{"id":72813,"date":"2026-07-23T06:30:16","date_gmt":"2026-07-23T06:30:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/72813\/"},"modified":"2026-07-23T06:30:16","modified_gmt":"2026-07-23T06:30:16","slug":"leipziger-studie-aenderungen-in-der-atmosphaerischen-zirkulation-bewirken-hitze-und-duerre-in-europa-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/72813\/","title":{"rendered":"Leipziger Studie: \u00c4nderungen in der atmosph\u00e4rischen Zirkulation bewirken Hitze und D\u00fcrre in Europa \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Forschende der Universit\u00e4t Leipzig sind in einer neuen Studie der Ursache der \u00fcberdurchschnittlich starken sommerlichen Austrocknung der B\u00f6den und der steigenden Temperaturen in Europa auf den Grund gegangen. Sie fanden heraus, dass diese zu einem gro\u00dfen Teil in einer Ver\u00e4nderung der Zirkulationsmuster liegen: Dies sind Ver\u00e4nderungen typischer Wetterlagen, die rund 55 Prozent des sommerlichen D\u00fcrretrends erkl\u00e4ren. Konkret handelt es sich um h\u00e4ufigere und best\u00e4ndigere Hochdruckgebiete, die durch trockenes Wetter f\u00fcr weniger Niederschlag gesorgt haben.<\/p>\n<p>Gerade weil die atmosph\u00e4rische Zirkulation einen so gro\u00dfen Anteil an dieser Austrocknung hat, sei die k\u00fcnftige Entwicklung mit hoher Unsicherheit behaftet, sagt der Erstautor der Studie, Dr. Istv\u00e1n Dunkl vom Institut f\u00fcr Meteorologie der Universit\u00e4t Leipzig. Sie wurde gerade im Fachjournal \u201eNature Geoscience\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Die Arbeitsgruppe Klimaattribution an der Universit\u00e4t Leipzig besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, wie stark sich der Klimawandel auf bestimmte Klimaereignisse ausgewirkt hat.<\/p>\n<p>\u201eWir haben uns in dieser Studie Europa gewidmet, da dies eine der Regionen mit den st\u00e4rksten beobachteten Erw\u00e4rmungstrends ist. Unter anderem hat in den letzten Jahrzehnten die H\u00e4ufigkeit und Intensit\u00e4t von Hitze und D\u00fcrre im Sommer stark zugenommen\u201c, sagt Juniorprofessor Dr. Sebastian Sippel vom Institut f\u00fcr Meteorologie, der ebenfalls an der Studie mitgewirkt hat. Diese zunehmende Bodentrockenheit habe unter anderem erhebliche Folgen f\u00fcr die Ernteertr\u00e4ge, die Wasserverf\u00fcgbarkeit und die Energieproduktion.<\/p>\n<p>\u201eWir haben zudem festgestellt, dass sich der Einfluss des Klimawandels auf die europ\u00e4ische Bodenfeuchte von Jahr zu Jahr unterscheidet: Besonders in Sommern mit wenig Niederschlag ist der reduzierende Einfluss des Klimawandels auf Bodenfeuchte besonders hoch\u201c, erkl\u00e4rt Dunkl. Das liege daran, dass der Niederschlag zwar insgesamt abnimmt, sich Extremniederschlagsereignisse jedoch intensivieren.<\/p>\n<p>Dadurch werde die Austrocknung in eher nassen Jahren etwas ausgeglichen, da eine gr\u00f6\u00dfere Menge des Niederschlags aus Extremereignissen komme. Ob die Trockenheit in der Zukunft weiter zunimmt oder sich vor\u00fcbergehend umkehrt, h\u00e4ngt Dunkl zufolge davon ab, ob die Zirkulations\u00e4nderung durch den Klimawandel angetrieben wird oder aus nat\u00fcrlicher Klimaschwankung entspringt. Das sei bislang weitgehend noch ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Grafik-Bodenfeuchtetrend-6a607631e9ae4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-665094 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Grafik-Bodenfeuchtetrend-6a607631e9ae4.jpg\" alt=\"Abnahme der sommerlichen Bodenfeuchte zwischen 1980 und 2024 \u00fcber Europa und ihre Aufteilung in thermodynamische und zirkulationsbedingte Komponenten. Foto: Dr. Istv\u00e1n Dunkl\" width=\"2250\" height=\"1500\"  \/><\/a>Abnahme der sommerlichen Bodenfeuchte zwischen 1980 und 2024 \u00fcber Europa und ihre Aufteilung in thermodynamische und zirkulationsbedingte Komponenten. Foto: Dr. Istv\u00e1n Dunkl<br \/>\nUrsachen f\u00fcr zunehmende Temperaturen und D\u00fcrre noch nicht vollends gekl\u00e4rt<\/p>\n<p>Die Ursachen der \u00fcberdurchschnittlichen Zunahme von Temperaturen und D\u00fcrre im Sommer sind nach Ansicht der Forschenden noch nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt. Zum einen sei sie eine direkte Folge des Klimawandels: Die erh\u00f6hte Konzentration an atmosph\u00e4rischem Kohlendioxid habe den Energiehaushalt der Erde ver\u00e4ndert und der damit einhergehende Anstieg der Temperaturen habe f\u00fcr eine st\u00e4rkere Austrocknung der B\u00f6den gesorgt.