fcrfte die tats\u00e4chliche F\u00f6rdermenge h\u00f6her liegen, belastbare Sch\u00e4tzungen sind aber schwierig. UN-Experten und Marktanalysen gehen davon aus, dass mehr als die H\u00e4lfte des sudanesischen Goldes au\u00dferhalb formeller Kan\u00e4le gehandelt oder au\u00dfer Landes gebracht wird. Mit einer offiziellen Produktion von 70 Tonnen z\u00e4hlt Sudan zu den bedeutenden Goldproduzenten Afrikas, nicht aber zu den zehn gr\u00f6\u00dften Produzenten weltweit. Gemessen an einer globalen Minenproduktion von rund 3.672 Tonnen im Jahr 2025 entspricht das einem Anteil von knapp 2 %.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil l\u00e4uft \u00fcber Dubai<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer, wahrscheinlich \u00fcberwiegender Teil des informell gehandelten Goldes gelangt nach Einsch\u00e4tzung von Chatham House und SWISSAID direkt oder \u00fcber Nachbarl\u00e4nder in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dubai spielt dabei als internationales Handels- und Raffineriezentrum eine Schl\u00fcsselrolle. Nach dem Einschmelzen und Vermischen l\u00e4sst sich die physische Herkunft des Goldes nur noch schwer feststellen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Material die Herkunfts- und Sorgfaltsanforderungen der LBMA oder die Lieferstandards der COMEX erf\u00fcllt. Vielmehr besteht das Risiko, dass Konfliktgold durch unzureichende Kontrollen, falsche Dokumentation oder Vermischung in formelle Lieferketten gelangt.<\/p>\n<p>SWISSAID sch\u00e4tzt, dass zwischen 2012 und 2024 mindestens 400 Tonnen Gold aus Sudan geschmuggelt wurden. Etwa die H\u00e4lfte davon ging direkt in die Vereinigten Arabischen Emirate, ein gro\u00dfer Teil der \u00fcbrigen Menge gelangte zun\u00e4chst in Nachbarl\u00e4nder und von dort \u00fcberwiegend ebenfalls in die Emirate. Einem von Sudan Tribune zitierten Bericht zufolge transportierte die RSF 2024 und Anfang 2025 zudem Gold im Wert von mehr als 850 Mio. USD aus Darfur und Kordofan.<\/p>\n<p>Bereits vor der EU-Entscheidung hatten sich die offiziellen Beziehungen zwischen Sudan und den Emiraten verschlechtert. Sudans armeenahe Regierung brach im Mai 2025 die diplomatischen Beziehungen zu Abu Dhabi ab und warf den Emiraten Waffenlieferungen an die RSF vor. Die VAE weisen diese Vorw\u00fcrfe zur\u00fcck. Sudans registrierte Goldlieferungen an die Emirate sanken anschlie\u00dfend von 22,2 Tonnen im Jahr 2024 auf 8,2 Tonnen im Jahr 2025.<\/p>\n<p>Warum Analysten an der Wirksamkeit zweifeln<\/p>\n<p>Mehrere Marktbeobachter weisen darauf hin, dass die Wirkung der EU-Sanktionen entscheidend davon abh\u00e4ngt, ob auch gro\u00dfe Handelsdrehkreuze wie Dubai ihre Kontrollen versch\u00e4rfen. Die EU kann den Zugang zu ihrem eigenen Markt beschr\u00e4nken, hat aber keinen direkten Einfluss auf die globale Goldlieferkette. Gold l\u00e4sst sich einschmelzen, umgie\u00dfen und mit anderen Best\u00e4nden mischen, was es zu einem der am schwersten regulierbaren Rohstoffe macht. Da schon jetzt ein Gro\u00dfteil des sudanesischen Goldes au\u00dferhalb offizieller Kan\u00e4le exportiert wird, d\u00fcrfte das EU-Importverbot zun\u00e4chst nur einen begrenzten Teil der tats\u00e4chlichen Handelsstr\u00f6me erfassen.<\/p>\n<p>Kein neuer Ansatz, aber ein seltener Fokus auf Gold<\/p>\n<p>Sanktionen gegen Konfliktrohstoffe sind kein neues Instrument. Die EU verpflichtet Importeure von Zinn, Tantal, Wolfram und Gold aus Konflikt- und Hochrisikogebieten bereits seit 2021 \u00fcber die Konfliktmineralien-Verordnung zu Sorgfaltspflichten in der Lieferkette, und nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 verh\u00e4ngten EU, USA und weitere G7-Staaten ein Importverbot f\u00fcr russisches Gold. Ein direktes, sektorweites Importverbot speziell f\u00fcr das Gold eines afrikanischen Konfliktlandes ist dagegen vergleichsweise selten und unterstreicht, welchen Stellenwert Br\u00fcssel dem Rohstoff inzwischen bei der Kriegsfinanzierung in Sudan beimisst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Br\u00fcssel hat den Import von Gold aus Sudan verboten, ebenso den Export von Quecksilber und Zyanid dorthin. 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