{"id":72242,"date":"2026-07-22T10:58:15","date_gmt":"2026-07-22T10:58:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/72242\/"},"modified":"2026-07-22T10:58:15","modified_gmt":"2026-07-22T10:58:15","slug":"europa-plant-die-verteidigung-mit-ukrainischer-technik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/72242\/","title":{"rendered":"Europa plant die Verteidigung mit ukrainischer Technik"},"content":{"rendered":"<p>(BS) Neun europ\u00e4ische Staaten tun sich mit der Ukraine zusammen, um ein antiballistisches Wirkmittel zu entwickeln. Gemeinsam streben die Partner an, eine Alternative zum Waffensystem Patriot zu schaffen.<\/p>\n<p>Das Treffen der Koalition der Willigen vergangene Woche in Paris gab neben Unterst\u00fctzungsbekundungen f\u00fcr die Ukraine den Rahmen f\u00fcr das erste Treffen der Anti-Ballistik-Koalition. Diese Partnerschaft, bestehend aus neun Nationen (Ukraine, D\u00e4nemark, Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Spanien und dem Vereinigten K\u00f6nigreich), macht es sich mit dem Anti-Ballistic Missile Program unter dem Namen Freya zur Aufgabe, innerhalb von zw\u00f6lf Monaten ein kosteng\u00fcnstiges, in gro\u00dfer St\u00fcckzahl produzierbares System zur Abwehr ballistischer Raketen zu entwickeln. Kernanliegen der Initiative ist dabei, eine europ\u00e4ische Alternative zu den US-amerikanischen Patriot-Raketen aufzusetzen.<\/p>\n<p>An der Auftaktsitzung nahmen neben Regierungsvertretern auch f\u00fchrende europ\u00e4ische R\u00fcstungsunternehmen teil. Ihre Expertise reicht von Lenkflugk\u00f6rpern \u00fcber Sensorik bis hin zu Radarger\u00e4ten. Konkret sa\u00dfen unter anderem Thales, Diehl Defence, Saab, Kongsberg Defence &amp; Aerospace, Leonardo, MBDA, Eurosam und Safran mit am Tisch.<\/p>\n<p>Nach Angaben des ukrainischen Pr\u00e4sidenten Wolodymyr Selenskyj verf\u00fcgt jedes teilnehmende Land \u00fcber Know-how, das, zusammengef\u00fchrt, die Entwicklung eines einsatzf\u00e4higen Freya-Systems innerhalb eines Jahres erm\u00f6glicht. Die Aufgabenverteilung ist dabei bereits zum Teil gekl\u00e4rt. Die Projektleitung und gleichzeitig die Entwicklung des eigentlichen Abfangj\u00e4gers obliegen der Ukraine. Die \u00fcbrigen Staaten werden f\u00fcr Radar-, Ortungs- sowie F\u00fchrungs- und Kontrollsysteme verantwortlich zeichnen.<\/p>\n<p>\u201eWir sind der \u00dcberzeugung, dass der Schutz Europas eine globale L\u00f6sung in Form einer integrierten Raketenabwehrarchitektur erfordert, um k\u00fcnftige Raketenbedrohungen abzuwehren und zu bek\u00e4mpfen \u2013 entwickelt durch gemeinsame Anstrengungen, technologische Offenheit und vertrauensvolle industrielle Zusammenarbeit\u201c, gaben die Teilnehmerstaaten in der Abschlusserkl\u00e4rung zu Protokoll.<\/p>\n<p>Mit vereinten Kr\u00e4ften<\/p>\n<p>Die Anti-Ballistik-Koalition gr\u00fcndet sich nicht mit leeren H\u00e4nden. Denn bei ihrem Entwicklungsvorhaben k\u00f6nnen die Neun auf zuvor geleistete Entwicklungsarbeit aufschalten. Das Freya-Projekt selbst ist bedeutend \u00e4lter als die Anti-Ballistik-Koalition. Bereits seit 2022 arbeitet der ukrainische R\u00fcstungskonzern FirePoint an der ballistischen Rakete des Typs FP-7X. Sie stellt das technische R\u00fcckgrat des paneurop\u00e4ischen R\u00fcstungsprojekts dar. <\/p>\n<p>Zu Beginn des Jahres schloss sich FirePoint mit dem deutschen R\u00fcstungsunternehmen Diehl Defence zusammen, um gemeinsam einen Raketenabwehrkomplex basierend auf der FP-7X zu entwickeln. Ziel des bereits damals unter der Bezeichnung Freya