{"id":77382,"date":"2026-07-31T17:58:09","date_gmt":"2026-07-31T17:58:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/77382\/"},"modified":"2026-07-31T17:58:09","modified_gmt":"2026-07-31T17:58:09","slug":"massenhafte-grenzuebertritte-in-ceuta-zeigt-sich-wie-dysfunktional-das-asylsystem-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/77382\/","title":{"rendered":"Massenhafte Grenz\u00fcbertritte: \u201eIn Ceuta zeigt sich, wie dysfunktional das Asylsystem ist\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Werden Migranten in Ceuta auch nach Deutschland gelangen? In der deutschen Politik macht sich die Sorge breit, dass die spanische Regierung eine Weiterwanderung nicht verhindere. Neue Schritte kommen ins Spiel.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Chaotische Szenen in Ceuta: 60.000 Migranten sollen das spanische Au\u00dfengebiet bis Freitagnachmittag bereits erreicht haben. Einige starben bei dem Ansturm auf Ceuta, die Beh\u00f6rden sprechen von mindestens 34 Toten. Die Aufnahmezentren sind \u00fcberlastet und die Beh\u00f6rden \u00fcberfordert. Die spanische Armee wird zur Hilfe gerufen.<\/p>\n<p>Die politischen Folgen werden derzeit breit diskutiert. Im Interview mit WELT TV forderte der Migrationsexperte Gerald Knaus nun eine geeinte europ\u00e4ische Position der St\u00e4rke. Egal, was die Motivation der marokkanischen Regierung in Rabat sei, das Signal m\u00fcsse klar sein: \u201eSo wie bei Belarus und so wie bei anderen, die versuchen, Migration als Waffe einzusetzen: Die Europ\u00e4ische Union wird hier den Druck auf Marokko erh\u00f6hen m\u00fcssen, zu kooperieren.\u201c Druckmittel gebe es genug, was den Handel oder die Visa-Vergabe betreffe. <\/p>\n<p>Davon, dass die Migranten aus Ceuta nach Deutschland kommen, geht Knaus nicht aus: \u201eIn den letzten sechs Monaten gab es in Deutschland weniger als 300 Asylantr\u00e4ge von Marokkanern. Also die Menschen, die da nach Spanien kommen, werden nicht nach Deutschland weiterziehen.\u201c<\/p>\n<p>Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erkl\u00e4rte in einer Mitteilung: \u201eDer Schutz der Au\u00dfengrenzen der Europ\u00e4ischen Union ist entscheidend f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung illegaler Migration. Ich habe die klare Erwartung an alle EU-Mitgliedstaaten, dass sie dieser Pflicht nachkommen.\u201c Spanien m\u00fcsse die Situation schnellstm\u00f6glich wieder in den Griff bekommen. Von Marokko erwarte er, dass es die illegalen Migranten unverz\u00fcglich wieder zur\u00fccknehme: \u201eDie im Juni verabschiedete R\u00fcckkehrverordnung muss nun unverz\u00fcglich und umfassend umgesetzt werden.\u201c<\/p>\n<p>Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte: \u201eSpanien muss umgehend daf\u00fcr sorgen, dass der europ\u00e4ische Au\u00dfengrenzschutz gew\u00e4hrleistet ist und die illegalen Migranten umgehend nach Marokko zur\u00fcckgebracht werden.\u201c Die Situation in Ceuta verdeutliche die volatile Lage bei der illegalen Migration. \u201eWir werden die M\u00f6glichkeit der Binnengrenzkontrollen \u00fcber den September hinaus verl\u00e4ngern. Wir setzen die Migrationswende mit Kontrolle, Kurs und klarer Kante fort.