{"id":72207,"date":"2026-07-22T09:58:07","date_gmt":"2026-07-22T09:58:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/72207\/"},"modified":"2026-07-22T09:58:07","modified_gmt":"2026-07-22T09:58:07","slug":"gruener-wasserstoff-als-schluessel-zur-energiesouveraenitaet-in-deutschland-und-europa-fuenf-massnahmen-die-jetzt-fuer-den-markthochlauf-noetig-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/72207\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcner Wasserstoff als Schl\u00fcssel zur Energiesouver\u00e4nit\u00e4t in Deutschland und Europa: F\u00fcnf Ma\u00dfnahmen, die jetzt f\u00fcr den Markthochlauf n\u00f6tig sind"},"content":{"rendered":"<p>Geopolitische Unsicherheiten verdeutlichen die strukturelle Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Energieimporten in Europa und Deutschland:\u00a0<a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/web\/products-eurostat-news\/w\/wdn-20260318-1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Knapp 60 Prozent des europ\u00e4ischen Energiebedarfs<\/a>\u00a0werden durch Importe gedeckt \u2013 \u00fcberwiegend in Form von \u00d6l und Erdgas und zu gro\u00dfen Teilen aus geopolitisch sensiblen Regionen. Diese Abh\u00e4ngigkeit reduziert die Resilienz der europ\u00e4ischen Energiesysteme erheblich und macht sie anf\u00e4llig f\u00fcr politische Konflikte, Marktverwerfungen und Preisschocks. Infolge der russischen Invasion der Ukraine entstanden allein zwischen 2021 und 2024\u00a0<a href=\"https:\/\/www.pulse-z.eu\/europes-e930-billion-bill-the-cost-of-fossil-fuel-dependence\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">zus\u00e4tzliche Kosten von rund 930 Milliarden Euro<\/a>f\u00fcr fossile Brennstoffimporte in Europa.<\/p>\n<p>Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie verwundbar Europas Energiesystem durch externe Abh\u00e4ngigkeiten ist. Energiepolitik ist l\u00e4ngst auch Sicherheitspolitik. Eine nachhaltige L\u00f6sung kann nur darin bestehen, Energie st\u00e4rker in Europa selbst zu erzeugen und Wertsch\u00f6pfung hier zu halten.<\/p>\n<p>Gleichzeitig versch\u00e4rfen sich die Herausforderungen innerhalb des Energiesystems selbst. Der wachsende Anteil fluktuierender erneuerbarer Energien trifft auf ein Stromnetz, das durch steigende Redispatch-Kosten, regionale Engp\u00e4sse und eine unklare Rolle konventioneller Kraftwerke zunehmend unter Druck ger\u00e4t.<\/p>\n<p>Gr\u00fcner Wasserstoff bietet gleich mehrere Hebel, um die Energieabh\u00e4ngigkeit zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu st\u00e4rken. Auf nationaler Ebene kann jedes Land gr\u00fcnen Wasserstoff selbst produzieren und damit die Integration erneuerbarer Energien vorantreiben. Beispielsweise lassen sich durch die Nutzung von \u00dcberschussstrom f\u00fcr Elektrolyse, sowie die damit einhergehende Reduktion von Redispatch-Aufw\u00e4nden, Systemkosten senken. F\u00fcr die Jahre 2023 bis 2025 lagen diese bei\u00a0<a href=\"https:\/\/www.smard.de\/page\/home\/topic-article\/444\/219906\/massnahmenvolumen-im-gesamtjahr-stabil\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">400 bis 600 Millionen Euro<\/a>. Regionen mit g\u00fcnstigen erneuerbaren Ressourcen k\u00f6nnen auf dem inner-europ\u00e4ischen Markt Wasserstoff f\u00fcr industrielle Zentren in anderen EUR-L\u00e4ndern bereitstellen und so einen stabilen Binnenmarkt aufbauen. Neue Exportl\u00e4nder wie Kanada, Indien, Marokko oder Chile treten in den globalen Energiemarkt ein und tragen so zur Diversifizierung und zur Verringerung einseitiger Abh\u00e4ngigkeiten bei.