<\/p>\n<p>Zum anderen entstehen feuchte beziehungsweise trockene Sommer durch Variabilit\u00e4t in der atmosph\u00e4rischen Zirkulation, also das gro\u00dfr\u00e4umige Zusammenspiel von Hoch- und Tiefdruckgebieten. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich dieses Muster \u00fcber Europa ver\u00e4ndert: Es gibt mehr und l\u00e4nger andauernde Sommerhochs, die f\u00fcr stabiles, trockenes und hei\u00dfes Wetter sorgen, und weniger Tiefs, die Regen bringen.<\/p>\n<p>\u201eDiese \u00c4nderung der atmosph\u00e4rischen Zirkulation tr\u00e4gt erheblich zur sommerlichen D\u00fcrre bei, das hat unsere Studie gezeigt. Das damit einhergehende wissenschaftliche Problem birgt eine sehr hohe Ungewissheit, was die Projektionen von D\u00fcrre in Europa angeht: W\u00e4hrend die Mechanismen hinter den direkten Effekten der Erderw\u00e4rmung verstanden sind, gibt es noch erhebliche Unsicherheit \u00fcber die Ursachen der Zirkulations\u00e4nderung\u201c, erl\u00e4utert Dr. Dunkl.<\/p>\n<p>Mit ihrer Studie haben die Forschenden genau an diesem Punkt angesetzt und quantifiziert, zu welchem Teil die direkten Effekte und die Zirkulation an D\u00fcrre-Trends in Europa verantwortlich sind und wie genau diese beiden Effekte den Wasserhaushalt in Europa ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Beobachtungsbasierte Studien konnten bislang nur zeigen, dass Trockenheit und ver\u00e4nderte Wetterlagen gemeinsam auftreten, ohne den urs\u00e4chlichen Beitrag der Zirkulation zu belegen, w\u00e4hrend Klimamodelle die beobachteten europ\u00e4ischen Zirkulationstrends nicht reproduzieren k\u00f6nnen. Die Arbeit der Leipziger Wissenschaftler\/-innen schlie\u00dft nun diese L\u00fccke, indem sie die beobachteten Zirkulations\u00e4nderungen in ein Klimamodell eingebettet haben und so erstmals den kausalen Zusammenhang zwischen Zirkulations\u00e4nderung und Trockenheitstrends quantifizieren konnten.<\/p>\n<p>Neue Studien zum Zusammenhang zwischen Klimawandel und Waldbrandgefahr<\/p>\n<p>Mit diesen neuen Erkenntnissen lasse sich das D\u00fcrrerisiko besser eingrenzen, sagt Dunkl. D\u00fcrresch\u00e4den belaufen sich in Europa durchschnittlich auf rund neun Milliarden Euro j\u00e4hrlich, im gesamten Mittelmeerraum noch deutlich mehr. Die Studie zeigt, dass dynamische und thermodynamische Prozesse zusammen betrachtet werden m\u00fcssen, um vergangene Trends zu deuten und das k\u00fcnftige Risiko abzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Die neue Leipziger Studie liefert eine Grundlage, um Klimaprojektionen zu evaluieren und ihre Unsicherheit abzusch\u00e4tzen und um robuste Anpassungsstrategien f\u00fcr ein trockener werdendes Europa zu entwickeln.<\/p>\n<p>Ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt von Trends in Hitzewellen und D\u00fcrre ist hingegen noch wenig erforscht: der Einfluss verschiedener Aspekte von Biodiversit\u00e4t auf Hitze und Trockenheit und deren m\u00f6gliche Rolle als Puffer im Klimawandel. Diese Aspekte wollen die Leipziger Wissenschaftler\/-innen in einem beantragten gr\u00f6\u00dferen Verbundprojekt beleuchten.<\/p>\n<p>Gerade arbeiten die Meteorolog\/-innen der Universit\u00e4t Leipzig an drei Studien zum Zusammenhang zwischen Klimawandel und Waldbrandgefahr. Dabei fokussieren sie sich unter anderem auf die Br\u00e4nde in Spanien und Portugal im Sommer 2025.<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlichung in \u201eNature Geoscience\u201c:<a href=\"http:\/\/www.nature.com\/articles\/s41561-026-02050-w\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"> \u201eEuropean summer drying largely driven by atmospheric circulation changes since the 1980s\u201c<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Forschende der Universit\u00e4t Leipzig sind in einer neuen Studie der Ursache der \u00fcberdurchschnittlich starken sommerlichen Austrocknung der B\u00f6den&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":72814,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[5660,6,2277,15855,24897],"class_list":["post-72813","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-europa","tag-duerre","tag-europa","tag-klimawandel","tag-meteorologie","tag-uni-leipzig"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72813","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72813"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72813\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/72814"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}