firmierenden Programms war es, die Kosten f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung eines einzelnen ballistischen Ziels auf unter eine Million US-Dollar zu senken. Daf\u00fcr kombinierte die deutsch-ukrainische Partnerschaft einen bildgebenden Infrarot-Suchkopf (IIR) von Diehl mit FirePoints Abfangj\u00e4ger. Zur Zielerfassung sollten Radarsysteme europ\u00e4ischer Hersteller wie Saab, Thales oder Hensoldt dienen. Hinzu kommt ein Feuerleitstand von Kongsberg. Ein erster Teststart gelang im Februar dieses Jahres. Den Abfang der ersten ballistischen Rakete versprach FirePoint f\u00fcr das Jahr 2027. <\/p>\n<p>Mit der Ank\u00fcndigung, das Freya-Projekt gemeinsam mit neun europ\u00e4ischen Staaten durchzuf\u00fchren, setzt Selenskyj die Zeitlinien nun deutlich ambitionierter an. Zun\u00e4chst ist aber die Frage zu kl\u00e4ren, welche operativen Anforderungen an das Luftverteidigungssystem angelegt und wie die technischen Arbeitsgruppen gestaltet werden. Denn der geplante Freya-Abfangflugk\u00f6rper soll Geschwindigkeiten von 1.500 m\/s bis 2.000 m\/s erreichen. Bei einer L\u00e4nge von 7,25 Metern und einem Rumpfdurchmesser von 0,53 Metern greift die Konstruktion auf Verbundwerkstoffe zur\u00fcck. Dieser Ansatz zielt prim\u00e4r auf eine Senkung der Produktionskosten und eine beschleunigte Skalierbarkeit in der Serienfertigung ab.<\/p>\n<p>Putins Trumpf<\/p>\n<p>Der ambitionierte Zeitplan der Freya-Entwicklung ist strategisch begr\u00fcndet. Denn nach Ansicht des ukrainischen Pr\u00e4sidenten sei Russlands F\u00e4higkeit, ballistische Raketen in gro\u00dfem Umfang einzusetzen, der letzte gro\u00dfe Vorteil des Aggressors. Diese Waffengattung \u2013 insbesondere in Kombination mit dem umf\u00e4nglichen Einsatz unbemannter Systeme \u2013 sei schwer abzuwehren. Das stellen die Eins\u00e4tze im Nahen Osten und in der Ukraine unter Beweis. Um sich gegen ballistische Raketen zu verteidigen, ist die Ukraine bislang von westlicher, vornehmlich US-amerikanischer Technologie abh\u00e4ngig. <\/p>\n<p>Insbesondere dem Patriot-System kommt eine enorme Bedeutung zu. Das kontrastiert mit begrenzten industriellen Kapazit\u00e4ten. Zwar haben die Vereinigten Staaten die Produktion des Luftverteidigungssystems gesteigert, und auch auf dem alten Kontinent wachsen die Kapazit\u00e4ten bei hauseigenen Boden-Luft-Raketensystemen wie SAMP\/T, IRIS-T und NASAMS, die L\u00fccke zwischen Nachfrage und Angebot bleibt aber weiter bestehen. Dass die USA aufgrund des Krieges im Iran gr\u00f6\u00dfere eigene Bedarfe anmelden, kommt erschwerend hinzu. Die Konsequenzen dieser Entwicklung machen der Ukraine schwer zu schaffen. Daraus macht auch Selenskyj keinen Hehl. Er musste einr\u00e4umen, dass es den ukrainischen Streitkr\u00e4ften in der Realit\u00e4t manchmal an Raketen mangele, um ukrainische St\u00e4dte vor russischen Angriffen zu verteidigen. <\/p>\n<p>Von Freya verspricht sich Kiew daher, die eigenen St\u00e4dte effizienter zu verteidigen, Wirkung an der Front zu entfalten und die Abh\u00e4ngigkeit von ausl\u00e4ndischer Technologie zu brechen. F\u00fcr den EU-Fl\u00fcgel der Entwicklungspartnerschaft macht vor allem die Aussicht, eigene Kapazit\u00e4ten zu schaffen und von ukrainischer Gefechtserfahrung zu profitieren, die Attraktivit\u00e4t des Projekts aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(BS) Neun europ\u00e4ische Staaten tun sich mit der Ukraine zusammen, um ein antiballistisches Wirkmittel zu entwickeln. 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