<\/p>\n<p>Gr\u00fcner Wasserstoff ist mehr als nur ein Energietr\u00e4ger \u2013 er ist ein strategisches Instrument f\u00fcr mehr Souver\u00e4nit\u00e4t, Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Stabilit\u00e4t. Wer heute die richtigen Rahmenbedingungen schafft, sichert Europa langfristig eine unabh\u00e4ngige und resiliente Energieversorgung.<\/p>\n<p>Die Verabschiedung der THG-Quote im Rahmen der EU-Richtlinie RED III (Renewable Energy Directive III) war ein wichtiger erster Schritt, nach dem es jetzt aber weitere Signale braucht. Denn ein ambitionierter und koordinierter Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ist eine zentrale energie- und industriepolitische Aufgabe.<\/p>\n<p>Quest One leitet daraus konkrete Handlungsbedarfe f\u00fcr Politik und Regulierung ab:<\/p>\n<p>Klarer Kurs f\u00fcr Netzentgelte<br \/>Auch nach 2029 sollten Elektrolyseure nicht nur netzentgeltseitig entlastet bleiben, sondern zudem verg\u00fctet werden, wenn sie netzdienlich fahren, da sie so die Systemkosten substanziell senken.<\/p>\n<p>Erhalt der monatlichen statt stundengenauer Korrelation<br \/>Die stundengenaue Korrelation zwischen EE\u2011Erzeugung und Elektrolyse (Hourly Matching), die ab 2030 auf europ\u00e4ischer Ebene gelten soll, ist ein zu enges Korsett und sorgt daf\u00fcr, dass Elektrolyseure mit einem deutlich niedrigeren Kapazit\u00e4tsfaktor betrieben werden. So sinkt die Produktionsmenge an Wasserstoff, wodurch in den meisten F\u00e4llen keine Wirtschaftlichkeit mehr gegeben ist. Eine Weiterf\u00fchrung der monatlichen Korrelation auch \u00fcber 2030 hinaus w\u00fcrde den richtigen Anreiz f\u00fcr Investitionen und die damit verbundenen positiven Effekte auf Resilienz und Klima darstellen.<\/p>\n<p>Lockerung des Zus\u00e4tzlichkeitskriteriums<br \/>Dieses sieht vor, dass ab 2028 ausschlie\u00dflich Gr\u00fcnstrom aus zus\u00e4tzlich gebauten EE-Anlagen f\u00fcr Elektrolyse genutzt werden darf und soll so die Nutzung von bereits vorhandenem \u00d6kostrom im Netz verhindern. Diese Ma\u00dfnahme bremst den notwendigen Ausbau dieser Anlagen jedoch massiv aus. Sie treibt sie Kosten und Planungszeitr\u00e4ume f\u00fcr Neuprojekte stark nach oben, und verhindert zeitgleich die situative Flexibilit\u00e4t im Elektrolysebetrieb w\u00e4hrend Stromspitzen. Das Kriterium sollte in der aktuellen Phase des Wasserstoffhochlaufs auch weiterhin aufgehoben bleiben und bestehende EE-Quellen f\u00fcr den Elektrolysebetrieb nutzbar gemacht werden. Insbesondere f\u00fcr \u00e4ltere Bestandsanlagen, die nach 20 Jahren zunehmend aus der F\u00f6rderung fallen, kann die Versorgung von Elektrolyseuren einen lukrativen neuer Absatzmarkt bieten.<\/p>\n<p>\u201eMade in EU\u201c<br \/>Die unter dem Net Zero Industry Act angestrebte Sicherung lokaler Wertsch\u00f6pfung klimafreundlicher Technologien, sollte f\u00fcr gr\u00fcnen Wasserstoff weiter ausgebaut und auch in anderen regulatorischen Rahmenwerken wie dem geplanten Industrial Accelerator Act (IAA) verankert werden. Auch auf nationaler Ebene, etwa im Wasserstoffbeschleunigungsgesetz oder bei F\u00f6rderinstrumenten, sollte \u201eMade in EU\u201c systematisch ber\u00fccksichtigt werden. Technologische Souver\u00e4nit\u00e4t reduziert Abh\u00e4ngigkeiten von geopolitisch unsicheren Lieferketten und sch\u00fctzt vor m\u00f6glichen Fremdeingriffen in kritische Infrastruktur in Form von Schl\u00fcsseltechnologien wie Elektrolyseuren. So st\u00e4rkt \u201eMade in EU\u201c die Resilienz der europ\u00e4ischen Energie- und Industrielandschaft nachhaltig.