{"id":77347,"date":"2026-07-31T16:42:08","date_gmt":"2026-07-31T16:42:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/77347\/"},"modified":"2026-07-31T16:42:08","modified_gmt":"2026-07-31T16:42:08","slug":"europa-brennt-unser-wirtschaftsminister-warnt-vor-dem-falschen-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/77347\/","title":{"rendered":"Europa brennt. Unser Wirtschaftsminister warnt vor dem falschen Problem."},"content":{"rendered":"<p>In halb Europa brennen die W\u00e4lder. \u00dcber 300.000 Menschen wurden evakuiert und mussten ihr Zuhause verlassen. Fl\u00fcsse und Seen trocknen aus, Ernten vertrocknen und Hitzewellen werden von Jahr zu Jahr extremer. Alleine 2026 hat die Hitze in Europa \u00fcber 10.000 Todesopfer gefordert. Die Klimakrise ist l\u00e4ngst keine abstrakte Zukunftsgefahr mehr, sondern Realit\u00e4t. Auch in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>Ausgerechnet in dieser Situation \u00fcberrascht Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer mit einer bemerkenswerten Aussage. Arbeitspl\u00e4tze d\u00fcrften nicht auf dem \u201eAltar der Klimaideologie geopfert werden\u201c. Die Auto- und Maschinenbaubranche seien schlie\u00dflich existenziell f\u00fcr den Wohlstand des Landes.<\/p>\n<p>Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Wirtschaft oder Klimaschutz. Arbeitspl\u00e4tze oder Klimapolitik. Als w\u00e4re Klimaschutz eine ideologische Spielerei, die unserem Wohlstand im Weg steht.<\/p>\n<p>Fakten lassen sich nicht wegdiskutieren<\/p>\n<p>Hattmannsdorfers Wortwahl ist gelinde gesagt bemerkenswert. Denn den Klimawandel als \u201eIdeologie\u201c zu bezeichnen, ist schlicht l\u00e4cherlich. Ob sich die Erde erw\u00e4rmt, Gletscher schmelzen oder Hitzewellen h\u00e4ufiger werden, ist keine Frage der politischen \u00dcberzeugung, sondern naturwissenschaftlich seit Jahrzehnten belegt. Mit Naturwissenschaft l\u00e4sst sich nicht verhandeln.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem problematisch ist, dass Hattmannsdorfer mit seiner Aussage genau das Gegenteil von dem behauptet, was tats\u00e4chlich der Fall ist.<\/p>\n<p>Denn die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr \u00d6sterreichs Arbeitspl\u00e4tze ist nicht der Klimaschutz. Vielmehr\u00a0 ist es der Klimawandel selbst, der Jobs und Wohlstand gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Man muss daf\u00fcr gar nicht lange nach Beispielen suchen. Der Tourismus besch\u00e4ftigt in \u00d6sterreich mehr als 300.000 Menschen und geh\u00f6rt gleichzeitig zu den Branchen, die besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Tats\u00e4chlich arbeiten im Tourismus mehr Menschen als in der \u00f6sterreichischen Automobilindustrie. Ausgerechnet eine:r der gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber:innen des Landes leidet also besonders stark unter jener Krise, die Hattmannsdorfer in seiner Argumentation praktisch ausblendet.<\/p>\n<p>Das l\u00e4sst sich an einem einfachen Beispiel zeigen: Kein See bedeutet keinen Eisverkauf am Strand, keinen Bootsverleih, weniger G\u00e4ste in Restaurants und Hotels am Ufer. Die Wertsch\u00f6pfungskette bricht nicht an einer Stelle weg, sondern gleich an mehreren. Dasselbe Beispiel l\u00e4sst sich nat\u00fcrlich auch auf den Winter umlegen anhand der in \u00d6sterreich so geliebten Skiindustrie, deren Gesch\u00e4ftsmodell ohne ausreichend Schnee zunehmend unter Druck ger\u00e4t.<\/p>\n<p>Doch der Tourismus ist l\u00e4ngst nicht die einzige betroffene Branche. <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/3000000332768\/bauern-erwarten-getreideernte-wie-in-d252rrejahren-2017-und-2018\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die Landwirtschaft k\u00e4mpft mit D\u00fcrreperioden und Ernteausf\u00e4llen.<\/a> Das Baugewerbe leidet unter immer mehr Hitzetagen, die Arbeiten erschweren oder unm\u00f6glich machen. Extremwetter verursachen Milliardensch\u00e4den und belasten Unternehmen ebenso wie \u00f6ffentliche Haushalte und Infrastruktur.<\/p>\n<p>Klimaschutz ist eine Chance, keine Bedrohung<\/p>\n<p>Wer Arbeitspl\u00e4tze sichern will, muss deshalb die Ursachen dieser Entwicklung bek\u00e4mpfen statt jene Ma\u00dfnahmen, die genau das erm\u00f6glichen sollen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt: Klimaschutz vernichtet nicht nur keine Arbeitspl\u00e4tze, er schafft auch neue. Investitionen in erneuerbare Energien, Geb\u00e4udesanierung, nachhaltige Mobilit\u00e4t oder klimafreundliche Technologien schaffen Besch\u00e4ftigung und st\u00e4rken langfristig die Wettbewerbsf\u00e4higkeit eines Landes.<\/p>\n<p>Wenn Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer also tats\u00e4chlich die Arbeitspl\u00e4tze in \u00d6sterreich sch\u00fctzen m\u00f6chte, sollte er aufh\u00f6ren, Klimaschutz als \u201eIdeologie\u201c zu diffamieren. Denn die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr unseren Wohlstand ist nicht der Klimaschutz. Es ist eine Klimakrise, mit der sich nicht verhandeln l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In halb Europa brennen die W\u00e4lder. \u00dcber 300.000 Menschen wurden evakuiert und mussten ihr Zuhause verlassen. 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