\u201c<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind die Ereignisse in Ceuta f\u00fcr die anderen EU-Staaten ein \u201eAlarmsignal\u201c, wie es der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, G\u00fcnter Krings (CDU), formuliert. Nach zehn Jahren Vorbereitung trat erst im Juni das reformierte <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus6a171e8f074b8cc92f72892b\/migrationssteuerung-schluss-mit-einreise-verfahren-verbleib-deutschlands-belastungsprobe-beim-neuen-asylsystem.html\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"noopener nofollow\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus6a171e8f074b8cc92f72892b\/migrationssteuerung-schluss-mit-einreise-verfahren-verbleib-deutschlands-belastungsprobe-beim-neuen-asylsystem.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Gemeinsame Europ\u00e4ische Asylsystem (GEAS)<\/a> in Kraft. Als \u201ewirksam, fair und entschlossen\u201c verteidigte EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen das Regelwerk. Mit dem neuen GEAS gebe es \u201esicherere Au\u00dfengrenzen, Solidarit\u00e4t zwischen den Mitgliedstaaten und effizientere Asyl- und R\u00fcckkehrverfahren\u201c. Ceuta zeigt: Dieses Versprechen wurde nicht eingel\u00f6st.<\/p>\n<p>\u201eWer die Au\u00dfengrenzen nicht wirksam sch\u00fctzen kann, verliert die Kontrolle \u00fcber die Migration\u201c, sagte Krings WELT. Jetzt m\u00fcsse Spanien gemeinsam mit Marokko alles daransetzen, die Grenze wieder zu sichern und illegale Einreisen konsequent zu verhindern. \u201eDenn die Migranten aus Ceuta k\u00f6nnen in kurzer Zeit auch an unseren deutschen Grenzen auftauchen.\u201c<\/p>\n<p>Die Schuld sehen Krings und andere unter anderem bei Spanien. Die sozialistische Regierung in Madrid habe die falschen Signale gesetzt, als sie Hunderttausenden Menschen, die sich zuvor ohne Aufenthaltsrecht im Land aufgehalten haben, einen legalen Aufenthalt erm\u00f6glicht habe. Im Juli entschied das oberste spanische Gericht zudem, dass Spanien Migranten auf dem Meer nicht einfach zur\u00fcckschicken k\u00f6nne. Wer illegale Einreise mit einem Bleiberecht belohne, schaffe Anreize f\u00fcr weitere illegale Migration, so Krings. \u201eGenau diese Sogwirkung wollten wir mit der Reform des Gemeinsamen Europ\u00e4ischen Asylsystems \u00fcberwinden.\u201c<\/p>\n<p>Daneben zeigt sich aber zudem: Die EU ist auf solche Krisen auch mit dem neuen Regelwerk nicht vorbereitet. \u201eKurz nach Inkrafttreten der GEAS-Reform zeigt sich, dass sie weder eine Situation wie diese verhindert, noch L\u00f6sungen bereith\u00e4lt, wenn sie doch eintritt\u201c, kritisiert der Gr\u00fcnen-Europapolitiker Erik Marquardt. \u201e\u00dcber Jahre hat auch die deutsche Bundesregierung leider den Eindruck erweckt, Migrationsbewegungen vor allem von Europa aus steuern zu k\u00f6nnen.\u201c Das sei leider eine \u201eFiktion\u201c gewesen.<\/p>\n<p>\u201eSo schnell kann es gehen und das Thema kommt nach oben und die GEAS-Regeln sind faktisch Makulatur\u201c, sagte der Konstanzer Asylrechtsexperte Daniel Thym WELT. Das GEAS sei richtig und wichtig, k\u00f6nne aber nicht das letzte Wort sein.<\/p>\n<p>In der Unionsfraktion teilen viele diese Analyse: \u201eIn Ceuta zeigt sich, wie dysfunktional das Asylsystem ist: Sobald die Menschen kommen und Asyl beantragen, haben sie praktisch eine Bleibeperspektive\u201c, sagte Detlef Seif (CDU), Beauftragter der Fraktion f\u00fcr die europ\u00e4ische Asyl- und Migrationswende. \u201eDieser Pull-Effekt spielt in Ceuta eine gro\u00dfe Rolle. Wenn die Menschen w\u00fcssten, dass sie gar keine Chance haben, dann g\u00e4be es diesen Massenansturm nicht.