<\/p>\n<p>Investitionssicherheit durch Standards und Innovation<br \/>Vertrauen und Investitionssicherheit ergeben sich nicht allein aus wirtschaftlichen Faktoren, sondern ebenso aus technologischer Verl\u00e4sslichkeit. Themen wie Stack-Durchl\u00e4ssigkeit, Gasreinheit oder die sichere Auslegung von O\u2082-Abscheidern m\u00fcssen transparent adressiert und technisch weiterentwickelt werden. Das proaktive Adressieren technologischer H\u00fcrden tr\u00e4gt dazu bei, den Stand der Technik neu zu definieren. Klare Standards schaffen Orientierung, st\u00e4rken das Vertrauen und dienen als Grundlage f\u00fcr belastbare Investitions- und Betriebsentscheidungen.<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Ganze denken, um die Weichen f\u00fcr den Wasserstoffhochlauf zu stellen<br \/>Europa hat alle Voraussetzungen, um bei gr\u00fcnem Wasserstoff eine f\u00fchrende Rolle einzunehmen \u2013 technologisch, industriell und strategisch. Moderne Elektrolyseplattformen sind effizient und skalierbar. Der europ\u00e4ische Markt steht jedoch unter wachsendem internationalem Wettbewerbs- und Preisdruck. Was jetzt fehlt, ist ein regulatorischer Rahmen, der Innovation, Qualit\u00e4tsstandards und faire Marktbedingungen st\u00e4rkt, um die technologische F\u00fchrungsrolle Europas zu erhalten. So sichern die europ\u00e4ischen Mitgliedsstaaten ihre Energieunabh\u00e4ngigkeit sowie die Resilienz ihrer Energieinfrastruktur in einem von Instabilit\u00e4t gepr\u00e4gten globalen Klima.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"330\" height=\"330\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Michael_Meister-QuestOne-.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-140857\" style=\"width:150px;height:auto\"  \/><\/p>\n<p>\u2014\u00a0Der Autor Michael Meister ist CEO von\u00a0<a href=\"https:\/\/questone.com\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Quest One<\/a>. Das 1997 als Wissenschaftsprojekt gegr\u00fcndete Unternehmen entwickelt und produziert innovative PEM-Elektrolyseure und Elektrolyse-Stacks. Als Teil der Volkswagen Group kann Quest One zudem auf umfassendes Know-how bei der Realisierung von Gro\u00dfprojekten in der Schwerindustrie und der automobilen Gro\u00dfserienkompetenz zur\u00fcckgreifen. \u2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Geopolitische Unsicherheiten verdeutlichen die strukturelle Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Energieimporten in Europa und Deutschland:\u00a0Knapp 60 Prozent des europ\u00e4ischen Energiebedarfs\u00a0werden&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":72208,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[82,2373,6,580,1785],"class_list":["post-72207","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-europa","tag-deutschland","tag-energiepolitik","tag-europa","tag-markt","tag-meinung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72207","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72207"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72207\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/72208"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}