\u201c<\/p>\n<p>Angst vor einer neuen Welle wie 2015<\/p>\n<p>Schon l\u00e4nger pl\u00e4dieren Unionspolitiker deswegen daf\u00fcr, das EU-Asylrecht nachzusch\u00e4rfen. Im Juli forderte die Europ\u00e4ische Volkspartei (EVP) die Kommission auf, legislative Ma\u00dfnahmen zu pr\u00fcfen, die den EU-Staaten das Recht einr\u00e4umen, Migranten ohne Asylverfahren an der Au\u00dfengrenze zur\u00fcckzuweisen, wenn sie \u201einstrumentalisiert\u201c werden oder aus Staaten einreisen, die als \u201esicher\u201c eingestuft werden. <\/p>\n<p>\u201eDie EU darf sich auf dem erreichten Asylrecht nicht ausruhen. Die im Grundsatz bereits beschlossenen R\u00fcckkehrzentren in Drittstaaten au\u00dferhalb von Europa m\u00fcssen wir jetzt z\u00fcgig vorantreiben\u201c, so Krings. Notwendig seien zudem Vereinbarungen mit au\u00dfereurop\u00e4ischen Staaten, um dort das gesamte Asylverfahren durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eWenn Schleuser den Eindruck vermitteln k\u00f6nnen, dass eine Route Erfolg verspricht, steigt das Risiko weiterer Migrationsbewegungen\u201c, warnte der innenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler, WELT. Es sei richtig, dass die EU-Kommission die Unterst\u00fctzung durch Frontex angeboten habe. Frontex m\u00fcsse gemeinsam mit Spanien die Lage stabilisieren und weitere irregul\u00e4re Grenz\u00fcbertritte verhindern. Ceuta mache deutlich, dass Schleusernetzwerke \u201eauf Ver\u00e4nderungen sehr schnell reagieren und gezielt Informationen oder Ger\u00fcchte nutzen, um Menschen zur irregul\u00e4ren Migration zu bewegen\u201c. Fiedler fordert: \u201eEuropa braucht wirksamen Au\u00dfengrenzschutz, schnelle und rechtsstaatliche Grenzverfahren sowie konsequente R\u00fcckf\u00fchrungen.\u201c<\/p>\n<p>Aus Sicht der AfD muss der Ansturm illegaler Migranten auf Ceuta in Berlin \u201ealle Alarmglocken l\u00e4uten lassen\u201c. Es sei \u201enur eine Frage der Zeit, bis diese Welle der Massenmigration Deutschland erreicht. Eine Wiederholung des <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article162594791\/Die-Grenzschliessung-fuer-die-keiner-geradestehen-wollte.html\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"noopener nofollow\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article162594791\/Die-Grenzschliessung-fuer-die-keiner-geradestehen-wollte.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Kontrollverlusts von 2015<\/a> muss unter allen Umst\u00e4nden vermieden werden\u201c, sagte Fraktionschefin Alice Weidel WELT. Sie forderte die Bundesregierung auf, \u201esofort alle Vorkehrungen zu treffen, um die deutschen Grenzen l\u00fcckenlos zu schlie\u00dfen und zu \u00fcberwachen, damit jeder Versuch eines illegalen Grenz\u00fcbertritts von aus Spanien weiterziehenden Migranten ausnahmslos zur\u00fcckgewiesen werden kann\u201c. <\/p>\n<p>Es zeige sich, \u201edass auf die schwerf\u00e4lligen europ\u00e4ischen Kollektivsysteme im Ernstfall wenig Verlass ist und die europ\u00e4ischen Au\u00dfengrenzen nicht effektiv gesch\u00fctzt sind\u201c. Die deutsche Migrationspolitik m\u00fcsse Konsequenzen ziehen: \u201eWenn der Schengen-Raum nicht funktioniert, muss er ausgesetzt werden.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die Linke ist es \u201eunertr\u00e4glich, dass Menschen auf der Flucht sterben\u201c. Spanien m\u00fcsse jetzt Menschenleben retten und \u201ejedem Menschen ein rechtsstaatliches Verfahren garantieren\u201c, sagt Clara B\u00fcnger, innen- und fluchtpolitische Sprecherin der Fraktion. \u201eAuch Deutschland muss sich an der humanit\u00e4ren Hilfe und der Aufnahme von Schutzsuchenden beteiligen.\u201c F\u00fcr Deutschland seien jedoch zun\u00e4chst \u201ekeine unmittelbaren Auswirkungen zu erwarten\u201c. <\/p>\n<p>B\u00fcnger fordert, Fluchtursachen zu bek\u00e4mpfen, Schutz zu gew\u00e4hren und legale Fluchtwege zu schaffen. \u201eReflexhafte Forderungen nach noch mehr Abschottung l\u00f6sen keine Fluchtursache. Sie machen die Flucht nur gef\u00e4hrlicher und kosten weitere Menschenleben.\u201c<\/p>\n<p>Die Wagenknecht-Partei BSW erkl\u00e4rt die Situation in Ceuta f\u00fcr \u201eunhaltbar\u201c. Die Ereignisse von 2015 d\u00fcrften sich nicht wiederholen, sagte Parteichef Fabio De Masi WELT. \u201eEs braucht ein klares Signal der europ\u00e4ischen Politik und auch des Bundeskanzlers, dass die jungen M\u00e4nner, die sich aufgrund eines spanischen Gerichtsurteils auch durch das Wasser auf den Weg machen, keinen Zugang zum europ\u00e4ischen Festland erhalten.\u201c Hierf\u00fcr brauche es auch Gesetzesanpassungen in Spanien und eine \u201egezielte Zusammenarbeit mit Marokko\u201c, um die Situation zu stabilisieren. <\/p>\n<p>\u201eUnser Asylsystem ist nicht f\u00fcr die Schaffung \u00f6konomischer Perspektiven geeignet\u201c, sagte De Masi. Die EU-Nachbarschaftspolitik m\u00fcsse in den Blick genommen werden, da sie \u201e\u00f6konomische Perspektiven in Herkunftsl\u00e4ndern\u201c zerst\u00f6re. \u201eAuch den Herkunftsl\u00e4ndern ist durch dauerhaften Brain Drain junger M\u00e4nner nicht geholfen.\u201c<\/p>\n<p>Am Freitagnachmittag meldeten spanische Medien unter Berufung auf das spanische Innenministerium, dass 37.500 Menschen, die irregul\u00e4r nach Ceuta eingereist waren, das Gebiet wieder Richtung Marokko verlassen h\u00e4tten. \u201eAn der Grenze zwischen Marokko und Ceuta herrscht schon l\u00e4nger ein latenter Druck\u201c, sagt Thym. \u201eDie Zahl der jungen M\u00e4nner in Marokko ist gro\u00df, die Jugendarbeitslosigkeit ist gro\u00df.\u201c Bislang h\u00e4tten die Marokkaner die Leute davon abgehalten, \u00fcber die Befestigungsanlagen zu klettern. \u201eEs spricht viel daf\u00fcr, dass hier viele Dinge Faktoren zusammen kamen: das Urteil, die im Hochsommer schw\u00e4cheren Kontrollen auf beiden Seiten, die gut laufende spanische Wirtschaft und die dortige Legalsierungskampagne f\u00fcr \u00fcber eine Millionen Ausl\u00e4nder. Eine konzertierte Aktion der marokkanischen Regierung war es wohl nicht.\u201c<\/p>\n<p>Gr\u00fcnen-Politiker Marquardt forderte nun nachhaltige Abkommen mit Marokko. \u201eWenn man will, dass Marokko irregul\u00e4re Migranten von der Weiterreise abh\u00e4lt, muss man auch regul\u00e4re und geordnete Migrationswege anbieten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Werden Migranten in Ceuta auch nach Deutschland gelangen? 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